Urlauber könnten im Stau stehen â Kritik an Grenzkontrollen
Veröffentlicht: 16.07.2026 um 05:44 Uhr, dpa.deDer ehemalige PrĂ€sident des EuropĂ€ischen Parlaments, Martin Schulz, fordert die Aufhebung der deutschen Grenzkontrollen. «Diese Kontrollen bringen fast nichts und verstoĂen gleichzeitig gegen grundlegendes europĂ€isches Recht», sagte der frĂŒhere SPD-Chef der Deutschen Presse-Agentur.
Leider bleibe ein Aufschrei bisher aus. «Aber ich glaube, wenn jetzt viele Menschen in den Urlaub fahren und dann spĂ€ter bei der RĂŒckreise nach Deutschland im Stau stehen, dann wird da einiger Ărger entstehen. Da wartet man nĂ€mlich schon jetzt manchmal gut und gern eine Stunde.» FĂŒr Pendler und Spediteure aus dem Grenzraum seien die Kontrollen deshalb eine erhebliche, auch finanzielle Belastung.
Auch der EU-Migrationskommissar bekrĂ€ftigte seine Forderung nach einem Ende der deutschen Grenzkontrollen angesichts fallender Migrationszahlen und der neuen Asylregeln. Es sei jetzt an der Zeit, die innereuropĂ€ischen Grenzkontrollen schrittweise abzuschaffen, sagte Magnus Brunner der dpa und anderen Mitgliedern des Nachrichtenagentur-Netzwerks European Newsroom (enr) in BrĂŒssel.Â
Kilometerlange Staus an der GrenzeÂ
An allen deutschen AuĂengrenzen gibt es seit dem 16. September 2024 wieder Kontrollen. Das Bundesinnenministerium hatte sie angeordnet, um die Zahl der unerlaubten Einreisen stĂ€rker einzudĂ€mmen. Sie wurden dreimal verlĂ€ngert â zuletzt bis Mitte September 2026. EingefĂŒhrt wurden die Kontrollen von der frĂŒheren Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD), deren Nachfolger Alexander Dobrindt (CSU) baute sie bei Antritt der schwarz-roten Bundesregierung stark aus. Mittlerweile wird etwa an mehreren GrenzĂŒbergĂ€ngen von den Niederlanden nach Deutschland fast durchgĂ€ngig kontrolliert, was zu kilometerlangen Staus auf niederlĂ€ndischer Seite fĂŒhrt.Â
«Diese stationĂ€ren Kontrollen sind pure Symbolpolitik», sagte Schulz, der aus der Grenzregion bei Aachen stammt und dort immer noch wohnt. «Wohlgemerkt, ich bin nicht gegen flexible, stichprobenartige Kontrollen, wie es sie im Grenzgebiet immer gegeben hat. Wogegen ich bin, ist die Scheinpolitik stĂ€ndiger Grenzkontrollen, weil sie sowieso nichts bringen, denn Schleuser und Drogenschmuggler wĂ€hlen dann einfach eine andere Route.»Â
Dazu komme, dass feste Kontrollposten eindeutig gegen den Schengen-Vertrag verstieĂen, der den freien Personenverkehr garantiere. Dies sei eines der wichtigsten Rechte in der EuropĂ€ischen Union. «Es kann doch nicht sein, dass der Bundesinnenminister einerseits verlangt: "Alle mĂŒssen sich an europĂ€isches Recht halten." Und dass er dann selbst hingeht und ebendieses europĂ€ische Recht nach GutdĂŒnken und auf Dauer auĂer Kraft setzt.»
«Es gibt schlicht keinen Ausnahmezustand»
Die EU-Kommission mĂŒsste vor diesem Hintergrund strenger mit Deutschland umgehen, kritisierte Schulz (70), der seit sechs Jahren Vorsitzender der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung ist.Â
Es sei davon auszugehen, dass die Kontrollen letztlich von den Gerichten gekippt wĂŒrden, sagte er. «Der Ausnahmezustand, mit dem Dobrindt die Kontrollen begrĂŒndet, den gibt es schlicht nicht. Jeder weiĂ das.» Allerdings werde der Gang durch die Instanzen Zeit in Anspruch nehmen.Â
Das Verwaltungsgericht Koblenz hatte kĂŒrzlich in erster Instanz einem Jura-Professor aus SaarbrĂŒcken recht gegeben, der dagegen geklagt hatte, dass er an der deutsch-luxemburgischen Grenze kontrolliert worden war. Dobrindt hat Berufung gegen das Urteil eingelegt.
