Kosovo, Hashim Thaci

Kosovos Ex-PrÀsident Hashim Thaci erhÀlt 25 Jahre Haft

Veröffentlicht am: 16.09.2026 um 11:52 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWS

Ein Sondertribunal in Den Haag hat Kosovos Ex-PrĂ€sident Hashim Thaci wegen Kriegsverbrechen im Kosovo-Krieg zu 25 Jahren Haft verurteilt. In Pristina demonstrierten Tausende Menschen fĂŒr den frĂŒheren UCK-Kommandanten und seine Mitangeklagten.

25 Jahre Haft fĂŒr Kosovos Ex-PrĂ€sident Thaci wegen Kriegsverbrechen
Serbien und Kosovo (Archiv) - Bild: via dts Nachrichtenagentur

Der ehemalige PrĂ€sident des Kosovo, Hashim Thaci, ist von einem Sondertribunal in Den Haag wegen Kriegsverbrechen zu 25 Jahren Haft verurteilt worden. Das Gericht erklĂ€rte ihn am Mittwoch fĂŒr schuldig, fĂŒr Verbrechen wĂ€hrend des Kosovo-Krieges verantwortlich zu sein.

Urteil des Sondertribunals in Den Haag

Das Sondertribunal, die Kosovo Specialist Chambers, hatte Thaci wegen Taten zur Verantwortung gezogen, die in den Jahren 1998 und 1999 im Krieg gegen serbische StreitkrĂ€fte begangen worden sein sollen. Thaci war vor fast sechs Jahren von seinem Amt als PrĂ€sident zurĂŒckgetreten, um sich den Anklagen zu stellen und den Prozess zu ermöglichen.

Neben Thaci standen drei weitere ehemalige hochrangige Kommandanten der ethnisch-albanischen Befreiungsarmee des Kosovo (UCK) vor Gericht. Sie wurden wegen mehrfacher Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit angeklagt, darunter Mord, Folter und Verfolgung.

Mitangeklagte UCK-Kommandanten und Anklagepunkte

Die vier Angeklagten kĂ€mpften im Kosovo-Krieg auf Seiten der UCK gegen serbische SicherheitskrĂ€fte. Die Anklage warf ihnen vor, Verantwortung fĂŒr zahlreiche Übergriffe auf Zivilisten zu tragen, darunter systematische Misshandlungen und gezielte Tötungen.

Im Verfahren gegen Thaci wurde ihm konkret zugeschrieben, fĂŒr etwa 100 Morde verantwortlich zu sein. Zu den Opfern gehörten Kosovo-Albaner, Serben, Roma sowie Angehörige anderer ethnischer Gruppen und politische Gegner.

Reaktionen im Kosovo auf das Urteil

In ihrer Heimat gelten Thaci und die drei weiteren ehemaligen UCK-Kommandanten weitgehend als Nationalhelden. Viele Kosovaren sehen in ihnen zentrale Figuren des Widerstands wÀhrend des UnabhÀngigkeitskampfes gegen Serbien.

Am Mittwoch versammelten sich Tausende Menschen in Pristina, um ihre UnterstĂŒtzung fĂŒr die Angeklagten zu zeigen. Menschenmengen fĂŒllten einen zentralen Platz der Hauptstadt, zahlreiche Teilnehmer schwenkten Flaggen und Ă€ußerten ihren Protest gegen das Urteil.

Strafmaß und Haltung der Angeklagten

Die StaatsanwĂ€lte in Den Haag hatten fĂŒr Thaci und seine Mitangeklagten eine Höchststrafe von 45 Jahren Haft gefordert. Das Gericht entschied jedoch auf eine Freiheitsstrafe von 25 Jahren fĂŒr den ehemaligen PrĂ€sidenten.

Alle vier Angeklagten wiesen die ihnen vorgeworfenen Taten zurĂŒck. Sie haben die VorwĂŒrfe von Beginn des Verfahrens an bestritten und ihre Rolle im Krieg als Teil des Kampfes um die UnabhĂ€ngigkeit des Kosovo beschrieben.

