Tote, Verletzte

FĂŒnf Tote und 200 Verletzte nach Todesfahrt von Magdeburg

21.12.2024 - 14:14:35 | dpa.de

Kurz vor Heiligabend schlendern Tausende Menschen in Magdeburg durch die engen Gassen des Weihnachtsmarkts. Plötzlich rast ein Auto durch die Menge. Am Tag danach herrscht Fassungslosigkeit.

  • Am frĂŒhen Morgen durchsucht die Polizei in Zusammenhang mit der Attacke auf dem Weihnachtsmarkt ein Wohnhaus. - Foto: Sebastian Willnow/dpa
  • Am Tag nach der Attacke blieb der Magdeburger Weihnachtsmarkt geschlossen. - Foto: Sebastian Kahnert/dpa
  • Emotionale Szenen: Bundesinnenministerin Faeser tauschte sich mit Rettern aus. - Foto: Jan Woitas/dpa
  • Bislang ist unklar, wie der TĂ€ter trotz Betonklötzen auf den Weihnachtsmarkt gelangen konnte. - Foto: Peter Gercke/dpa-Zentralbild/dpa
  • Menschen zĂŒnden Kerzen an und legen Blumen nieder. - Foto: Christoph Soeder/dpa
Am frĂŒhen Morgen durchsucht die Polizei in Zusammenhang mit der Attacke auf dem Weihnachtsmarkt ein Wohnhaus. - Foto: Sebastian Willnow/dpa Am Tag nach der Attacke blieb der Magdeburger Weihnachtsmarkt geschlossen.  - Foto: Sebastian Kahnert/dpa Emotionale Szenen: Bundesinnenministerin Faeser tauschte sich mit Rettern aus. - Foto: Jan Woitas/dpa Bislang ist unklar, wie der TĂ€ter trotz Betonklötzen auf den Weihnachtsmarkt gelangen konnte.  - Foto: Peter Gercke/dpa-Zentralbild/dpa Menschen zĂŒnden Kerzen an und legen Blumen nieder. - Foto: Christoph Soeder/dpa

Nach der Attacke auf dem Weihnachtsmarkt in Magdeburg ist die Zahl der Toten auf fĂŒnf gestiegen. Man habe außerdem 200 Verletzte zu beklagen, davon viele schwerst und schwer verletzt, sagte der MinisterprĂ€sident Sachsen-Anhalts, Reiner Haseloff (CDU), bei einem Besuch des Tatorts. Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) sprach vor Ort von einer «furchtbaren, wahnsinnigen Tat». Es gebe keinen friedlicheren und fröhlicheren Ort als einen Weihnachtsmarkt. Unterdessen kommen immer mehr Details ĂŒber den festgenommenen VerdĂ€chtigen ans Licht.

Ein Auto war am frĂŒhen Freitagabend auf einem Weihnachtsmarkt in der Landeshauptstadt von Sachsen-Anhalt mit hoher Geschwindigkeit in eine Menschengruppe gerast. MinisterprĂ€sident Haseloff sprach von einem «menschenverachtenden Anschlag». Die Polizei Ă€ußerte sich am Samstagvormittag zunĂ€chst zurĂŒckhaltend zu der Frage, ob sie die Tat als Anschlag wertet. Man sei noch in der KlĂ€rung. FĂŒr heute Nachmittag (16.00 Uhr) ist eine Pressekonferenz der Ermittler angekĂŒndigt.

Wer ist Taleb A.?

Bei dem noch am Abend festgenommenen VerdĂ€chtigen handelt es sich um Taleb A., einen Arzt aus Bernburg, der aus Saudi-Arabien stammt. Der Mann ist als islamkritischer Aktivist bekannt. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur bezeichnet sich der 50-jĂ€hrige Arzt, der seit 2006 in Deutschland lebt, selbst als Ex-Muslim. Nach dpa-Informationen stellte A. im Februar 2016 einen Asylantrag, ĂŒber den im Juli desselben Jahres entschieden wurde. Der saudische StaatsbĂŒrger erhielt damals Asyl als politisch Verfolgter.

