Studie: Bundestagsreden verstÀndlicher als erwartet
05.03.2024 - 14:17:10Die im Bundestag gehaltenen Reden sind verstÀndlicher als erwartet - bei vielen Abgeordneten gibt es aber durchaus Verbesserungsmöglichkeiten. Zu diesem Ergebnis kommt eine Analyse der UniversitÀt Hohenheim.
Formale VerstĂ€ndnishĂŒrden seien nicht da, sagte der Kommunikationswissenschaftler Frank Brettschneider. «Die Verpackung ist so, dass der Zugang zu den Inhalten nicht verwehrt wird.» Dies sei ein positives Ergebnis. Beim unteren Drittel der Abgeordneten sei aber durchaus noch «Luft nach oben».
Untersucht wurden 96 Reden der Bundestagshaushaltswoche im September vergangenen Jahres. Die formale VerstÀndlichkeit wurde anhand von Kriterien wie Wort- und SatzlÀngen sowie Satzkonstruktionen untersucht. Auch Fremdwörter, Fachbegriffe und Anglizismen erschweren die VerstÀndlichkeit. Zudem wurden seit langem bestehende Lesbarkeitsformeln einbezogen. Der daraus entwickelte «Hohenheimer VerstÀndlichkeitsindex» reicht von 0 Punkte (schwer verstÀndlich) bis 20 Punkte (leicht verstÀndlich).
Olaf Scholz schafft es auf Platz 57
Die nach diesen Kriterien verstĂ€ndlichste Rede der Haushaltswoche hielt Bildungsministerin Bettina Stark-Watzinger (FDP), die auf einen Wert von 19,2 kam. Mit einem Wert von 8,2 schnitt Umweltministerin Steffi Lemke (GrĂŒne) unter den Kabinettsmitgliedern am schlechtesten ab. Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) kam auf einen Wert 14,3 und damit Platz 57, OppositionsfĂŒhrer Friedrich Merz (CDU) auf 13,0, was Platz 71 entspricht. Die unverstĂ€ndlichsten Reden aller Abgeordneten hielten Agnieszka Brugger (GrĂŒne) und Claudia RaffelhĂŒschen (FDP), die jeweils auf 8,0 Punkte kamen.
BundestagsprĂ€sidentin BĂ€rbel Bas begrĂŒĂte die Untersuchung, die auf Anregung der Deutschlandfunk-Nachrichten zustande kam. «Das Ergebnis fordert uns heraus, komplexe Themen noch verstĂ€ndlicher auf den Punkt zu bringen - ohne polemisch oder unsachlich zu werden», sagte die SPD-Politikerin der Deutschen Presse-Agentur. «Der Einsatz fĂŒr eine klare und verstĂ€ndliche Sprache lohnt sich. Die Studie nennt auch positive Beispiele aus den Reihen der Abgeordneten. Das sollte Ansporn fĂŒr alle sein.»
Reden der GrĂŒnen am unverstĂ€ndlichsten
Einfacher und verstĂ€ndlicher drĂŒcken sich im Bundestag nach der Untersuchung vor allem die Abgeordneten der Linken aus, gefolgt von denen der Union. Die SPD-Fraktion liegt auf dem dritten Rang. Am schlechtesten schneiden die GrĂŒnen ab. In der Haushaltswoche waren Reden der Opposition (15,9) verstĂ€ndlicher als die des Regierungslagers (14,2).Â
Der Durchschnitt fĂŒr alle untersuchten Reden lag bei 15,0 Punkten. Das war besser als die Reden der Vorstandsvorsitzenden auf den Hauptversammlungen der DAX-40-Unternehmen im vergangenen Jahr, fĂŒr die die UniversitĂ€t Hohenheim einen Durchschnittswert von 13,7 Punkten ermittelte.Â
Besonders erschwert wird die VerstĂ€ndlichkeit von Reden durch «Monster- und BandwurmsĂ€tze», wie die Sprachwissenschaftler festhielten. Politiker verpackten daher unangenehme Aussagen gern in SchachtelsĂ€tzen, sagte Brettschneider. Das sei aber nicht neu. «Gerhard Schröder war ein Meister darin, das so zu tun», sagte der Kommunikationswissenschaftler ĂŒber den SPD-Altkanzler.


