Deutschland nicht mehr Asyl-Spitzenreiter in Europa
07.04.2025 - 11:48:35Deutschland ist im Februar von Frankreich als Spitzenreiter bei AsylantrĂ€gen in Europa abgelöst worden. Nach der in NĂŒrnberg veröffentlichten Statistik des Bundesamts fĂŒr Migration und FlĂŒchtlinge (Bamf) lagen bei der Gesamtzahl der AntrĂ€ge Frankreich mit 13.080 und Spanien mit 12.975 vor Deutschland mit 12.775. Zum Vergleich: In der Summe des gesamten Jahres 2024 lag Deutschland mit 250.615 AntrĂ€gen noch deutlich an der Spitze vor Spanien mit 166.175 und Italien mit 158.605.
Niedrigste MĂ€rz-Zahl seit drei Jahren
Ein internationaler Vergleich fĂŒr den MĂ€rz liegt bisher nicht vor. In Deutschland ging die Zahl der AsylantrĂ€ge aber weiter zurĂŒck, auf 10.647 - davon 8.983 ErstantrĂ€ge. Das sind 19,7 Prozent weniger als im Februar und 45,3 Prozent weniger als im MĂ€rz 2024. Es handelt sich um die niedrigste MĂ€rz-Zahl seit 2022. Das liegt vor allem an einem klaren RĂŒckgang von AsylantrĂ€gen von Menschen aus den drei Haupt-HerkunftslĂ€ndern Syrien, Afghanistan und der TĂŒrkei.Â
Im gesamten ersten Quartal 2025 waren 41.123 AsylantrĂ€ge eingegangen, davon 36.136 ErstantrĂ€ge. Im gleichen Zeitraum des Vorjahres waren es mit 71.061 AntrĂ€gen - davon 65.419 ErstantrĂ€ge - noch deutlich mehr. Die Zahl der ErstantrĂ€ge aus dem langjĂ€hrigen BĂŒrgerkriegsland Syrien hat sich im ersten Quartal halbiert: von 19.687 im Vorjahr auf 9.861. Bei ErstantrĂ€gen aus der TĂŒrkei gab es sogar ein Minus von 61,2 Prozent auf nur noch 3.755. Die Zahl der ErstantrĂ€ge aus Afghanistan verringerte sich um 42,5 Prozent auf 5.616.
Faeser: IrregulĂ€re Migration deutlich zurĂŒckgedrĂ€ngt
Die geschĂ€ftsfĂŒhrende Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) betonte, die irregulĂ€re Migration nach Europa sei deutlich zurĂŒckgedrĂ€ngt worden «durch ein starkes BĂŒndel an MaĂnahmen, durch eigenes deutsches Handeln und enge europĂ€ische Kooperation». Nun mĂŒsse das neue europĂ€ische Asylsystem (GEAS) durchgesetzt werden, «damit wir auch die EU-AuĂengrenzen besser schĂŒtzen und dauerhaft zu einer fairen Verteilung von GeflĂŒchteten in der EU kommen».
Grund fĂŒr den jĂŒngsten RĂŒckgang der Zahl der AsylantrĂ€ge sind nach den Worten von Bamf-PrĂ€sident Hans-Eckhard Sommer jedoch vor allem MaĂnahmen Serbiens an der Grenze zu Ungarn gewesen. Sommer hatte Ende MĂ€rz in einem als persönliche Meinung deklarierten Vortrag gesagt, es sei falsch, am individuellen Asylrecht festzuhalten und auf positive Effekte der beschlossenen GEAS-Reform zu hoffen. Sinnvoller seien humanitĂ€re Aufnahmen «in beachtlicher Höhe», etwa je nach IntegrationsfĂ€higkeit des Arbeitsmarkts.
Schutzquote derzeit wenig aussagekrÀftig
In nur noch 18,5 Prozent der FĂ€lle erhielten die Antragsteller einen Schutzstatus. Diese Quote - im Gesamtjahr 2024 lag sie noch bei 44,4 Prozent - ist allerdings derzeit nicht aussagekrĂ€ftig, weil wegen der unklaren politischen Situation in Syrien ein Entscheidungsstopp verhĂ€ngt wurde. Asylverfahren von Menschen aus Syrien werden bis auf weiteres nur in Ausnahmen entschieden. Wann der Entscheidungsstopp aufgehoben wird, ist derzeit unklar. Ende MĂ€rz waren insgesamt noch 180.597 Asylverfahren anhĂ€ngig, 7,5 Prozent weniger als Ende Februar.Â
Weiter wenig Dublin-Ăberstellungen
Das umstrittene Dublin-Verfahren zur Verteilung der Asylsuchenden innerhalb Europas funktioniert aus deutscher Sicht weiterhin nicht optimal. Deutschland stellte nach der Dublin-Regelung von Januar bis MĂ€rz insgesamt 13.223 Ăbernahmeersuchen an EU-LĂ€nder, in deren Gebiet der betreffende Asylsuchende erstmals einen Antrag gestellt hatte. In 8.929 FĂ€llen stimmten die betreffenden EU-LĂ€nder zu. Doch in nur 1.715 FĂ€llen kam es der Statistik des Bundesamts zufolge tatsĂ€chlich zur Ăberstellung.


