LĂ€nder wĂŒnschen sich vom Bund weniger Hauruck-Gesetzgebung
Veröffentlicht am: 07.08.2026 um 05:15 Uhr | dpa.deDie LĂ€nder wĂŒnschen sich vom Bund eine frĂŒhzeitige Beteiligung an wichtigen Entscheidungen und weniger Gesetzgebung im Hauruckverfahren. Bund und LĂ€nder hĂ€tten jeweils eigene Interessen, sagte BundesratsprĂ€sident Andreas Bovenschulte der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. «Aber natĂŒrlich lassen sich die objektiv bestehenden Differenzen leichter ĂŒberbrĂŒcken, wenn der Bund die LĂ€nder bei der Entscheidungsfindung rechtzeitig einbezieht, wenn er sich die Interessen und Sichtweisen der LĂ€nder zumindest anhört und zur Kenntnis nimmt.»
«GegenwĂ€rtig ist da manchmal noch Luft nach oben», betonte der SPD-Politiker, der Regierungschef in Bremen ist. «Das Hauruckverfahren, mit dem jetzt die Gesetze gemacht werden, das halte ich nicht fĂŒr sinnvoll.»
Gesundheitsreform war jĂŒngstes groĂes Ărgernis fĂŒr LĂ€nder
FĂŒr Ărger hatte bei den LĂ€ndern zuletzt das Gesetzgebungsverfahren fĂŒr das Sparpaket im Gesundheitswesen unmittelbar vor der Sommerpause gefĂŒhrt. Bis in letzter Minute rangen sie mit dem Bund um finanzielle ZugestĂ€ndnisse fĂŒr die vielfach ohnehin schon angeschlagenen KrankenhĂ€user. Im Bundesrat entschied sich erst unmittelbar vor Beginn der Sitzung, dass das Sparpaket ĂŒberhaupt auf die Tagesordnung gesetzt wurde.Â
Möglich wurde dies nur, weil die LĂ€nder einer FristverkĂŒrzung fĂŒr die Beratungen zustimmten. Das Sparpaket passierte schlieĂlich den Bundesrat. Ein Antrag, den Vermittlungsausschuss anzurufen und es damit zunĂ€chst aufzuhalten, fand keine Mehrheit.Â
Die LĂ€nder kritisieren, dass sie durch solche FristverkĂŒrzungsbitten bei vielen Gesetzgebungsverfahren kaum eine Möglichkeit haben, die Vorhaben in der nötigen GrĂŒndlichkeit zu beraten.
Vorgehen des Bundes legitim - aber aus LĂ€ndersicht nicht gutÂ
Aus Sicht des Bundes könne er das Vorgehen nachvollziehen, sagte Bovenschulte. «Die Bundesregierung sagt, wir mĂŒssen - um HandlungsfĂ€higkeit zu beweisen - jetzt zeitnah ein Reformpaket auf den Weg bringen. Und das ist ja völlig legitim. Aber aus Sicht der LĂ€nder ist das nicht gut.»
Beispiel Gesundheitsreform: Wenn man auf Dauer mehr Geld ausgebe, als man einnehme, dann mĂŒsse etwas passieren. «Das kann nicht so bleiben, völlig klar», sagte Bovenschulte mit Blick auf die Milliarden-Finanzprobleme der gesetzlichen Krankenversicherung. «Aber wenn der Bund seine Probleme auf Kosten der KrankenhĂ€user und damit auf Kosten der Kommunen löst, dann ist letztlich gar nichts gewonnen.» Als MinisterprĂ€sident mit zwei Kommunen könne er das nicht gut finden.
LĂ€nder mĂŒssen BeschlĂŒsse dann ausbaden
«Ein solches Gesetzgebungsverfahren ist formal ordnungsgemĂ€Ă. Aber es ist und bleibt ein Hauruckverfahren», kritisierte der BundesratsprĂ€sident. «Und deshalb: Ja, so sehr ein VerstĂ€ndnis dafĂŒr da ist, dass man schnell mit einem Reformprogramm durch die TĂŒr kommen will, so wenig VerstĂ€ndnis habe ich dafĂŒr, wenn die Interessen der LĂ€nder und Kommunen dem Zeitdruck geopfert werden. Da sind wir LĂ€nder sehr empfindlich, weil wir es ja auch ausbaden mĂŒssen.»
