Markus Söder, CDU/CSU

Markus Söder Kanzlerkandidatur Merz-Krise: Hat der CSU-Chef doch eine Chance auf das Kanzleramt?

Veröffentlicht am: 15.09.2026 um 14:20 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Nach dem CDU-Wahldebakel in Sachsen-Anhalt steht Bundeskanzler Friedrich Merz unter Druck – und erneut fĂ€llt der Name Markus Söder als möglicher Nachfolger. Der CSU-Chef betont LoyalitĂ€t, doch in der Union wird ĂŒber seine Chancen und Grenzen an der Kanzlerspitze diskutiert.

Je höher der Druck auf Kanzler Merz steigt, desto hÀufiger fÀllt auch der Name von Markus Söder als möglicher Nachfolger.  - Bild: Peter Kneffel/dpa
Je höher der Druck auf Kanzler Merz steigt, desto hÀufiger fÀllt auch der Name von Markus Söder als möglicher Nachfolger. - Bild: Peter Kneffel/dpa

Nach der schweren Niederlage der CDU bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt rĂŒckt erneut die Frage in den Vordergrund, ob CSU-Chef Markus Söder doch eine Chance auf das Kanzleramt haben könnte.

Söder hatte Kanzlerkandidatur klar ausgeschlossen

Ende Juli war Markus Söder erneut gefragt worden, ob er noch einmal als Kanzlerkandidat zur VerfĂŒgung stĂŒnde, falls es nötig sei. Der Vorsitzende der CSU erklĂ€rte damals, das Kapitel sei abgeschlossen. Die Frage stelle sich heute nicht und werde sich auch in Zukunft nicht mehr stellen, sagte der 59-JĂ€hrige dem Handelsblatt.

Sechs Wochen und eine Landtagswahl in Sachsen-Anhalt spĂ€ter wird genau diese Frage in der Union dennoch wieder diskutiert. Das CDU-Desaster von Magdeburg hat Bundeskanzler Friedrich Merz ins Wanken gebracht und Spekulationen ĂŒber einen Kanzlertausch ausgelöst. Neben NRW-Regierungschef Hendrik WĂŒst fĂ€llt dabei besonders hĂ€ufig der Name Söder.

CSU-Spitze warnt vor Kanzlersturz

Von Söder selbst kommen keine Signale, die auf eigene Ambitionen schließen lassen. Er und die gesamte CSU bemĂŒhen sich sichtbar um ZurĂŒckhaltung. Von der CSU werde es „auf keinen Fall“ einen Kanzlersturz geben, lĂ€sst Söder am Wochenende ĂŒber die Bild am Sonntag ausrichten.

Auf die Nachfrage, ob er einen Sturz auch durch die CDU ausschließe, verweist er darauf, dass er fĂŒr die CDU nicht zustĂ€ndig sei. Die Aussage ist fĂŒr sich genommen logisch, wird von manchen aber als Seitenhieb in Richtung Merz interpretiert. Bei einem Presseauftritt mit Außenminister Johann Wadephul wird Söder deutlicher und spricht von einer festen Erwartung breiter RĂŒckendeckung fĂŒr Merz bei der Sitzung des CDU-PrĂ€sidiums.

RĂŒckendeckung fĂŒr Merz als Signal der StabilitĂ€t

Söder betont, es wĂ€re ein Problem, wenn Deutschland angesichts der vielfĂ€ltigen Krisen und „hybriden Aktionen“ gegen die Demokratie ins Schlingern geriete. In dieser Lage brauche es Zusammenhalt, StĂ€rke und Kraft, und dafĂŒr solle der Bundeskanzler RĂŒckendeckung erhalten. Die hĂ€ufigen Nachfragen zu seinen eigenen Kanzlerambitionen zeigen zugleich, wie stark die Personaldebatte die Union derzeit beschĂ€ftigt.

Dem CSU-Chef wird fehlende LoyalitĂ€t gegenĂŒber Merz kaum vorgeworfen. Im Vergleich zu manchen CDU-Kollegen habe er klare Positionen, sagt Söder. Gerade aus der CDU selbst ist die RĂŒckendeckung fĂŒr Merz bisher eher spĂ€rlich. Johann Wadephul gibt sich ĂŒberzeugt, dass die Bundesregierung ihre angestoßenen Reformen unter der FĂŒhrung von Merz umsetzen werde.

StÀrken Söders im innerparteilichen Vergleich

In der CDU fĂ€llt Söders Name dennoch regelmĂ€ĂŸig, wenn ĂŒber mögliche Kanzlerkandidaten gesprochen wird. Der ehrgeizige Franke gilt als einer der profiliertesten und bekanntesten Unionspolitiker bundesweit. Viele trauen ihm eher als Merz oder auch WĂŒst zu, der stĂ€rker werdenden AfD kommunikativ Paroli zu bieten, nicht zuletzt in sozialen Medien.

