Landtagswahl Mecklenburg-Vorpommern und Berlin: AfD vorne, Linke siegt â CDU stĂŒrzt ab
Veröffentlicht am: 20.09.2026 um 20:37 Uhr | dpa, AD HOC NEWSDie Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern und die Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus haben die politischen KrĂ€fteverhĂ€ltnisse in Deutschland deutlich verschoben und die CDU in eine schwere Krise gestĂŒrzt.
AfD siegt im Nordosten, CDU vor historischem Absturz
In Mecklenburg-Vorpommern liegt laut Hochrechnungen die AfD mit 37,9 Prozent deutlich vorn und wird damit nach ThĂŒringen und Sachsen-Anhalt bereits in einem dritten Bundesland stĂ€rkste Kraft. Die SPD von MinisterprĂ€sidentin Manuela Schwesig erreicht 35,7 Prozent und bleibt damit klar hinter der AfD zurĂŒck.
Die Linke fĂ€llt im Nordosten auf 6,5 bis 6,7 Prozent. Besonders hart trifft es die CDU: Sie rutscht auf 5 Prozent ab und verzeichnet damit ihr schlechtestes Ergebnis der Nachkriegsgeschichte in einem Land, im Bund und in Europa. Ob sie ĂŒberhaupt im Landtag vertreten sein wird, ist offen. Auch die GrĂŒnen liegen mit 5,4 bis 5,6 Prozent im Bereich der FĂŒnf-Prozent-HĂŒrde, wĂ€hrend das BĂŒndnis Sahra Wagenknecht mit rund 4,9 Prozent und die FDP mit 1 Prozent voraussichtlich drauĂen bleiben.
Hohe Beteiligung und schwierige Regierungsbildung
Die Wahlbeteiligung in Mecklenburg-Vorpommern liegt nach den Zahlen zwischen 78 und 79 Prozent und damit deutlich höher als 2021. Die bisherige rot-rote Koalition unter Schwesig hat ihre Mehrheit verloren. Da alle etablierten Parteien eine Zusammenarbeit mit der AfD ausgeschlossen haben, ist offen, welche Konstellation kĂŒnftig regieren wird. Möglich wĂ€re etwa ein DreierbĂŒndnis aus SPD, Linken und GrĂŒnen, sofern die GrĂŒnen im Landtag bleiben.
Linke wird stÀrkste Kraft in Berlin
In Berlin sackt die CDU laut Hochrechnungen auf 19,1 bis 19,7 Prozent ab und verliert damit deutlich im Vergleich zur Wahl 2023, als sie 28,2 Prozent erzielte. Die SPD kommt nur noch auf 11,8 bis 12,1 Prozent und erreicht damit ihr schlechtestes Ergebnis seit 1990.
Deutlich zulegen kann die Linke, die mit 25,3 bis 25,6 Prozent klar stĂ€rkste Kraft wird. Die GrĂŒnen erreichen 14,5 bis 15,3 Prozent, die AfD 15,1 bis 16,2 Prozent. Das BĂŒndnis Sahra Wagenknecht liegt mit rund 5 bis 5,2 Prozent knapp ĂŒber der HĂŒrde und muss ebenfalls zittern. Die Wahlbeteiligung liegt in Berlin mit 73 bis 75 Prozent ebenfalls deutlich höher als zuletzt.
Koalitionsoptionen und mögliche Machtwechsel
Das bisherige RegierungsbĂŒndnis aus CDU und SPD in Berlin verliert seine Mehrheit. Als wahrscheinliche Option gilt nun eine Dreierkoalition aus Linken, GrĂŒnen und SPD. Die GrĂŒnen-Landesspitze spricht sich fĂŒr ein solches BĂŒndnis aus. Sollte die Linke mit ihrer Spitzenkandidatin Elif Eralp eine Regierung bilden können, wĂŒrde die Hauptstadt erstmals seit der Wiedervereinigung sozialistisch regiert werden.
Eralp, bisher Vize-Fraktionschefin und im Wahlkampf mit dem Versprechen angetreten, âMiet-Abzockeâ zu stoppen, will Regierende BĂŒrgermeisterin werden, damit die Menschen nach ihren Worten wieder ein besseres Leben in Berlin haben. Zugleich muss die Juristin sich mit innerparteilichen Debatten ĂŒber PalĂ€stina-Aktivismus und Antisemitismus-VorwĂŒrfe auseinandersetzen.
Druck auf Kanzler Merz und die Bundesparteien
Bundesweit verstĂ€rken die Wahlergebnisse den Druck auf Kanzler und CDU-Chef Friedrich Merz. Nach dem Wahldebakel in Sachsen-Anhalt vor zwei Wochen und dem erneuten Absturz in Mecklenburg-Vorpommern sowie den Verlusten in Berlin wurde in der Union ĂŒber seine Zukunft spekuliert.
Merz betonte am Abend, er wolle sowohl das Kanzleramt als auch den Parteivorsitz behalten und den Reformkurs seiner schwarz-roten Bundesregierung fortsetzen. Er erklĂ€rte, er wolle das Land voranbringen, die notwendigen Reformen mĂŒssten kommen. CDU-Vize Ines Claus sprach von einem Wahlabend, an dem die ganz Linken und die ganz Rechten gewonnen hĂ€tten und die politische Mitte geschwĂ€cht sei.
