K.o.-Tropfen: Bundestag erhöht Mindeststrafe auf fĂŒnf Jahre
Veröffentlicht am: 06.11.2026 um 10:12 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWSNeue Strafregel fĂŒr betĂ€ubende Substanzen
- Der Bundestag beschloss die Ănderung des Strafgesetzbuchs mit den Stimmen von Union, SPD, GrĂŒnen und Linken.
- Die AfD enthielt sich bei der Abstimmung am Freitag.
- Der Gesetzentwurf erfasst Mittel, die erhebliche Verletzungen oder gesundheitliche SchÀden verursachen können.
Bundestag verschĂ€rft Strafrecht fĂŒr K.o.-Tropfen
Der Bundestag hat am Freitag hĂ€rtere Strafen fĂŒr den Einsatz sogenannter K.o.-Tropfen bei Sexual- und Raubdelikten beschlossen. FĂŒr den entsprechenden Gesetzentwurf stimmten Union, SPD, GrĂŒne und Linke, wĂ€hrend sich die AfD enthielt.
Mindeststrafe steigt auf fĂŒnf Jahre
K.o.-Tropfen werden kĂŒnftig rechtlich auf eine Stufe mit Waffen und Messern gestellt. Setzen TĂ€ter solche Mittel bei den genannten Delikten ein, steigt die Mindeststrafe von drei auf fĂŒnf Jahre GefĂ€ngnis.
Bundesgerichtshof gab AnstoĂ
Hintergrund ist eine Entscheidung des Bundesgerichtshofs vom 8. Oktober 2024. Danach gelten narkotisierende Substanzen, die ĂŒber ein GetrĂ€nk verabreicht werden, bei einem sexuellen Ăbergriff bislang nicht als âgefĂ€hrliche Werkzeugeâ.
Solche FĂ€lle wurden deshalb im Sexualstrafrecht einem Auffangtatbestand mit einer Mindeststrafe von drei Jahren zugeordnet. KĂŒnftig sollen sie auch als âbesonders schwere sexuelle Ăbergriffeâ gelten.
Gesetz erfasst gefÀhrliche Mittel
Als gefĂ€hrlich sollen laut Gesetzentwurf Werkzeuge oder Mittel gelten, die im konkreten Fall geeignet sind, erhebliche Verletzungen oder erhebliche gesundheitliche SchĂ€den herbeizufĂŒhren. Eine unmittelbare Einwirkung des TĂ€ters von auĂen soll dafĂŒr nicht erforderlich sein.
Die Bundesregierung fĂŒhrt in der BegrĂŒndung ausdrĂŒcklich aus, dass darunter auch K.o.-Tropfen fallen, die im Tatbestand der gefĂ€hrlichen Körperverletzung als âGift und andere gesundheitsschĂ€dliche Stoffeâ eingeordnet werden.
Mit der beschlossenen Ănderung reagiert der Gesetzgeber auf eine strafrechtliche LĂŒcke, die der Bundesgerichtshof in seiner Entscheidung vom 8. Oktober 2024 sichtbar gemacht hatte. Werden narkotisierende Substanzen ĂŒber ein GetrĂ€nk verabreicht, konnten sie bei sexuellen Ăbergriffen bislang nicht ohne Weiteres als gefĂ€hrliches Werkzeug eingeordnet werden.
Die Neuregelung stellt fĂŒr die Strafzumessung kĂŒnftig stĂ€rker auf die konkrete GefĂ€hrlichkeit des eingesetzten Mittels ab. Entscheidend soll sein, ob ein Werkzeug oder Stoff erhebliche Verletzungen oder erhebliche gesundheitliche SchĂ€den verursachen kann; eine unmittelbare Einwirkung des TĂ€ters ist dafĂŒr nicht erforderlich.
Auswirkungen fĂŒr Strafverfahren
FĂŒr Betroffene bedeutet die Ănderung vor allem, dass der Einsatz von K.o.-Tropfen bei einschlĂ€gigen Sexual- und Raubdelikten zu einem deutlich höheren gesetzlichen Mindeststrafrahmen fĂŒhren kann. Die Beweislage bleibt zugleich zentral: In vielen FĂ€llen mĂŒssen Ermittler klĂ€ren, welche Substanz verabreicht wurde, ob sie nachweisbar ist und welchen Zusammenhang sie mit der Tat hatte.
Die Regelung ordnet K.o.-Tropfen strafrechtlich Waffen und Messern gleich. Sie betrifft damit nicht jede Verabreichung einer betĂ€ubenden Substanz automatisch, sondern den Einsatz im konkreten Tatgeschehen, insbesondere bei sexuellen Ăbergriffen und Raubdelikten.
Signal gegen BetÀubung als Tatmittel
Politisch setzt der Beschluss ein deutliches Signal gegen die Ausnutzung eingeschrĂ€nkter oder aufgehobener Abwehrmöglichkeiten. FĂŒr Gerichte bleibt neben der Einordnung des Mittels die vollstĂ€ndige PrĂŒfung des jeweiligen Delikts und der weiteren Tatbestandsmerkmale maĂgeblich.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
stern: âBundestag entscheidet ĂŒber Gesetz gegen K.O.-Tropfen und debattiert ĂŒber Klimaâ (06.11.2026)
Der Beitrag ordnet die geplante Mindeststrafe von fĂŒnf Jahren bei Sexual- und Raubdelikten ein. Im Mittelpunkt steht der Einsatz von Chemikalien, um Opfer gefĂŒgig zu machen; der Artikel verbindet das Gesetz zudem mit weiteren Themen der Bundestagssitzung.
WDR: âK.o.-Tropfen: âIch dachte, mir kann das nicht passierenââ (06.11.2026)
Der WDR hebt ebenfalls die Anhebung der Mindeststrafe auf fĂŒnf Jahre hervor und stellt die Perspektive Betroffener in den Vordergrund. Damit ergĂ€nzt der Beitrag die rechtliche Darstellung um die konkreten Erfahrungen mit dem Einsatz der Substanzen.
Beide BeitrĂ€ge stimmen beim höheren Strafrahmen ĂŒberein, setzen aber unterschiedliche Schwerpunkte: Der eine ordnet den Bundestagsbeschluss politisch ein, der andere rĂŒckt die Folgen fĂŒr Betroffene in den Mittelpunkt.