In sozialen Medien und Interviews erhob Taleb A. zuletzt teils wirr formulierte VorwĂŒrfe gegen deutsche Behörden. Er hielt ihnen unter anderem vor, nicht genĂŒgend gegen Islamismus zu unternehmen. Nachdem er vor Jahren mit seiner UnterstĂŒtzung fĂŒr saudische Frauen, die aus ihrem Heimatland fliehen, an die Öffentlichkeit gegangen war, schrieb er spĂ€ter auf seiner Website in englischer und arabischer Sprache: «Mein Rat: Bittet nicht um Asyl in Deutschland.»

Taleb A. hat als Facharzt fĂŒr Psychiatrie in Sachsen-Anhalt gearbeitet. Wie eine Sprecherin der Betreibergesellschaft Salus auf Anfrage mitteilte, war er als Arzt im Maßregelvollzug in Bernburg (Sachsen-Anhalt) tĂ€tig. Er habe mit suchtkranken StraftĂ€tern gearbeitet und sei seit MĂ€rz 2020 in der Einrichtung tĂ€tig gewesen. Nach Informationen der dpa hatte das Gesundheitsministerium von Sachsen-Anhalt noch in der Nacht die Personalakte des Mannes angefordert und den Ermittlungsbehörden ĂŒbergeben.

Warnung aus Saudi-Arabien

Saudi-Arabien hatte Deutschland vor Taleb A. gewarnt, hieß es aus saudischen Sicherheitskreisen. Das Königreich habe seine Auslieferung beantragt, darauf habe Deutschland nicht reagiert. Der Mann stammt demnach aus der Stadt Al-Hofuf im Osten Saudi-Arabiens. Er sei Schiit gewesen. Nur etwa zehn Prozent der Bevölkerung in dem mehrheitlich sunnitischen Land sind schiitisch. Es gibt immer wieder Berichte ĂŒber Diskriminierungen gegenĂŒber Schiiten im Land. 

Saudi-Arabien verurteilte die tödliche Attacke. «Das Königreich bringt seine SolidaritĂ€t mit dem deutschen Volk und den Familien der Opfer zum Ausdruck», schrieb das Außenministerium in einer Mitteilung auf X. In der Stellungnahme erwĂ€hnte das Land den VerdĂ€chtigen nicht.

Scholz verspricht AufklÀrung

Der 50-JĂ€hrige war am Tatort von EinsatzkrĂ€ften gestellt und festgenommen worden. Nach Angaben von Haseloff raste der Mann mit einem Leihwagen in die Menschenmenge. Die «Bild» schrieb unter Berufung auf die Polizei, dass sich die Fahrt auf dem GelĂ€nde ĂŒber 400 Meter erstreckt habe. Die Polizei geht weiter von einem EinzeltĂ€ter aus. Der Mann wurde nach Angaben aus der Nacht verhört. Es wĂŒrden unter anderem Durchsuchungen durchgefĂŒhrt, sagte eine Sprecherin. 

Jetzt sei wichtig, dass man aufklĂ€re, mit aller PrĂ€zision und Genauigkeit, sagte Kanzler Scholz in Magdeburg. «Es darf nichts ununtersucht bleiben - und so wird es auch sein.» Man mĂŒsse den TĂ€ter, seine Handlungen und Motive genau verstehen und darauf mit den strafrechtlichen Konsequenzen reagieren. 

Haseloff will Opfern helfen

MinisterprĂ€sident Haseloff will den Opfern und Angehörigen der Todesfahrt unter die Arme greifen. Sein Kabinett habe Festlegungen getroffen ĂŒber «finanzielle und organisatorische Ressourcen», sagte Haseloff. Mit dem Kanzler habe man darĂŒber geredet, wie die Hilfe und UnterstĂŒtzung des Bundes aussehen werde.

