Pflegereform: Pellmann nennt Linnemanns KĂŒrzungsplĂ€ne absurd
Veröffentlicht am: 28.09.2026 um 00:00 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWSLinken-Fraktionschef Sören Pellmann hat die Pflege-KĂŒrzungsplĂ€ne von Gesundheitsminister Carsten Linnemann (CDU) als âvöllig absurdâ bezeichnet. In der Debatte um die Pflegereform erneuerte er die Forderung seiner Partei nach einer solidarischen Pflegevollversicherung.
Ein Finanzausgleich zwischen privater und sozialer Pflegeversicherung sowie ein Pflegedeckel seien besser als nichts, sagte Pellmann der âRheinischen Postâ. Notwendig sei jedoch ein vollstĂ€ndiger Systemwechsel.
Linke will Zweiklassensystem abschaffen
Nach den Vorstellungen der Linken sollen alle Menschen in eine gemeinsame Pflegeversicherung einzahlen, auch bislang privat Versicherte. Neben Löhnen und GehĂ€ltern sollen zudem KapitalertrĂ€ge und Mieteinnahmen berĂŒcksichtigt werden.
Damit lieĂe sich das Modell finanzieren, argumentierte Pellmann. Eigenanteile mĂŒssten dann nicht begrenzt werden, weil sie vollstĂ€ndig entfallen könnten.
Pellmann kritisiert geplante Einsparungen
Es sei âvöllig absurdâ, dass Linnemann bei der Pflege weiter kĂŒrzen wolle, als sei nichts geschehen, sagte Pellmann. Ein VorstoĂ der SPD gegen die PlĂ€ne sei zunĂ€chst ein gutes Signal; ein sinnvolles Verhandlungsergebnis innerhalb der Koalition erwarte er jedoch nicht.
Die Politik mĂŒsse den Menschen das Leben erleichtern, statt sie mit weiteren Belastungen zu konfrontieren, so Pellmann. An dieser Aufgabe sei die Merz-Regierung aus seiner Sicht vollstĂ€ndig gescheitert und habe fĂŒr ihre KĂŒrzungspolitik bei den vergangenen Wahlen die Quittung erhalten.
Die Auseinandersetzung ĂŒber Linnemanns PflegeplĂ€ne verbindet zwei Probleme: Die Pflegeversicherung steht finanziell unter Druck, zugleich steigen die Eigenanteile vieler Heimbewohner. FĂŒr 2027 wird ein Milliardendefizit erwartet. In der Debatte geht es deshalb um die Frage, ob die Finanzierung kurzfristig durch Einsparungen stabilisiert oder zugleich grundsĂ€tzlich neu geordnet werden soll.
Die SPD lehnt LeistungskĂŒrzungen ab und bringt einen Pflegedeckel ins GesprĂ€ch. Nach dem vorliegenden Konzept soll der Eigenanteil im ersten Pflegeheimjahr auf 1.500 Euro monatlich begrenzt werden. Im bundesweiten Durchschnitt lagen die selbst zu tragenden Kosten zuletzt deutlich höher. Ein solcher Deckel wĂŒrde PflegebedĂŒrftige und Angehörige unmittelbar entlasten, mĂŒsste aber gegenfinanziert werden.
Streit ĂŒber die Finanzierung
Pellmanns Forderung nach einer solidarischen Pflegevollversicherung geht ĂŒber die derzeitigen KoalitionsvorschlĂ€ge hinaus. Sie wĂŒrde den Kreis der Einzahlenden erweitern und neben Arbeitsentgelten auch weitere Einkommensarten berĂŒcksichtigen. BefĂŒrworter sehen darin eine breitere Finanzierungsbasis; Kritiker warnen vor zusĂ€tzlichen Belastungen und bezweifeln, dass damit die strukturellen Probleme allein gelöst werden.
FĂŒr die Betroffenen bleibt entscheidend, wie schnell eine Reform wirkt und wer die Kosten trĂ€gt. Kurzfristige Einsparungen können den Haushalt entlasten, aber Leistungen fĂŒr PflegebedĂŒrftige oder Angehörige schmĂ€lern. Ein dauerhaft tragfĂ€higes Modell mĂŒsste daher Einnahmen, Pflegeangebote, Personalbedarf und die Begrenzung der Eigenanteile zusammenfĂŒhren.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
Deutschlandfunk: âPflegereform - SPD will Ăberarbeitung des Vorhabensâ (27.09.2026)
Der Beitrag bestĂ€tigt den Widerstand der SPD gegen eine Reform, die vor allem ein Finanzloch schlieĂen und die Belastung auf die Menschen verlagern wĂŒrde. Als konkreten Gegenentwurf nennt er einen Eigenanteilsdeckel von 1.500 Euro im ersten Heimjahr und verweist zugleich auf das erwartete Milliardendefizit.
ZDFheute: âSPD stoppt Pflegereform: âAkzeptieren keine LeistungskĂŒrzungââ (26.09.2026)
ZDFheute stellt die drohende Blockade der Reform durch die SPD und deren Forderung nach Entlastung bei den Eigenanteilen in den Mittelpunkt. ZusÀtzlich wird die Gegenposition des Verbands der Privaten Krankenversicherung dargestellt, der einen Finanzausgleich zwischen privater und sozialer Pflegeversicherung ablehnt.
Ăbereinstimmung besteht darin, dass die Pflegeversicherung finanziell unter Druck steht und die Koalition ĂŒber Einsparungen sowie eine Neuordnung der Finanzierung streitet. Offen bleibt, ob sich Pflegedeckel, zusĂ€tzliche Einnahmen und strukturelle Reformen miteinander verbinden lassen.
