Lehrerausbildung: Riedel kritisiert Uni Halle wegen Abbrechern
Veröffentlicht am: 21.10.2026 um 06:45 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWSHalle streitet ĂŒber Lehramtsstudium
- Bildungsminister Jan Riedel kritisiert die PrioritÀten bei der universitÀren Lehrerausbildung.
- Der Minister Ă€uĂerte sich in der Mitteldeutschen Zeitung an einem Mittwoch.
- Uni-Halle-Direktor Torsten Fritzlar verweist auf Vorgaben der Kultusministerkonferenz.
- Ohne die Vorgaben wĂŒrden LehramtsabschlĂŒsse nicht anerkannt.
Riedel kritisiert PrioritÀten in der Lehrerausbildung
Sachsen-Anhalts Bildungsminister Jan Riedel (CDU) wirft den UniversitĂ€ten falsche PrioritĂ€ten bei der Ausbildung von Lehrern vor. Er kritisiert insbesondere die starke Belastung der Lehramtsstudenten mit Fachinhalten und sieht darin eine Ursache fĂŒr eine hohe Zahl von StudienabbrĂŒchen.
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Minister fordert mehr Praxisbezug
Riedel sagte der Mitteldeutschen Zeitung, Lehramtsstudenten wĂŒrden mit Fachinhalten ĂŒberfrachtet und es werde gnadenlos ausgesiebt. Die Folge dieser Gewichtung sei aus seiner Sicht eine enorme Zahl an Abbrechern.
Nach Ansicht des Ministers kommen Fachdidaktik, PĂ€dagogik und Psychologie an den UniversitĂ€ten zu kurz. LehrkrĂ€fte mĂŒssten vor allem auf den Unterricht und die Anforderungen des Schulalltags vorbereitet werden.
UniversitĂ€t Halle weist VorwĂŒrfe zurĂŒck
Die Verantwortlichen an der UniversitĂ€t Halle halten die Kritik fĂŒr unbegrĂŒndet. Torsten Fritzlar, Direktor des fĂŒr die Lehrerbildung zustĂ€ndigen Zentrums, betont, dass es sich um ein wissenschaftliches Studium handele und fundierte fachwissenschaftliche Kenntnisse notwendig seien.
FĂŒr den Umfang der FĂ€cher gebe es Vorgaben der Kultusministerkonferenz, erklĂ€rte Fritzlar. Diese mĂŒssten eingehalten werden, damit die AbschlĂŒsse anerkannt werden.
Die Debatte berĂŒhrt einen zentralen Zielkonflikt der Lehrerausbildung: UniversitĂ€ten mĂŒssen fachwissenschaftliche Standards sichern, wĂ€hrend Schulen Absolventen benötigen, die Unterricht planen, Lernprozesse begleiten und mit heterogenen Klassen umgehen können. Riedel sieht in der starken Gewichtung von Fachinhalten einen Grund fĂŒr hohe Abbruchzahlen; die UniversitĂ€t Halle verweist dagegen auf verbindliche Vorgaben der Kultusministerkonferenz.
Die Kontroverse ist deshalb mehr als ein Streit ĂŒber einzelne Studienmodule. Sie betrifft die Frage, ob LehramtsstudiengĂ€nge ausreichend auf den spĂ€teren Beruf vorbereiten und wie Theorie, Fachdidaktik, PĂ€dagogik und schulische Praxis miteinander verbunden werden. Werden fachliche Anforderungen abgesenkt, könnte das die Anerkennung von AbschlĂŒssen und die wissenschaftliche QualitĂ€t berĂŒhren. Bleibt die Praxisorientierung zu gering, kann der Ăbergang in den Schuldienst schwieriger werden.
Folgen fĂŒr Studium und Schulen
FĂŒr Studierende bedeutet der Konflikt, dass Reformen mehrere Ebenen gleichzeitig berĂŒcksichtigen mĂŒssten: die Auswahl und Gewichtung von Inhalten, frĂŒhe Praxiserfahrungen sowie eine bessere Verzahnung von Fachwissenschaft und Didaktik. FĂŒr Schulen ist entscheidend, ob Absolventen nicht nur ĂŒber Fachwissen verfĂŒgen, sondern dieses auch verstĂ€ndlich vermitteln können.
Die Auseinandersetzung in Sachsen-Anhalt dĂŒrfte damit in die bundesweite Diskussion ĂŒber LehrkrĂ€ftegewinnung und StudienabbrĂŒche einflieĂen. Konkrete VerĂ€nderungen sind aus dem Streit zunĂ€chst nicht abzuleiten; im Mittelpunkt steht die Vereinbarkeit von KMK-Vorgaben mit einer Ausbildung, die den Berufsalltag stĂ€rker abbildet.