Naben Scholz und Haseloff machten sich auch Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD), Bundesjustizminister Volker Wissing, Umweltministerin Steffi Lemke (GrĂŒne) und Unionsfraktionschef Friedrich Merz (CDU) am Vormittag ein Bild vom Tatort. Am Abend soll es im Dom eine Gedenkfeier geben. Das Innenministerium von Sachsen-Anhalt ordnete bis Montag Trauerbeflaggung an allen DienstgebĂ€uden des Landes an. Bundesinnenministerin Faeser ordnete bundesweit Trauerbeflaggung an den obersten Bundesbehörden an. 

Am Morgen nach der Tat war der Weihnachtsmarkt komplett abgeriegelt, die Buden und der Baum waren aber noch erleuchtet. BlumenstrĂ€uße und Kerzen wurden vor der Johanniskirche abgelegt. 

Auch MitgefĂŒhl von Nato und UN

BundesprĂ€sident Frank-Walter Steinmeier schrieb: «Die Vorfreude auf ein friedliches Weihnachtsfest wurde durch die Meldungen aus Magdeburg jĂ€h unterbrochen.» Nato-GeneralsekretĂ€r Mark Rutte kontaktierte nach eigenen Worten Scholz und drĂŒckte ihm sein MitgefĂŒhl aus. Die Vereinten Nationen bekundeten ebenfalls ihr Beileid. Man sei schockiert, sagte StĂ©phane Dujarric, Sprecher des UN-GeneralsekretĂ€rs. «Meine Gedanken sind heute bei den Opfern der brutalen und feigen Tat in Magdeburg», schrieb EU-KommissionsprĂ€sidentin Ursula von der Leyen auf der Plattform X. 

Der französische PrĂ€sident Emmanuel Macron schrieb auf X, Frankreich teile den Schmerz des deutschen Volks. Er sei zutiefst erschĂŒttert ĂŒber «den Horror», der den Weihnachtsmarkt heimgesucht habe. 

Video soll Festnahme des VerdÀchtigen zeigen

Ein Handyvideo soll die Festnahme des VerdĂ€chtigen zeigen. In dem Clip ist zu sehen, wie ein Polizist seine Waffe auf den VerdĂ€chtigen richtet und ihm zuruft, sich hinzulegen: «Die HĂ€nde auf den RĂŒcken!» und «Bleib liegen!» Der Mann legt sich neben einem schwarzen - sichtbar beschĂ€digten - Auto auf den Boden und befolgt die Anweisungen. Schließlich kommt VerstĂ€rkung, mehrere Polizisten springen aus dem Einsatzwagen und umkreisen den liegenden VerdĂ€chtigen. 

Die AfD-Landtagsfraktion forderte eine Sondersitzung des Innenausschusses - auch zur AufklĂ€rung möglicher Verfehlungen oder VersĂ€umnisse. Der AfD-Politiker Tobias Rausch wurde nach eigenen Angaben selbst Zeuge der Attacke auf dem Magdeburger Weihnachtsmarkt. «Wenn man das miterlebt hat, das war erschreckend, wie die Panik ausgebrochen ist, wie die Leute umgefallen sind», schilderte Rausch seine EindrĂŒcke am Morgen danach vor Pressevertretern in Magdeburg. «Auf einmal hat man ein dumpfes GerĂ€usch gehört, da waren schon Schreie, Panik ist ausgebrochen.» Ein Motor habe laut aufgeheult, Scheinwerfer seien auf ihn und seine Begleitung zugekommen. 

Rund acht Jahre nach Berliner Weihnachtsmarktanschlag

Fast auf den Tag genau vor acht Jahren, am 19. Dezember 2016, war in Berlin ein islamistischer Terrorist mit einem entfĂŒhrten Lastwagen auf den Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz gerast. Dabei wurden zwölf Menschen getötet, das 13. Opfer starb 2021 an den Folgen. Mehr als 70 Menschen wurden verletzt. Der AttentĂ€ter floh nach Italien, wo er von der Polizei erschossen wurde. Die Berliner Polizei erhöht nun ihre PrĂ€senz auf den Berliner WeihnachtsmĂ€rkten nach der tödlichen Attacke vo Magdeburg.

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