Made in Europe, ZVEI und VDMA

Made in Europe: ZVEI und VDMA warnen Merz vor Paris-Deal

Veröffentlicht am: 13.10.2026 um 10:44 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWS

ZVEI und VDMA warnen Friedrich Merz vor einem engen europĂ€ischen Herkunftsregime. Die VerbĂ€nde fĂŒrchten höhere Kosten, Gegenmaßnahmen von Handelspartnern und Nachteile fĂŒr exportorientierte Unternehmen.

IndustrieverbÀnde warnen Merz vor Made in Europe-Deal mit Paris
Friedrich Merz und Emmanuel Macron (Archiv) - Bild: via dts Nachrichtenagentur

IndustrieverbÀnde warnen vor ZugestÀndnissen

  • ZVEI und VDMA schreiben einen Brief an Bundeskanzler Friedrich Merz.
  • Die VerbĂ€nde lehnen enge Made-in-Europe-Regeln fĂŒr öffentliche AuftrĂ€ge ab.
  • Gemeinsam stehen sie fĂŒr rund 20 Prozent der deutschen Industrie und etwa 2,2 Millionen BeschĂ€ftigte.

Die IndustrieverbĂ€nde ZVEI und VDMA warnen Bundeskanzler Friedrich Merz vor einem industriepolitischen Deal mit Frankreich. Sie befĂŒrchten, dass enge Made-in-Europe-Vorgaben zugunsten von CO2-ZugestĂ€ndnissen fĂŒr die Autoindustrie die WettbewerbsfĂ€higkeit und Exportchancen anderer Branchen schwĂ€chen könnten.

Brief an den Bundeskanzler

Die PrĂ€sidenten Daniel Hager vom ZVEI und Bertram Kawlath vom VDMA fordern Merz in einem Schreiben auf, einem solchen Abkommen nicht zuzustimmen. Die VerbĂ€nde erklĂ€ren, Berlin und Paris wĂŒrden damit eine SchwĂ€chung der industriellen WettbewerbsfĂ€higkeit in Kauf nehmen, die sie eigentlich stĂ€rken wollten.

ZVEI und VDMA vertreten die Elektro- und Digitalindustrie sowie den Maschinen- und Anlagenbau. Zusammen stehen die Branchen nach Angaben der VerbĂ€nde fĂŒr rund 20 Prozent der deutschen Industrie, 30 Prozent ihrer Exporte und etwa 2,2 Millionen BeschĂ€ftigte.

Streit ĂŒber EU-AuftrĂ€ge und Auto-Regeln

Merz und Frankreichs PrĂ€sident Emmanuel Macron verhandeln ĂŒber eine gemeinsame Linie beim Industrial Accelerator Act und beim Auto-Paket der EuropĂ€ischen Union. Frankreich befĂŒrwortet bei öffentlichen AuftrĂ€gen eine enge Auslegung der Made-in-Europe-Quoten auf die 27 EU-Mitgliedstaaten.

Deutschland will dagegen auch Freihandelspartner der EU einbeziehen. Beim Auto-Paket dringt Merz auf eine Lockerung der CO2-Vorgaben, wĂ€hrend Frankreich diese Forderung bislang nicht unterstĂŒtzt.

Warnung vor höheren Kosten

Die VerbĂ€nde warnen davor, die Exportchancen großer Teile der Industrie gegen kurzfristige politische Ziele einzutauschen. Um die Wertschöpfung in Europa zu stĂ€rken, mĂŒsse der Industrial Accelerator Act verlĂ€ssliche Handelspartner einbeziehen.

Andernfalls könnten Gegenmaßnahmen dieser LĂ€nder deutsche Unternehmen auf ihren ExportmĂ€rkten zusĂ€tzlich treffen. Nach Darstellung von ZVEI und VDMA diversifizieren viele Unternehmen bereits ihre Lieferketten; enge Herkunftsregeln könnten dafĂŒr wichtige Partner ausschließen, bestehende Lieferketten verteuern und kostspielige Doppelstrukturen erzwingen.

Der Streit berĂŒhrt einen zentralen Zielkonflikt der europĂ€ischen Industriepolitik: Die EU will öffentliche Nachfrage stĂ€rker auf europĂ€ische Anbieter ausrichten, zugleich hĂ€ngen viele deutsche Unternehmen von globalen Lieferketten und AbsatzmĂ€rkten ab. Besonders Maschinenbau sowie Elektro- und Digitalindustrie arbeiten mit spezialisierten Zulieferern aus LĂ€ndern außerhalb der EU.

Eng gefasste Herkunftsvorgaben könnten europĂ€ische Hersteller bei öffentlichen Projekten bevorzugen und damit Investitionen innerhalb der EU fördern. FĂŒr exportorientierte Unternehmen entstehen jedoch Risiken, wenn Handelspartner mit eigenen BeschrĂ€nkungen reagieren. ZusĂ€tzlich können getrennte Beschaffungs- und Produktionsstrukturen Kosten erhöhen, gerade bei mittelstĂ€ndischen Unternehmen.

Industriepolitik und Autoziele

Der Vorgang verbindet zwei unterschiedliche Verhandlungen. Beim Industrial Accelerator Act geht es um die Bedingungen fĂŒr industrielle Investitionen und öffentliche AuftrĂ€ge. Im Auto-Paket stehen dagegen CO2-Vorgaben und der regulatorische Druck auf die Fahrzeugindustrie im Mittelpunkt. Ein gemeinsamer deutsch-französischer Kompromiss könnte deshalb Auswirkungen auf mehrere Branchen haben.

FĂŒr die Bundesregierung besteht damit ein AbwĂ€gungsproblem zwischen kurzfristigen Entlastungen fĂŒr die Autoindustrie und langfristigen Interessen der exportorientierten Industrie. Die von ZVEI und VDMA genannten GrĂ¶ĂŸenordnungen zeigen, dass die Debatte weit ĂŒber einzelne Unternehmen hinausreicht. Entscheidend wird sein, ob ein europĂ€ischer Beschaffungsrahmen Handelspartner einbezieht und zugleich verlĂ€ssliche Bedingungen fĂŒr Investitionen schafft.

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