Künstliche Intelligenz, Digitalgipfel

KI-Wettlauf: Merz fordert Tempo für Deutschland und Europa

Veröffentlicht am: 02.11.2026 um 14:54 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Bundeskanzler Friedrich Merz fordert beim Digitalgipfel in Berlin mehr Tempo im globalen KI-Wettbewerb. Ein Bericht der Regierungs-Taskforce nennt die nächsten zwölf bis achtzehn Monate entscheidend für Deutschlands Position gegenüber den USA und China.

Ziele für Behörden und Unternehmen

  • Die Bundesregierung will Deutschland bis 2030 zur „KI-Nation“ entwickeln.
  • Bis dahin sollen 80 Prozent der Großunternehmen und 55 Prozent der kleinen und mittleren Unternehmen KI einsetzen.
  • 90 Prozent der Bundesbehörden sollen mindestens eine KI-Anwendung für Kernaufgaben nutzen.
  • Bundesdigitalminister Karsten Wildberger (CDU): Deutschland muss vorne mitspielen. - Bild: Kay Nietfeld/dpa
  • Die Firma Neura Robotics aus Baden-Württemberg präsentiert beim Digitalgipfel einen humanoiden Roboter, der beispielsweise im Haushalt aushelfen könnte. - Bild: Kay Nietfeld/dpa
  • Mensch und Maschine - humanoide Roboter sind ein wichtiges Thema in der KI-Debatte. - Bild: Kay Nietfeld/dpa
Bundesdigitalminister Karsten Wildberger (CDU): Deutschland muss vorne mitspielen.   - Bild: Kay Nietfeld/dpa Die Firma Neura Robotics aus Baden-Württemberg präsentiert beim Digitalgipfel einen humanoiden Roboter, der beispielsweise im Haushalt aushelfen könnte. - Bild: Kay Nietfeld/dpa Mensch und Maschine - humanoide Roboter sind ein wichtiges Thema in der KI-Debatte.  - Bild: Kay Nietfeld/dpa

Merz fordert beim Digitalgipfel mehr Tempo

Bundeskanzler Friedrich Merz hat beim Digitalgipfel der Bundesregierung in Berlin für mehr Geschwindigkeit bei der Entwicklung und Nutzung digitaler Technologien geworben. Deutschland und Europa sollen nach seinem Willen im internationalen KI-Wettbewerb Spitzenreiter werden.

Taskforce warnt vor wachsendem Abstand

Bei der zweitägigen Konferenz beraten Regierungsvertreter, Experten und Tech-Unternehmer über Chancen, Risiken und Auswirkungen Künstlicher Intelligenz. Nach Einschätzung der Bundesregierung entscheiden die nächsten eineinhalb Jahre darüber, ob Deutschland im Wettbewerb mit den USA und China den Anschluss hält.

Im Abschlussbericht der KI-Taskforce heißt es, das Zeitfenster zur Verringerung des Abstands schließe sich bald. Die nächsten zwölf bis achtzehn Monate seien für die Weichenstellung entscheidend.

Zielmarken bis 2030

Die im Sommer vom Nationalen Sicherheitsrat eingesetzte Taskforce steht unter Leitung des Digitalministeriums. Ihr Bericht formuliert das Ziel, Deutschland bis 2030 zur „KI-Nation“ zu machen.

Bis dahin sollen mindestens 80 Prozent der Großunternehmen und 55 Prozent der kleinen und mittleren Unternehmen KI einsetzen. Die Zahl der KI-Start-ups soll sich verdreifachen, mehr als zehn Prozent der Wirtschaftsleistung soll KI-basiert erwirtschaftet werden, und 90 Prozent der Bundesbehörden sollen mindestens eine KI-Anwendung für Kernaufgaben nutzen.

Roboter und industrielle Anwendungen

Beim Gipfel geht es auch um humanoide Roboter und industrielle KI. Anwendungen sollen Produktionsprozesse beschleunigen und weniger fehleranfällig machen.

Zugleich beschäftigt die Teilnehmer die Zukunft der Arbeit. Kurz- bis mittelfristig könnten durch die Übernahme von Routineaufgaben Bürojobs unter Druck geraten; langfristig wird auch über den Ersatz körperlicher Arbeit durch Roboter diskutiert.

