Union, Steinmeier

Union an Steinmeier: Cannabis-Gesetz nicht unterzeichnen

23.03.2024 - 05:50:33

Letzter Ausweg BundesprĂ€sident? Der Bundesrat hat das Cannabis-Gesetz passieren lassen - zum Ärger der Union. Ihr Gesundheitspolitiker Sorge will nun, dass Frank-Walter Steinmeier die Notbremse zieht.

Die Unionsfraktion im Bundestag hofft, das vom Bundesrat abgesegnete und weiterhin hochumstrittene Cannabis-Gesetz der Ampel-Koalition doch noch aufhalten zu können. Ihr gesundheitspolitischer Tino Sorge appellierte an BundesprÀsident Frank-Walter Steinmeier, es nicht zu unterzeichnen.

«Das Gesetz sollte nach der chaotischen Debatte der letzten Wochen vorerst gestoppt werden. DafĂŒr ist es noch nicht zu spĂ€t», sagte der CDU-Politiker dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). «Wir appellieren an den BundesprĂ€sidenten, das Cannabis-Gesetz nicht zu unterzeichnen. Zu groß ist die einstimmige Kritik sĂ€mtlicher Justiz- und Innenminister der LĂ€nder.»

Haseloff rechnet mit Änderungen

Sachsen-Anhalts MinisterprĂ€sident Reiner Haseloff geht davon aus, dass das Gesetz noch einmal verĂ€ndert wird. Es werde sicherlich im Bundesrat in den nĂ€chsten Monaten nochmal auf der Tagesordnung stehen, sagte der CDU-Politiker am Abend in der ARD-Sendung «Bericht aus Berlin». «Einfach weil uns die RealitĂ€t dazu zwingt», fĂŒgte Haseloff hinzu. «Ich glaube nicht, dass es von Dauer so stehen bleiben wird», sagte der MinisterprĂ€sident voraus.

Der Bundesrat hatte das vom Bundestag beschlossene Gesetz zur Cannabis-Legalisierung am Freitag passieren lassen. Trotz viel Kritik kam in der LĂ€nderkammer keine Mehrheit dafĂŒr zustande, den Vermittlungsausschuss von Bundestag und Bundesrat anzurufen und das Gesetz damit auszubremsen. Dieses erlaubt den Besitz und Anbau der Droge fĂŒr VolljĂ€hrige mit zahlreichen Vorgaben zum Eigenkonsum - eine ZĂ€sur in der deutschen Drogenpolitik.

BundesprĂ€sident prĂŒft Gesetze verfassungsrechtlich

Die Reform kann damit am Ostermontag in Kraft treten. Zuvor muss sie aber noch von Steinmeier unterzeichnet und amtlich verkĂŒndet werden. Der BundesprĂ€sident prĂŒft Gesetze im Wesentlichen darauf, ob sie nach den Vorschriften des Grundgesetzes zustande gekommen sind. Nach ĂŒberwiegender juristischer Meinung steht ihm daneben in engen Grenzen auch ein materielles PrĂŒfungsrecht zu. Danach kann er die Unterschrift unter ein Gesetz verweigern, wenn dessen Inhalt ganz offensichtlich gegen das Grundgesetz verstĂ¶ĂŸt.

Bisher gab es nach Angaben des BundesprĂ€sidialamts nur acht FĂ€lle, in denen das Staatsoberhaupt es ablehnte, ein Gesetz zu unterschreiben. Im hitzigen Streit ĂŒber die Cannabis-Legalisierung hatte die Frage einer möglichen inhaltlichen Verfassungswidrigkeit des Gesetzes keine Rolle gespielt.

Die Vorsitzenden der CDU/CSU-Fraktionen in den deutschen Landtagen, des Deutschen Bundestages und der CDU/CSU-Gruppe in der EVP-Fraktion hatten das Staatsoberhaupt schon Anfang MĂ€rz aufgerufen, seine Unterschrift zu verweigern. Sie begrĂŒndeten dies damit, dass die Legalisierung aus ihrer Sicht gegen das Völker- und Europarecht verstĂ¶ĂŸt. Die Bundesregierung vertritt dagegen die Auffassung, dass das beschlossene Modell zulĂ€ssig ist.

Lauterbach verteidigt teilweise Liberalisierung

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach verteidigte die Teil-Liberalisierung. «Die jetzige Drogenpolitik ist auf jeden Fall bei Cannabis klar gescheitert», sagte der SPD-Politiker im WDR-Fernsehen. «Wir haben eine Verdopplung des Konsums bei den 18- bis 25-JĂ€hrigen, 50 Prozent mehr bei den 12- bis 17-JĂ€hrigen in den letzten zehn Jahren.» Die Regierung will den Schritt mit einer PrĂ€ventionskampagne begleiten und argumentiert, dass durch die Teil-Liberalisierung der Schwarzmarkt zurĂŒckgedrĂ€ngt werden könne.

NRW-Innenminister Reul «fassungslos»

Dieser EinschÀtzung widersprach der Innenminister von Nordrhein-Westfalen, Herbert Reul (CDU). «Glauben Sie denn, dass die, die organisierte KriminalitÀt im Drogenhandel machen, sagen: Okay, jetzt geben wir auf, jetzt machen wir nichts mehr?», sagte der CDU-Politiker in den ARD-«Tagesthemen». «Die werden neue Wege finden. Die werden stÀrkere Dosen anbieten, die werden andere Preise auf dem Markt anbieten.»

Reul Ă€ußerte zudem Zweifel an der Kontrollierbarkeit der neuen Regeln, die schon in wenigen Tagen greifen sollen. Er sei «fassungslos», sagte er. «Ich hab' noch nie erlebt, dass man so in ein Gesetz reinstolpert.» Offensichtlich sei in Berlin eine Regierung am Werk, «die um jeden Preis irgendwas hinkriegen muss».

Ramelow: «Rumpelige Beziehung» zwischen Bund und LÀndern

ThĂŒringens MinisterprĂ€sident Bodo Ramelow (Linke) sagte dem Redaktionsnetzwerk Deutschland, die UnionslĂ€nder sollten nicht den Eindruck erwecken, dass die Suchtgefahr nun wegen der Cannabis-Legalisierung steige. «Sie war immer da. Die Entkriminalisierung muss der Einstieg sein, dass wir uns um SuchtprĂ€vention kĂŒmmern und dass wir den kriminellen Strukturen das GeschĂ€ftsfeld entziehen.»

Zugleich forderte der Linken-Politiker eine bessere Beteiligung der LÀnder bei Gesetzgebungsverfahren durch den Bund - denn es seien die LÀnder, bei denen es um Vollzug und Umsetzung gehe. «Wir erleben derzeit eine ziemlich rumpelige Beziehung zwischen Bund und LÀndern - auch schon vor dem Cannabis-Gesetz. Das ist nicht gut.»

@ dpa.de