SPD mit Verlusten, AfD ohne Koalitionspartner
Auch die SPD muss am Wahlabend deutliche EinbuĂen hinnehmen. In Mecklenburg-Vorpommern bleibt sie mit Schwesig hinter der AfD zurĂŒck, in Berlin stĂŒrzt sie auf ein historisches Tief und verliert ihre Rolle als dominierende Hauptstadtpartei. Parteichef Lars Klingbeil fordert ĂŒberzeugende Anstrengungen fĂŒr Reformen und rĂ€umt ein, dass die Bundesregierung VerĂ€nderungen bislang nicht ausreichend sichtbar gemacht habe.
In Mecklenburg-Vorpommern liegt die AfD trotz ihres Sieges ohne Machtoption da, weil alle anderen Parteien eine Koalition mit ihr ausgeschlossen haben. Ihre Bundesvorsitzenden Tino Chrupalla und Alice Weidel reklamieren dennoch einen Regierungsauftrag und verlangen den RĂŒcktritt von Kanzler Merz. Auch in Berlin bleibt die AfD bei der Regierungsbildung auĂen vor, da die ĂŒbrigen Parteien eine Zusammenarbeit mit der RechtsauĂenpartei ablehnen.
Personelle Konsequenzen in Berlin
In Berlin tritt die SPD mit dem neuen Spitzenkandidaten Steffen Krach an, nachdem die frĂŒhere Regierende BĂŒrgermeisterin Franziska Giffey parteiintern zur Seite gerĂŒckt worden war. Krach bezeichnet das Ergebnis als katastrophal und erklĂ€rt, die SPD könne nicht mehr fĂŒr sich beanspruchen, ĂŒber Jahrzehnte die Berlin-Partei gewesen zu sein.
Linken-Bundesvorsitzender Luigi Pantisano sieht im Erfolg seiner Partei in Berlin ein deutliches Zeichen fĂŒr einen Politikwechsel und eine Abwahl des Kanzlers. Wie sich die MehrheitsverhĂ€ltnisse in beiden Parlamenten konkret auf die Regierungsbildung auswirken, wird sich nach AuszĂ€hlung aller Stimmen und den anstehenden Koalitionsverhandlungen entscheiden.
Verschiebung der politischen KrÀfteverhÀltnisse
Die parallelen Wahlen in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin markieren eine deutliche Verschiebung der politischen KrĂ€fteverhĂ€ltnisse in Deutschland. In Mecklenburg-Vorpommern wird mit der AfD als stĂ€rkster Kraft und der SPD knapp dahinter sichtbar, wie stark sich das Parteiensystem am rechten und linken Rand polarisiert, wĂ€hrend die Mitte an Bindungskraft verliert. Die CDU verfehlt dort mit einem historischen Tiefstwert voraussichtlich sogar den Wiedereinzug in den Landtag und erlebt damit einen Einschnitt, der ĂŒber das Bundesland hinausweist.
Druck auf Kanzler Merz und die groĂe Koalition im Bund
Die erneute Wahlniederlage der CDU nach dem Debakel in Sachsen-Anhalt belastet unmittelbar die AutoritĂ€t von Kanzler und Parteichef Friedrich Merz. Seine AnkĂŒndigung, trotz der RĂŒckschlĂ€ge an Reformkurs und Ămtern festzuhalten, zeigt, dass er eine grundlegende Richtungsdebatte in der Union vermeiden will. Zugleich geraten die unionsgefĂŒhrte Bundesregierung und der Koalitionspartner SPD unter Rechtfertigungsdruck, weil beide Parteien in den beiden LĂ€ndern deutliche EinbuĂen hinnehmen mĂŒssen. Die Frage, ob die groĂe Koalition im Bund noch als Kraft glaubwĂŒrdig ist, die Wandel gestalten kann, dĂŒrfte die politische Diskussion der kommenden Wochen prĂ€gen.
Signalwirkung der Berliner Wahl und Koalitionsfragen
Die Wahl in Berlin hat symbolische Bedeutung, weil mit der Linken als stĂ€rkster Kraft und Elif Eralp als möglicher Regierender BĂŒrgermeisterin eine politische Konstellation entsteht, die bundesweit Aufmerksamkeit findet. Ein mögliches DreierbĂŒndnis aus Linken, GrĂŒnen und SPD wĂŒrde die Hauptstadt erstmals seit der Wiedervereinigung unter einer sozialistischen FĂŒhrung sehen und könnte Themen wie Mieten, soziale Gerechtigkeit und Stadtentwicklung stĂ€rker nach links rĂŒcken. Gleichzeitig bleibt die AfD trotz ZuwĂ€chsen sowohl in Berlin als auch in Mecklenburg-Vorpommern von Regierungsverantwortung ausgeschlossen, weil andere Parteien eine Zusammenarbeit ablehnen. FĂŒr die Leserinnen und Leser deutet sich damit eine Phase an, in der Koalitionsverhandlungen, innerparteiliche Konflikte und Diskussionen ĂŒber ReformfĂ€higkeit und Demokratieakzeptanz die politische Agenda bestimmen werden.