Auf einer CSU-Klausur hebt Sachsens MinisterprĂ€sident Michael Kretschmer das „CSU-Gen“ hervor. Söder sei der Politiker in Deutschland, der die meisten Menschen zu einer Veranstaltung in ein Festzelt bekomme, sagt der CDU-Regierungschef. In bundesweiten Beliebtheitsrankings liegt Söder vorne, allerdings gilt dies ebenso fĂŒr Hendrik WĂŒst, der in der Gunst der Deutschen sogar noch etwas vor dem Franken rangiert.

Strukturelle HĂŒrden fĂŒr einen Kanzler Söder

Gegen Söder spricht vor allem die Situation von Friedrich Merz. In der CSU gilt es derzeit als ausgeschlossen, dass der Kanzler kurzfristig aufgibt. Viele, auch Söder selbst, argumentieren, dass ein möglicher Nachfolger mit denselben politischen und gesellschaftlichen Problemen konfrontiert wÀre.

Hinzu kommt, dass Söder als Kanzler keine direkte Durchsetzungskraft in der CDU hĂ€tte und dauerhaft auf die UnterstĂŒtzung des CDU-Vorsitzenden angewiesen wĂ€re. In Teilen der CDU wird es als Risiko angesehen, ihm den Kanzlerposten in der aktuellen Krise anzubieten, weil niemand davon ausgeht, dass er das Amt spĂ€ter wieder an die CDU zurĂŒckgeben wĂŒrde.

Blick auf mögliche Rolle WĂŒsts

Dies betrifft auch die Perspektive von Hendrik WĂŒst. Dem nordrhein-westfĂ€lischen MinisterprĂ€sidenten wird nachgesagt, dass fĂŒr ihn weniger die Frage ist, ob er nach Berlin gehen wolle, sondern wann. Als wichtige Wegmarke gilt die Landtagswahl in NRW am 25. April 2027, die WĂŒst zunĂ€chst gewinnen wolle und mĂŒsse, wie es heißt.

Andere Stimmen in der Union sehen diesen Zeitplan kritisch und halten WĂŒst bereits vorher fĂŒr einen möglichen Kandidaten, falls Merz scheitern sollte. Der Ausgang der aktuellen Krise um den CDU-Chef bleibt offen. Merz geht inzwischen in die Offensive und könnte beim Treffen mit der Parteispitze eine Art interne Vertrauensfrage stellen.

Entscheidende BewĂ€hrungsprobe fĂŒr Merz

Merz hat nach dem Wahldebakel in Sachsen-Anhalt betont, Aufgeben sei fĂŒr ihn keine Option. Nun liegt es an den CDU-Landeschefs, ob sie ihm weiter vertrauen. Ihre Entscheidung wird bestimmen, ob die Kanzlerfrage in der Union auf Merz, auf einen CDU-Regierungschef wie WĂŒst oder am Ende doch auf CSU-Chef Söder zulĂ€uft.

Union in der Defensive nach Sachsen-Anhalt

Die Debatte um eine mögliche Kanzlerrolle von Markus Söder steht im direkten Zusammenhang mit der schweren Niederlage der CDU bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt. Das Debakel hat Bundeskanzler Friedrich Merz politisch geschwĂ€cht und innerhalb der Union eine FĂŒhrungsdiskussion ausgelöst. In solchen Phasen richtet sich der Blick regelmĂ€ĂŸig auf die sichtbarsten und zugkrĂ€ftigsten Köpfe – dazu zĂ€hlt Söder seit Jahren. Zugleich zeigt die aktuelle Lage, wie eng Kanzleramt und ParteifĂŒhrung in der CDU/CSU miteinander verknĂŒpft sind.

Spannung zwischen StabilitÀt und Wechsel

FĂŒr viele Unionspolitiker ist die zentrale Frage, ob ein Personalwechsel im Kanzleramt Probleme lösen oder zusĂ€tzliche Unsicherheit schaffen wĂŒrde. Söder selbst verweist darauf, dass auch ein möglicher Nachfolger mit denselben Strukturkrisen ringen mĂŒsste: anhaltende wirtschaftliche Unsicherheiten, Konflikte um Migration und innere Sicherheit sowie der Druck durch eine erstarkende AfD. Die Sorge, Deutschland könne in dieser Lage „schlingern“, macht deutlich, warum Teile der Union trotz Kritik an Merz vor allem auf StabilitĂ€t setzen und ihm öffentlich RĂŒckendeckung geben.

Strategische Überlegungen in CDU und CSU

Innerhalb der Union werden verschiedene Zukunftsszenarien diskutiert. Ein Kanzlerwechsel zugunsten eines CSU-Politikers wĂ€re ein Bruch mit der traditionellen Dominanz der CDU und könnte Spannungen in der Parteifamilie verstĂ€rken. Zugleich gilt Hendrik WĂŒst als ernstzunehmende Alternative mit eigener Hausmacht in Nordrhein-Westfalen und guten Beliebtheitswerten. Die anstehende NRW-Landtagswahl 2027 spielt fĂŒr seine Rolle eine wichtige strategische Funktion. Ob sich fĂŒr Söder tatsĂ€chlich ein „historisches Fenster“ öffnet, hĂ€ngt weniger von seinen persönlichen Ambitionen ab als von der Frage, ob Merz die innerparteiliche Vertrauensprobe politisch ĂŒbersteht.

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