Lufthansa kauft 44,9 Prozent an Portugals TAP für 1,2 Milliarden
Veröffentlicht am: 14.10.2026 um 14:16 Uhr | dpa, AD HOC NEWSTAP-Verkauf mit Abschlussziel 2028
- Portugal wählte Lufthansa für 44,9 Prozent der staatlichen TAP als bevorzugten Partner aus.
- Ministerpräsident Luís Montenegro nannte ein Barangebot von 1,2 Milliarden Euro ohne Aktienpakete.
- Der portugiesische Staat soll nach der Teilprivatisierung die Mehrheit behalten.
Lufthansa übernimmt Führung im TAP-Bieterrennen
Die Lufthansa soll 44,9 Prozent der portugiesischen Fluggesellschaft TAP übernehmen. Die Regierung in Lissabon wählte den deutschen Konzern als bevorzugten Partner aus, wie Ministerpräsident Luís Montenegro mitteilte.
Barangebot setzt sich gegen Air France-KLM durch
Für die Anteile bot Lufthansa nach Angaben Montenegros 1,2 Milliarden Euro in bar. Damit setzte sich der Konzern gegen Air France-KLM durch.
Der Betrag soll ohne Aktienpakete gezahlt werden. Der portugiesische Staat behält nach der geplanten Teilprivatisierung die Mehrheit an der Airline.
Abschluss erst für 2028 erwartet
Der Zuschlag beendet den Verkaufsprozess noch nicht. Nach den abschließenden Vertragsverhandlungen sind weitere Genehmigungen erforderlich.
Die wettbewerbsrechtliche Prüfung durch die EU-Kommission könnte nach Einschätzung der portugiesischen Regierung 18 bis 24 Monate dauern. Deshalb wird der Abschluss des Geschäfts erst 2028 erwartet.
Lufthansa plant Ausbau in Brasilien
Die Lufthansa will nach bisherigen Angaben vor allem das TAP-Geschäft in Brasilien ausbauen und den Flughafen Lissabon als Drehkreuz stärken. Auch die Präsenz in Porto soll erweitert werden.
Über ihre Wartungstochter Lufthansa Technik baut die deutsche Unternehmensgruppe zudem im portugiesischen Santa Maria da Feira eine Reparatur- und Wartungsanlage. Dort sollen rund 700 Arbeitsplätze entstehen.
TAP bleibt für Portugal strategisch wichtig
Die TAP verbindet Portugal mit zahlreichen internationalen Zielen und hat eine wichtige Rolle im Luftverkehr zwischen Europa und Brasilien sowie anderen Ländern Südamerikas. Bis zu fünf Prozent der Anteile sind für Beschäftigte vorgesehen; nicht von ihnen erworbene Anteile können zusätzlich an den ausgewählten Investor gehen.
Verlust im ersten Halbjahr
Nach vier Jahren mit schwarzen Zahlen verbuchte TAP im ersten Halbjahr 2026 einen Nettoverlust von 99,2 Millionen Euro. Als Belastung wirkten unter anderem gestiegene Treibstoffkosten.
Die Betriebserlöse stiegen zugleich um 4,3 Prozent auf rund 2,04 Milliarden Euro. Mit 8,2 Millionen Passagieren beförderte die Airline 4,2 Prozent mehr Menschen als im ersten Halbjahr 2025.
Die Auswahl der Lufthansa als bevorzugter Partner ist ein wichtiger Zwischenschritt in Portugals Teilprivatisierung der TAP. Der Staat will seine Mehrheit behalten, zugleich aber einen strategischen Investor gewinnen, der das internationale Streckennetz und die wirtschaftliche Entwicklung der Airline stärken kann.
Für die Lufthansa fügt sich der geplante Einstieg in eine Expansionsstrategie ein. Der Konzern hat bereits Beteiligungen an Airlines in mehreren europäischen Ländern aufgebaut und zuletzt seinen Anteil an der italienischen ITA Airways ausgeweitet. TAP würde zusätzliche Verbindungen nach Brasilien und in andere südamerikanische Märkte eröffnen.
Wettbewerbsprüfung als entscheidende Hürde
Der Zuschlag schafft noch keine Eigentümerposition. Vertragsverhandlungen, weitere Genehmigungen und insbesondere die Prüfung durch die EU-Kommission müssen abgeschlossen werden. Die von Portugal erwartete Dauer von 18 bis 24 Monaten zeigt, dass der Abschluss erst für 2028 vorgesehen ist.
Für Reisende und Beschäftigte hängt viel von der späteren Ausgestaltung ab. Ein stärkeres Lissabonner Drehkreuz könnte das Angebot auf Europa-Südamerika-Routen ausweiten; zugleich bleibt offen, welche wettbewerbsrechtlichen Auflagen gelten und wie sich die Beteiligung auf die strategische Ausrichtung der TAP auswirkt.
Finanzielle Ausgangslage der TAP
Die Airline steht trotz wachsender Passagierzahlen unter Druck. Im ersten Halbjahr 2026 führten vor allem höhere Treibstoffkosten zu einem Nettoverlust von 99,2 Millionen Euro. Der geplante Einstieg erfolgt damit in einer Phase, in der TAP Wachstum und wirtschaftliche Stabilität gleichzeitig sichern muss.
