Trotz steifem Hals: Langenhan rast zu Rodel-Gold
08.02.2026 - 19:15:25 | dpa.deUmhĂŒllt von der Deutschland-Fahne verneigte sich Max Langenhan vor den Fans und holte sich zur Belohnung ein KĂŒsschen seiner Freundin Susanne ab. Nach einer beeindruckenden Rekordshow war der Weltmeister zuvor mit Tempo 130 in den Rodel-Olymp gerast und hatte fĂŒr den ersten deutschen Olympiasieg bei den Winterspielen in Mailand und Cortina d'Ampezzo gesorgt - und das trotz eines steifen Halses als Handicap. Als er seinen letzten Parforceritt mit dem vierten Bahnrekord im vierten Lauf absolviert hatte, breitete er im Eiskanal die Arme aus und verdrĂŒckte im Ziel FreudentrĂ€nen.Â
«Die Medaille hĂ€ngt ein bisschen schwer. Ich habe ganz schön Nackenprobleme», sagte Langenhan nach seinem Coup dem ZDF und war ĂŒberglĂŒcklich: «Das ist irgendwie schon cool. Ich bin super happy, dass die ganze Performance zusammengekommen ist. Ich bin dankbar fĂŒr jede Person, die ich auf dem Weg kennenlernen durfte. Die haben das gemacht. Am Ende darf ich mir die Medaille umhĂ€ngen, aber eigentlich mĂŒssten 300 Leute so eine Medaille bekommen, weil die alle Teil des groĂen Ganzen sind.»
Mit 0,596 Sekunden Vorsprung verwies der 26-JĂ€hrige im Einsitzer den Ăsterreicher Jonas MĂŒller auf Rang zwei. Dritter wurde wie schon 2022 in Peking der Italiener Dominik Fischnaller. Dabei hatte Langenhan vor dem Start der Rodel-Rennen noch eine Absage in Betracht gezogen, da er einen steifen Hals hatte. Der 1,90 Meter groĂe Athlet biss sich durch und ist nach Platz sechs in Peking vor vier Jahren nun am Ziel seiner TrĂ€ume. Er habe den letzten Lauf genossen, sagte Langenhan.
«Was der Max die zwei Tage runtergerissen hat, ist einfach sensationell», schwĂ€rmte der WeltcupfĂŒhrende Felix Loch, der sich bei seinen fĂŒnften Winterspielen mit Rang sechs begnĂŒgen musste. Thomas Schwab, der Vorstandsvorsitzende vom Bob- und Schlittenverband, fĂŒgte hinzu: «Ein guter Auftakt ist immer wichtig. Eine Goldmedaille, was will man mehr. Es war wirklich eine tolle Leistung von Max Langenhan, der in einer souverĂ€nen Art als junger Bursche die Goldmedaille holt. Respekt vor seiner Leistung.»
Hackl nach Sturz von der Klinik an die Bahn
Das Gold-Duell zwischen Deutschland und Ăsterreich konnte auch Rodel-Ikone Georg Hackl verfolgen, obwohl er am Vormittag beim Training der Frauen noch schwer gestĂŒrzt war und sich die Schulter ausgekugelt hatte. Er konnte die Klinik wieder verlassen und verfolgte das Finale dank schmerzlindernder Medikamente, die er vom österreichischen Verbandsarzt Stefan NeuhĂŒttler bekommen hatte.Â
«Ich bin in eine LĂŒcke dieses Steges geraten und in einen Schacht knapp zwei Meter in die Tiefe gestĂŒrzt. So gesehen hatte ich noch GlĂŒck im UnglĂŒck», meinte «Schorsch» Hackl, der 2022 vom deutschen Verband zu den Ăsterreichern gewechselt war und mit drei Gold- und zwei Silbermedaillen der erfolgreichste Rodler der olympischen Geschichte ist. Zum Rennen war er wieder da. «Ich wurde medizinisch hervorragend versorgt und bekam gute Schmerzmittel. Es ist einigermaĂen ertrĂ€glich», sagte Hackl dem ZDF.