Wildberger widerspricht Musk

Digitalminister Karsten Wildberger hält eine Welt ohne Erwerbsarbeit weder für unausweichlich noch für erstrebenswert. Der Mensch könne den technischen Wandel gestalten, sagte er der Deutschen Presse-Agentur.

Der Tech-Unternehmer Elon Musk hatte in einem Interview erklärt, Künstliche Intelligenz werde jeden Job besser erledigen können als ein Mensch und Arbeit dadurch optional machen. Wildberger verwies dagegen auf die Bedeutung menschlichen Urteilsvermögens und forderte Unternehmen auf, junge Menschen weiterhin einzustellen und auszubilden.

Debatte über eine mögliche KI-Steuer

Diskutiert wird außerdem, ob hohe Gewinne aus KI besteuert werden sollten, um die gesellschaftlichen Folgen des Umbruchs abzufedern. Familienministerin Karin Prien hatte sich für neue Formen der Besteuerung ausgesprochen, wenn Wertschöpfung im Wesentlichen durch KI entstehe.

Der Digitalgipfel fällt in eine Phase, in der Künstliche Intelligenz nicht mehr nur als Thema der Softwarebranche gilt. Sie betrifft inzwischen industrielle Produktionsabläufe, öffentliche Verwaltung, Forschung und die Arbeitswelt. Für Deutschland geht es deshalb zugleich um wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit, technologische Souveränität und die Frage, unter welchen Regeln KI eingesetzt wird.

Die von der Bundesregierung genannten Ziele bis 2030 setzen auf eine breite Anwendung statt ausschließlich auf die Entwicklung eines einzelnen großen Sprachmodells. Dazu gehören mehr KI-Einsatz in Unternehmen und Behörden, zusätzliche Start-ups sowie eigene Rechenkapazitäten und Alternativen zu dominierenden internationalen Plattformen. Kooperationen mit europäischen und außereuropäischen Partnern sollen Abhängigkeiten verringern.

Zwischen Standortpolitik und Arbeitsmarkt

Die Debatte über Tempo steht zugleich im Spannungsfeld mit Sicherheits-, Datenschutz- und Beschäftigungsfragen. In der Industrie kann KI Prozesse beschleunigen und Fehler reduzieren; im Bürobereich kann sie Routineaufgaben übernehmen. Für Beschäftigte wird daher entscheidend sein, ob Weiterbildung, neue Tätigkeitsprofile und soziale Absicherung mit der technischen Entwicklung Schritt halten.

Die kommenden zwölf bis achtzehn Monate bilden nach der politischen Zielsetzung die entscheidende Umsetzungsphase. Für Unternehmen und Bürger geht es dabei nicht nur um neue Anwendungen, sondern auch um Infrastruktur, Qualifikationen, verlässliche Regeln und die Verteilung der wirtschaftlichen Gewinne. Die Diskussion über eine mögliche Besteuerung KI-gestützter Wertschöpfung zeigt, dass die Folgen längst über die Digitalpolitik hinausreichen.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

Stern: „Digitalgipfel: 'Zeitfenster schließt sich bald': Deutschland unter KI-Druck“ (02.11.2026)

Der Beitrag bestätigt den von der Bundesregierung beschriebenen Zeitdruck und stellt die Zielvorgaben der KI-Taskforce bis 2030 heraus. Sein Schwerpunkt liegt auf dem drohenden Abstand zu den USA und China sowie auf der Warnung vor langfristiger Abhängigkeit.

tagesschau: „Ist der KI-Zug in Deutschland schon abgefahren?“ (02.11.2026)

Der Beitrag bestätigt den internationalen Wettbewerbsdruck, setzt aber stärker auf die Frage, wo Deutschland eigene Stärken entwickeln kann. Neben Abhängigkeiten bei Basismodellen nennt er industrielle Anwendungen, Forschung und Partnerschaften als mögliche Ansatzpunkte; offen bleibt, ob daraus schnell genug konkrete Fortschritte entstehen.

Beide Beiträge verbinden die politische Forderung nach mehr Tempo mit dem Hinweis auf strukturelle Abhängigkeiten. Unterschiede liegen vor allem im Schwerpunkt: Während der Stern die Frist und die Regierungsziele betont, richtet die tagesschau den Blick stärker auf Finanzierung, industrielle Anwendungen und praktische Umsetzung.

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