Studie, Gymnasialbesuch

Studie: Gymnasialbesuch vom Elternhaus abhÀngig

13.05.2024 - 12:14:32

Kinder von Eltern mit weniger Geld und ohne Abitur kommen seltener aufs Gymnasium. Eine weitere Studie bestÀtigt das. Zwischen den BundeslÀndern gibt es aber Unterschiede.

Kinder aus Familien mit geringerem Bildungsgrad und kleinerem Einkommen gehen einer Studie zufolge seltener aufs Gymnasium als Gleichaltrige aus bessergestellten Familien mit höherer Bildung. Dabei gibt es deutliche Unterschiede zwischen den BundeslÀndern.

Wie eine Untersuchung des ifo-Instituts zeigt, besuchen in Deutschland knapp 27 Prozent der Kinder mit Eltern, die weder Abitur haben noch zum oberen Viertel der Einkommen gehören ein Gymnasium. In Familien mit mindestens einem Elternteil mit Abitur und/oder einem Haushaltseinkommen im oberen Viertel sind es knapp 60 Prozent.

Eine Untersuchung mit Àhnlichen Ergebnissen hatte das ifo-Institut bereits vor einem Jahr vorgelegt. Dieses Mal ging es vor allem darum, Unterschiede zwischen den BundeslÀndern herauszuarbeiten.

«Die Ungleichheit der Bildungschancen ist in allen BundeslĂ€ndern sehr stark ausgeprĂ€gt», heißt es in der Studie. Der relative Unterschied oder das ChancenverhĂ€ltnis zwischen Kindern «mit niedrigerem Hintergrund» und denen mit «höherem Hintergrund» ist demnach aber in LĂ€ndern wie Berlin (37/69), Brandenburg (35/66) oder Rheinland-Pfalz (31/59) besser. Bayern (20/53) oder Sachsen (27/67) schneiden schlechter ab.

So ist die Studie angelegt

Grundlage fĂŒr die Untersuchung war den Angaben zufolge der Mikrozensus mit Daten von 2018 und 2019. Analysiert wurden die Haushalte mit mindestens einem Kind zwischen 10 und 18 Jahren mit Blick darauf, ob die Kinder an Gymnasien oder UniversitĂ€ten lernten. Als zweiter Faktor wurde das Haushaltsnettoeinkommen berĂŒcksichtigt und ob dieses mit mindestens 5000 Euro im Monat im oberen Viertel lag. Insgesamt wurde laut Studie eine Stichprobe von 102.005 Kindern untersucht. Die Fallzahlen pro Bundesland reichten von 947 Kindern in Bremen bis 23.022 Kindern in Nordrhein-Westfalen.

Die Untersuchung bestĂ€tigt Befunde anderer Bildungsstudien, wonach Bildungschancen in Deutschland stark mit der sozialen Herkunft zusammenhĂ€ngen. Die festgestellten Unterschiede seien statistisch, bildungspolitisch und wirtschaftlich bedeutsam, hieß es. «TatsĂ€chlich verdienen Menschen mit Abitur im Durchschnitt monatlich netto 42 Prozent mehr als Menschen ohne Abitur.»

Die Autoren fordern unter anderem, die frĂŒhkindliche Bildungsangebote fĂŒr benachteiligte Kinder auszubauen und eine Aufteilung auf unterschiedliche weiterfĂŒhrende Schulen zu verschieben. Verwiesen wird auf Berlin und Brandenburg, wo die Grundschulzeit im Unterschied zu allen anderen BundeslĂ€ndern erst nach der sechsten Klasse endet.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) plĂ€diert sogar fĂŒr ein noch lĂ€ngeres gemeinsames Lernen. «Die Chancengleichheit in der Bildung erhöht sich, wenn die SchĂŒlerinnen und SchĂŒler mindestens bis zur 10. Klasse zusammen lernen. Das zeigt das Beispiel der skandinavischen Staaten. Je weniger Selektion, desto besser kann jedes Kind seine Bildungspotenziale entwickeln», sagte GEW-Vorstandsmitglied Anja Bensinger-Stolze in einer Mitteilung der Gewerkschaft.

@ dpa.de