Bundestag, Frauen in der Politik

Klöckner startet Initiative gegen Hass und für mehr Frauen im Bundestag

Veröffentlicht am: 07.09.2026 um 00:00 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWS

Julia Klöckner will mit einer fraktionsübergreifenden Initiative den niedrigen Frauenanteil im Bundestag und gezielte Hassattacken auf Politikerinnen in den Fokus rücken. Dafür lädt sie alle weiblichen Abgeordneten zu einem Austausch am 6. Oktober ein.

Klöckner will Frauen in Politik stärken
Julia Klöckner (Archiv) - Bild: via dts Nachrichtenagentur

Bundestagspräsidentin Julia Klöckner (CDU) startet eine fraktionsübergreifende Initiative gegen die Unterrepräsentation von Frauen in der Politik und zunehmende Hassattacken auf Politikerinnen. Anlass ist ein Schreiben Klöckners an alle weiblichen Abgeordneten des Bundestags, in dem sie auf die aktuelle Lage aufmerksam macht.

Klöckner kritisiert niedrigen Frauenanteil im Parlament

In dem Brief weist Klöckner darauf hin, dass derzeit nur 205 Frauen dem Deutschen Bundestag angehören. Bei insgesamt 630 Abgeordneten entspreche dies lediglich rund 33 Prozent, was sie als deutlich zu gering bezeichnet. Der geringe Frauenanteil sei aus ihrer Sicht Ausdruck einer strukturellen Unterrepräsentation im Parlament.

Zugleich macht die Bundestagspräsidentin darauf aufmerksam, dass Frauen in der Politik häufig anderen Maßstäben ausgesetzt sind als ihre männlichen Kollegen. Politikerinnen würden demnach stärker nach Äußerem, Auftreten und Persönlichkeit beurteilt, während sich Kritik nicht allein auf ihre politischen Positionen richte.

Warnung vor sexualisierten und bedrohlichen Anfeindungen

Klöckner beschreibt, dass Anfeindungen gegen Politikerinnen insbesondere im digitalen Raum persönlich, sexualisiert und bedrohlich werden können. Solche Erfahrungen hätten nach ihren Worten bereits viele Frauen in der Politik in unterschiedlicher Intensität gemacht, unabhängig von ihrer Fraktionszugehörigkeit.

Die Folge sei, dass sich zahlreiche Frauen aus der aktiven Politik zurückzögen, vor allem auf kommunaler Ebene. Manche verzichteten demnach auf eine Kandidatur oder entschieden sich gegen eine Wiederbewerbung, wenn sie mit massiven Angriffen konfrontiert wurden.

Einladung zum Austausch am 6. Oktober

Um über mögliche Gegenmaßnahmen und gemeinsame Strategien zu sprechen, lädt Klöckner für den 6. Oktober zu einem fraktionsübergreifenden Austausch ein. Thema sollen politische Gestaltung, Sichtbarkeit, öffentliche Erwartungen und die geteilten Erfahrungen von Frauen im Parlament sein.

Die Bundestagspräsidentin zielt mit der Initiative darauf, die Rahmenbedingungen für Frauen in der Politik zu verbessern und eine breitere Diskussion über respektvolle Debattenkultur und Schutz vor Hass und Hetze anzustoßen.

Die Initiative von Bundestagspräsidentin Julia Klöckner zielt auf zwei miteinander verknüpfte Probleme: den niedrigen Frauenanteil im Bundestag und die spezifischen Formen von Hass und Bedrohung, denen Politikerinnen ausgesetzt sind. Mit aktuell 205 weiblichen Abgeordneten bei insgesamt 630 Sitzen liegt der Frauenanteil deutlich unter der häufig als Zielmarke genannten Parität. Dies spiegelt auch eine breitere Entwicklung wider, wonach Frauen insbesondere auf kommunaler Ebene seltener kandidieren oder Mandate vorzeitig aufgeben.

Hintergrund: Strukturelle Hürden und digitale Gewalt

Klöckner benennt explizit, dass Politikerinnen stärker nach Aussehen und Auftreten beurteilt werden und dass Kritik häufig in sexualisierte, persönlich abwertende oder bedrohliche Formen kippt. Solche Muster verstärken bekannte strukturelle Hürden: die Vereinbarkeit von politischem Engagement mit Familie, traditionelle Rollenbilder und die Angst vor öffentlicher Diffamierung. Besonders der digitale Raum spielt dabei eine zentrale Rolle, weil Anfeindungen dort schnell eskalieren und große Reichweiten erzielen.

Bedeutung für Parteien und politische Kultur

Bemerkenswert ist der fraktionsübergreifende Ansatz: Klöckner adressiert alle weiblichen Abgeordneten und betont, dass die Erfahrungen von Anfeindungen unabhängig von der Parteizugehörigkeit sind. Damit wird das Thema aus dem parteipolitischen Konfliktmodus herausgelöst und als gemeinsame Herausforderung für die demokratische Kultur markiert. Eine solche Verständigung kann Druck auf Parteien erhöhen, etwa bei der Aufstellung von Kandidatenlisten, der innerparteilichen Unterstützung von Frauen und dem Umgang mit Angriffen in sozialen Medien.

Ausblick: Treffen am 6. Oktober

Das für den 6. Oktober geplante Treffen im Bundestag ist zunächst ein Austauschformat, kann aber als Startpunkt für konkrete Reformvorschläge dienen. Denkbar sind Empfehlungen zu Schutzmechanismen im Netz, besseren Beratungs- und Meldestrukturen für Betroffene sowie parteiübergreifende Selbstverpflichtungen zur Förderung von Frauen in politischen Ämtern. Ob aus dem Austausch verbindliche politische Maßnahmen entstehen, hängt davon ab, ob die beteiligten Fraktionen den beschriebenen Handlungsdruck in praktische Gesetzes- oder Parteireformen übersetzen.

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