Politische Laufbahn Thacis

Hashim Thaci war nach der UnabhĂ€ngigkeitserklĂ€rung des Kosovo im Jahr 2008 der erste MinisterprĂ€sident der neu ausgerufenen Republik. Dieses Amt ĂŒbte er bis 2014 aus.

Im April 2016 ĂŒbernahm Thaci das Amt des PrĂ€sidenten des Kosovo und blieb bis zu seinem RĂŒcktritt im November 2020 im Amt. Mit seinem RĂŒckzug aus der PrĂ€sidentschaft machte er den Weg fĂŒr das Verfahren vor dem Sondertribunal frei.

Die Verurteilung des ehemaligen kosovarischen PrĂ€sidenten Hashim Thaci zu 25 Jahren Haft markiert einen neuen Einschnitt in der juristischen Aufarbeitung des Kosovo-Krieges. Das Sondertribunal in Den Haag, die Kosovo Specialist Chambers, ist speziell eingerichtet worden, um mutmaßliche Verbrechen von Angehörigen der UCK zu verfolgen, die damals gegen serbische SicherheitskrĂ€fte kĂ€mpften. Anders als frĂŒhere Verfahren vor dem Internationalen Strafgerichtshof fĂŒr das ehemalige Jugoslawien richtet sich dieses Gericht auf Straftaten, die ĂŒberwiegend an Zivilisten aus der eigenen Bevölkerung und Minderheiten begangen worden sein sollen.

Politisch trifft das Urteil einen Akteur, der den Kosovo nach der UnabhĂ€ngigkeit maßgeblich geprĂ€gt hat. Thaci war zunĂ€chst als UCK-Kommandant bekannt und stieg spĂ€ter zum ersten MinisterprĂ€sidenten und anschließend zum PrĂ€sidenten des Landes auf. Viele Kosovaren sehen ihn und die mitverurteilten Kommandanten als Symbolfiguren des Kampfs um Selbstbestimmung, weshalb die UnterstĂŒtzungskundgebungen in Pristina zeigen, wie groß die Kluft zwischen juristischer Bewertung und nationaler Erinnerungskultur ist.

Spannungsfeld zwischen Justiz und Gesellschaft

FĂŒr die internationale Gemeinschaft ist das Urteil ein Signal, dass schwere Menschenrechtsverletzungen auch dann geahndet werden können, wenn sie von Akteuren begangen wurden, die politisch erfolgreich waren und in ihrer Heimat hohes Ansehen genießen. Zugleich verschĂ€rft es das ohnehin fragile VerhĂ€ltnis zwischen Kosovo und Serbien, denn jede Neubewertung der Kriegsvergangenheit wirkt sich auf laufende GesprĂ€che ĂŒber Normalisierung und EU-AnnĂ€herung aus. FĂŒr die Bevölkerung im Kosovo könnte das Urteil eine Phase innenpolitischer Debatten ĂŒber den Umgang mit der UCK-Vergangenheit einleiten, wĂ€hrend Opfergruppen in verschiedenen Gemeinschaften eine BestĂ€tigung ihres Leidens erfahren.

Ausblick fĂŒr Kosovo und Region

Mittelfristig dĂŒrfte entscheidend sein, ob politische FĂŒhrung und Zivilgesellschaft im Kosovo Wege finden, den historischen Beitrag der UCK zur StaatsgrĂŒndung vom strafrechtlichen Umgang mit individuellen Verbrechen zu trennen. Die Umsetzung des Urteils und mögliche Rechtsmittel werden zeigen, wie belastbar die spezialisierten Strafgerichte fĂŒr den Kosovo sind und ob sie zu mehr Vertrauen zwischen den Volksgruppen beitragen oder die GrĂ€ben zunĂ€chst vertiefen.

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