Drei Bahnrekorde von Langenhan
Vor dem Start der Rodelwettbewerbe stand fĂŒr den 100-Kilo-Mann Langenhan sogar eine Absage im Raum, nachdem er seinen Hals kaum bewegen konnte. Dank langer Massagen konnte er sich doch noch auf seinen Schlitten setzen und fuhr in den ersten drei LĂ€ufen jeweils Bahnrekord in dem neu gebauten 1.445 Meter langen Eiskanal. Vor dem Finallauf baute er seinen Vorsprung auf MĂŒller nochmal auf 0,294 Sekunden aus.
Zur Halbzeit war er nicht zufrieden. «Ich wollte hier bei Olympia vier perfekte LĂ€ufe hinlegen. Diese Chance wurde mir mit dem steifen Hals genommen. Ich war froh, dass ich den Hals ĂŒberhaupt ein wenig bewegen konnte», sagte Langenhan. Notfalls mĂŒsse eine Spritze helfen, damit sich die Muskulatur entspannen könnte. Diese Option wollte er sich fĂŒr den zweiten Wettkampftag oder fĂŒr den Notfall aufsparen.
Bei aller EnttĂ€uschung ĂŒber sein eigenes Abschneiden lobte Loch die Leistung seines langjĂ€hrigen Zimmerkollegen Langenhan. «Er ist einfach ein cooler Hund. Das hat er schon oft bewiesen», meinte der gebĂŒrtige ThĂŒringer, der lĂ€ngst als Parade-Bayer gilt. Loch wurde nach Platz sechs von seinem Vater Norbert in den Arm genommen. Der Chemnitzer Timon Grancagnolo kam auf Rang neun.
Familie und Fans feiern eine WocheÂ
Langenhan, der am vorletzten Olympia-Tag am 21. Februar seinen 27. Geburtstag feiert, kommt aus der Party-Stimmung nicht mehr raus. Der ThĂŒringer aus Ernstroda bei Friedrichroda hat eine riesige Fangemeinde dabei, dazu seine Eltern, seine vier Geschwister und seine Freundin Susanne. Allein 100 Fans verfolgten seinen Gold-Coup. Nach einem Zwischenstopp in Innsbruck sind die Fans noch eine Woche in Welsberg-Taisten im Pustertal. Sie haben extra einen groĂen Bus fĂŒr die Reise in den Dolomiten angemietet.Â
Langenhan bezeichnet den RĂŒckhalt als «Wahnsinn». Doch er weiĂ auch, sein Umfeld zu begeistern. «Er ist ein Teamplayer in einer Einzelsportart, nimmt sich ganz bewusst Zeit fĂŒr Kinder, fĂŒr Fans, fĂŒr Sponsoren, ja fĂŒr alle», sagte sein Manager Jens RoĂ der «SĂŒdthĂŒringer Zeitung».
Wieder Olympia-Ărger fĂŒr Loch
FĂŒr Topfavorit Felix Loch waren die Wettbewerbe eine EnttĂ€uschung. Schon zur Halbzeit stellte der 36-JĂ€hrige seinen Schlitten zerknirscht in die Ecke. Die ersehnte Medaille bei seinen fĂŒnften Winterspielen war in weite Ferne gerĂŒckt. Im ersten und dritten Lauf fuhr er auf der Startrampe an die Bande. «Es war ein minimaler Streif, der kostet nicht so viel Zeit. Die Zeit verliere ich von oben nach unten», sagte Loch und haderte mit seinem Material: «Es scheint vielleicht nicht genau das richtige Set-up zu sein. Schade, dass es gerade bei Olympia passiert», sagte der Berchtesgadener.
Schon 2018 in Pyeongchang hatte er ein olympisches Rennen verpatzt. Vor dem Finallauf lag er in FĂŒhrung, leistete sich dann einen Fehler in Kurve neun und verpasste so seinen olympischen Gold-Hattrick im Einzel nach seinen Siegen zuvor in Vancouver 2010 und Sotschi 2014. In Peking war er kraftlos Vierter geworden, nachdem ihn eine Corona-Infektion geschwĂ€cht hatte.
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