Klimaprotest, FlughÀfen

Klimaprotest an FlughĂ€fen - Mehrere FlĂŒge gestrichen

15.08.2024 - 15:53:51

Klimaschutzaktivisten der Letzten Generation verhindern mit Störaktionen auf mehreren deutschen FlughÀfen zeitweise Starts und Landungen. Es kommt zu AusfÀllen und VerspÀtungen.

  • Klimaaktivisten der letzten Generation protestieren auf dem GelĂ€nde des Flughafens Stuttgart. - Foto: Marius Bulling/dpa

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  • Schnipp, schnipp – so verschafften sich die Aktivisten Zugang zum Flughafen NĂŒrnberg. - Foto: Daniel Vogl/dpa

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  • Volle Halle: Der Flugbetrieb am Flughafen Köln/Bonn wurde am Morgen vorĂŒbergehend ausgesetzt. Mittlerweile lĂ€uft der Betrieb wieder an. - Foto: Benjamin Westhoff/dpa

    Benjamin Westhoff/dpa

Klimaaktivisten der letzten Generation protestieren auf dem GelĂ€nde des Flughafens Stuttgart. - Foto: Marius Bulling/dpaSchnipp, schnipp – so verschafften sich die Aktivisten Zugang zum Flughafen NĂŒrnberg. - Foto: Daniel Vogl/dpaVolle Halle: Der Flugbetrieb am Flughafen Köln/Bonn wurde am Morgen vorĂŒbergehend ausgesetzt. Mittlerweile lĂ€uft der Betrieb wieder an. - Foto: Benjamin Westhoff/dpa

Störaktionen von Klimaaktivisten der Letzten Generation haben zu FlugausfĂ€llen an deutschen FlughĂ€fen gefĂŒhrt. Je zwei Aktivisten drangen Angaben der Organisation zufolge auf die Airports Berlin-Brandenburg, Stuttgart, NĂŒrnberg und Köln/Bonn ein. In Köln/Bonn und NĂŒrnberg wurde der Flugbetrieb daraufhin zeitweise unterbrochen. Als Folge kam es zu Annullierungen und VerspĂ€tungen, wie die FlughĂ€fen mitteilten.

In Köln/Bonn wurde der Betrieb fĂŒr «gut eine Stunde» eingestellt, 16 FlĂŒge wurden gestrichen, wie ein Sprecher sagte. In NĂŒrnberg wurde der Flugbetrieb nach Angaben eines dortigen Flughafensprechers fĂŒr etwa eine Stunde und 15 Minuten unterbrochen. Ein Flug samt RĂŒckflug wurden annulliert, sechs FlĂŒge hatten VerspĂ€tungen, ein nach Prag umgeleiteter Flug kam dann doch mit VerspĂ€tung in NĂŒrnberg an, wie der Sprecher berichtete. An den FlughĂ€fen in Berlin und Stuttgart hieß es, der Flugbetrieb sei nicht beeintrĂ€chtigt worden. 

Die acht Aktivistinnen und Aktivisten der Klimagruppe seien in Gewahrsam genommen worden, teilte die Polizei mit. Die Aktivisten hatten sich demnach zwischen 5.10 und 5.45 Uhr ĂŒber Löcher in ZĂ€unen Zugang zu den FlughĂ€fen verschafft und sich anschließend auf dem GelĂ€nde festgeklebt. In NĂŒrnberg etwa auf dem Rollweg - also auf dem Bereich zwischen dem Vorfeld und der Start- und Landebahn.

Die Letzte Generation erklĂ€rte laut Mitteilung, die Aktivisten drĂŒckten «friedlich ihren Widerstand aus, indem sie Banner mit der Aufschrift "Oil kills" (Öl tötet) und "Sign the treaty" (den Vertrag unterschreiben) zur Schau stellten». «Die Start- und Landebahnen wurden dabei nicht betreten.»

Forderung nach völligem Verzicht auf Kohle, Öl und Gas

Die Gruppe fordert radikalen Klimaschutz, darunter den völligen Verzicht auf Kohle, Öl und Gas. Sie fordern den Abschluss eines dahingehenden internationalen Vertrags. Seit Anfang 2022 organisierte die Gruppe Straßenblockaden, bei denen sich die Teilnehmer festklebten. Zwischenzeitlich hatte sie aber angekĂŒndigt, ihre Strategie zu Ă€ndern und kĂŒnftig auf Festkleben zu verzichten. Die Klimaaktivisten haben zuletzt mehrfach Störaktionen auf FlughĂ€fen durchgefĂŒhrt, Ende Juli auch an Deutschlands grĂ¶ĂŸtem in Frankfurt.

Nach den Protestaktionen wurden erneut hĂ€rtere Strafmaßnahmen gefordert. Die Aktionen seien «ein konzertierter Akt der kriminellen Erpressung», sagte der HauptgeschĂ€ftsfĂŒhrer des Flughafenverbands ADV, Ralph Beisel, laut Mitteilung. Es handele sich um «Straftaten», die von der Justiz «konsequent sanktioniert» werden mĂŒssten, sagte Beisel. Der Kabinettsbeschluss zur VerschĂ€rfung des Luftsicherheitsgesetzes mĂŒsse «umgehend» durch den Bundestag beschlossen werden. 

Die Bundesregierung will mit der geplanten Reform radikale KlimaschĂŒtzer und andere Störer von gefĂ€hrlichen Aktionen auf FlughĂ€fen abhalten. Kern ist die Schaffung einer neuen Vorschrift, die das «vorsĂ€tzliche, unberechtigte Eindringen» unter anderem auf das Rollfeld sowie die Start- und Landebahnen unter Strafe stellt – und zwar dann, wenn dadurch die Sicherheit des zivilen Luftverkehrs beeintrĂ€chtigt wird. 

Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) verurteilte die Aktionen scharf und nahm auf der Plattform X auch die FlughÀfen in die Verantwortung. «Diese kriminellen Aktionen sind gefÀhrlich und dumm», schrieb Faeser. «Wir haben empfindliche Freiheitsstrafen vorgeschlagen. Und wir verpflichten die FlughÀfen, ihre Anlagen deutlich besser zu sichern.»

Vom ADV hieß es, das mehrstufige Sicherheitskonzept der FlughĂ€fen mit den Zaunanlagen als ein Baustein habe sich bewĂ€hrt. Der Flugverkehr sei unmittelbar eingestellt worden. «Die Melde- und Alarmketten funktionieren zuverlĂ€ssig», sagte HauptgeschĂ€ftsfĂŒhrer Beisel. 

GesprÀchsangebot an die Letzte Generation

Der ADV hatte den Klimaaktivisten in der vergangenen Woche ein GesprĂ€chsangebot gemacht. In einem offenen Brief hieß es: «Es ist unbestreitbar, dass der Klimawandel eine der grĂ¶ĂŸten Herausforderungen unserer Zeit darstellt. Kriminelle Blockaden von FlughĂ€fen tragen nicht zur Lösung bei». Die Letzte Generation teilte auf X mit, sie nehme das GesprĂ€chsangebot gern an.

@ dpa.de