Schweitzer neuer MinisterprÀsident in Rheinland-Pfalz
10.07.2024 - 16:02:43Mit der Wahl von Alexander Schweitzer zum MinisterprĂ€sidenten beginnt in Rheinland-Pfalz eine neue Ăra. Der SPD-Politiker aus der Pfalz folgt auf Malu Dreyer, die sich nach 22 Jahren als Regierungsmitglied aus der Politik zurĂŒckzieht. Die 63-JĂ€hrige war zunĂ€chst elf Jahre Sozialministerin und dann genauso lange MinisterprĂ€sidentin. Mit ihrem einnehmenden Lachen, ihrer Empathie und Zuversicht war die Juristin bundesweit ĂŒber Parteigrenzen hinweg beliebt. Verabschiedet wurde sie nach einer emotionalen Abschiedsrede mit langanhaltendem Applaus und zahlreichen BlumenstrĂ€uĂen.Â
Der 50 Jahre alte Jurist und Sozialpolitiker Schweitzer dankte seiner VorgĂ€ngerin fĂŒr die langjĂ€hrige enge Zusammenarbeit. Sie habe sich den Stil ihrer Kommunikation und den Umgang mit Menschen immer auch im Politischen bewahrt. «Es gab nie die DrauĂen- und die Drinnen-Malu Dreyer, es gab immer nur eine Malu Dreyer, es war auch oftmals eine fordernde Malu Dreyer», sagte Schweitzer. Als MinisterprĂ€sident habe sie das Bundesland geprĂ€gt und nach vorn getragen.
GroĂer Vertrauensvorschuss fĂŒr Schweitzer
Die 100 im Landtag anwesenden Abgeordneten wĂ€hlten Schweitzer im ersten Wahlgang mit groĂer Mehrheit. Er bekam in geheimer Abstimmung 57 Stimmen. Das RegierungsbĂŒndnis aus SPD, FDP und GrĂŒnen kommt auf 54 Stimmen, rein rechnerisch erhielt Schweitzer also auch drei Stimmen von Oppositionsabgeordneten - also aus den Reihen von CDU, AfD oder Freien WĂ€hlern. Vier Abgeordnete enthielten sich bei der Wahl.
Die 63 Jahre alte Dreyer hatte im Juni, kurz nach der Europa- und den Kommunalwahlen, ihren RĂŒcktritt angekĂŒndigt, obwohl sie noch viel habe gestalten wollen. Aber die Kraft gehe ihr aus, hatte Dreyer gesagt, die seit vielen Jahren an Multiple Sklerose erkrankt ist. «Meine Akkus laden sich nicht mehr so schnell auf.»Â
Viele Emotionen beim letzten Dreyer-Auftritt
Bei ihrem letzten Auftritt im Parlament waren der langjĂ€hrigen Regierungschefin die Anspannung und die Emotionen deutlich anzumerken. Zu Beginn ihrer Rede verhaspelte sich die sonst glĂ€nzende Rednerin, von dem sonst so hĂ€ufig gezeigte strahlende LĂ€cheln und Lachen war nichts zu sehen. «Ich bedanke mich wirklich herzlich, dass ich noch mal die Möglichkeit habe, hier von diesem Rednerpult aus zu reden», sagte sie mit wegbrechender Stimme. «Sie merken, irgendwie ist es gerade ein schwerer Tag. Es ist mir heute Morgen schon so gegangen. Als ich in die Staatskanzlei gegangen bin, habe ich gemerkt, es ist tatsĂ€chlich der letzte Tag.»Â
Die 63-JĂ€hrige zieht sich nach elf Jahren als Regierungschefin aus der Politik zurĂŒck. Der Zeitpunkt ihres selbstbestimmten Wechsels gilt als optimal. Die nĂ€chste Landtagswahl ist 2026, und Schweitzer hat damit genug Zeit, sich im Amt bekannt zu machen.Â
Ein neues Gesicht im Kabinett
Seit der Landtagswahl 2021 war Schweitzer Minister fĂŒr Arbeit, Soziales, Transformation und Digitalisierung in Dreyers zweiter Ampelregierung. Seine Nachfolgerin in diesem Amt ist die nordrhein-westfĂ€lische SPD-Politikerin Dörte Schall.Â
An dem Kabinett Ă€ndert sich sonst nichts, die anderen fĂŒnf Ministerinnen und drei Minister bleiben im Amt. Schweitzer hatte gleich in seinem ersten Statement angekĂŒndigt, auch nach der nĂ€chsten Landtagswahl am liebsten mit GrĂŒnen und FDP weiter regieren zu wollen.Â
Ob es Schweitzer gelingt, auf Ă€hnlich viel Sympathie bei den Rheinland-PfĂ€lzern zu stoĂen wie seine beliebte VorgĂ€ngerin bleibt abzuwarten. Er hat bereits einen «intensiven Sommer» angekĂŒndigt. «Ich will dahin, wo die Menschen sind und sich Meinungen bilden. Das sind auch Tiktok und die Theken.» Und er wird anders als Dreyer nicht mit der Ahr-Flutkatastrophe mit insgesamt 136 Toten in Verbindung gebracht, die sich an diesem Wochenende zum dritten Mal jĂ€hrt.









