Bedford-Strohm: Demokratie braucht unabhÀngige Kirchen
12.02.2025 - 19:40:36Der Vorsitzende des Weltkirchenrates, Heinrich Bedford-Strohm, betont nach den umstrittenen Forderungen von Markus Söder die UnabhĂ€ngigkeit der Kirchen - und findet deutliche Worte. «Kirchen haben nicht die Aufgabe, den politisch Verantwortlichen nach dem Munde zu reden. Sie wĂŒrden damit die Sache, fĂŒr die sie stehen, im Kern verraten», sagte er bei einem GesprĂ€chsabend zum Thema «Flucht, Asyl und Migration» in Stendal in Sachsen-Anhalt.Â
«Die Rechte der Kirchen gar von ihrem Wohlverhalten gegenĂŒber denen abhĂ€ngig machen zu wollen, die die politische Macht haben, wĂ€re geradezu absurd. Aus meiner Arbeit im Weltkirchenrat kenne ich solche Haltungen aus autokratisch regierten LĂ€ndern. In Demokratien haben sie keinen Platz», sagte der frĂŒhere bayerische Landesbischof und langjĂ€hrige Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD).Â
«Gesellschaft braucht Kirchen, die sich öffentlich zu Wort melden»
Bayerns MinisterprĂ€sident Söder (CSU) hatte den Kirchen nach Kritik am Kurs der Union in der Migrationspolitik mehr politische ZurĂŒckhaltung nahegelegt und in dem Zusammenhang unverhohlen darauf verwiesen, dass der Freistaat ja die GehĂ€lter der Kirchen zahle - und dass die Union die einzige Partei sei, die noch an der Seite der Kirchen stehe.
«Wenn es in diesen Tagen Töne aus den Reihen der Politik gibt, die den Kirchen das Recht auf kritische Stellungnahmen zu Grundorientierungsfragen in den gegenwĂ€rtigen Debatten absprechen wollen, dann liegt da ein grundsĂ€tzliches MissverstĂ€ndnis vor», betonte Bedford-Strohm.Â
«Eine demokratische Gesellschaft braucht Kirchen, die sich öffentlich zu Wort melden, die sich besonders fĂŒr die Schwachen und Verletzlichen einsetzen und die sich genau durch das Aussprechen von Wahrheiten, auch unbequemen Wahrheiten, am gesellschaftlichen Diskurs beteiligen und so zum gesellschaftlichen Zusammenhalt beitragen.»









