Mecklenburg-Vorpommern, Landtagswahl

Mecklenburg-Vorpommern: AfD-Sieg, Schwesig setzt auf Rot-Rot-Grün

Veröffentlicht am: 21.09.2026 um 11:56 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Nach dem Wahlsieg der AfD in Mecklenburg-Vorpommern setzt Ministerpräsidentin Manuela Schwesig auf ein rot-rot-grünes Bündnis mit Linken und Grünen. Eine bisherige Zweierkoalition aus SPD und Linke reicht im neuen Landtag nicht mehr für eine Regierungsmehrheit.

  • Schwesig will mit Linken und Grünen über eine Koalition reden.  - Bild: Marcus Brandt/dpa Pool/dpa
    Schwesig will mit Linken und Grünen über eine Koalition reden. - Bild: Marcus Brandt/dpa Pool/dpa
  • Ministerpräsidentin Schwesig will in MV regieren - AfD-Ministerpräsidentenkandidat Holm auch.  - Bild: Marcus Brandt/dpa Pool/dpa
    Ministerpräsidentin Schwesig will in MV regieren - AfD-Ministerpräsidentenkandidat Holm auch. - Bild: Marcus Brandt/dpa Pool/dpa
Schwesig will mit Linken und Grünen über eine Koalition reden.  - Bild: Marcus Brandt/dpa Pool/dpa Ministerpräsidentin Schwesig will in MV regieren - AfD-Ministerpräsidentenkandidat Holm auch.  - Bild: Marcus Brandt/dpa Pool/dpa

In Mecklenburg-Vorpommern stellt sich Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) nach der Landtagswahl auf eine Regierungsbildung mit Grünen und Linken ein.

Schwesig kündigt Sondierungen mit Linken und Grünen an

Nach Beratungen in der SPD-Zentrale in Berlin kündigte Schwesig an, den Parteigremien vorzuschlagen, Gespräche mit Linken und Grünen über ein gemeinsames Bündnis aufzunehmen. Bislang regierte in Mecklenburg-Vorpommern eine Zweierkoalition aus SPD und Linke, deren Mehrheit im neuen Landtag nicht mehr ausreicht.

AfD wird stärkste Kraft, SPD beansprucht Regierungsführung

Bei der Landtagswahl wurde die AfD nach dem vorläufigen Ergebnis der Landeswahlleitung mit 38,2 Prozent der Stimmen stärkste Kraft. Die SPD erreichte 35,5 Prozent und liegt damit auf Platz zwei. Zudem ziehen die Linke mit 6,5 Prozent und die Grünen mit 5,7 Prozent in den Landtag ein, während die CDU mit 4,9 Prozent und das BSW mit 4,8 Prozent knapp an der Fünf-Prozent-Hürde scheitern.

Schwesig schließt AfD-Regierung aus

Schwesig bekräftigte bereits am Wahlabend ihren Anspruch auf das Amt der Ministerpräsidentin und schloss eine Regierungsbildung durch die AfD aus. Die Mehrheit der Wählerinnen und Wähler habe sich nach ihren Worten für demokratische Parteien entschieden, sie sei bereit, ihre Arbeit an der Spitze der Landesregierung fortzusetzen und verwies darauf, dass dies dem Wunsch von 60 Prozent der Bürgerinnen und Bürger entspreche.

Grüne signalisieren Bereitschaft zu Rot-Rot-Grün

Die Grünen erklärten, sie seien bereit, Teil einer rot-rot-grünen Regierung in Schwerin zu werden. Spitzenkandidatin Claudia Müller bewertete das Ergebnis der Grünen als Erfolg, zeigte sich aber mit dem Gesamtergebnis der Wahl unzufrieden. Sie verwies darauf, dass eine starke Polarisierung die AfD zusätzlich gestärkt habe, wie dies auch in anderen Bundesländern zu beobachten sei.

AfD will dennoch Gespräche zur Regierungsbildung

Die AfD beansprucht nach ihrem Wahlerfolg ebenfalls den Auftrag zur Regierungsbildung. Ministerpräsidentenkandidat Leif-Erik Holm kündigte an, alle anderen Parteien zu Gesprächen einzuladen, obwohl er nach eigenen Worten wenig Hoffnung auf konstruktive Verhandlungen hat. Zugleich rechnet er mit einer rot-rot-grünen Regierung unter Führung der SPD und sieht seine Partei in einer Rolle als einzige Opposition im neuen Landtag.

Historische Verschiebung der Kräfteverhältnisse

Die Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern markiert einen deutlichen Einschnitt in der politischen Landschaft des nordostdeutschen Bundeslandes. Mit der AfD als stärkster Kraft und einer SPD, die trotz Platz zwei weiterhin den Anspruch auf die Regierungsführung erhebt, verschieben sich die Kräfte deutlich weg von den etablierten Koalitionsmustern der vergangenen Jahre. Die bislang regierende Koalition aus SPD und Linke verliert ihre parlamentarische Mehrheit, was den Druck erhöht, neue Bündnisse zu schmieden, um eine stabile Regierung zu bilden.

Rot-Rot-Grün als Abwehrbündnis gegen die AfD

Die von Manuela Schwesig angestrebte Zusammenarbeit von SPD, Linke und Grünen zielt erkennbar darauf, eine Regierungsbeteiligung der AfD zu verhindern und zugleich eine Mehrheit der Parteien zu sichern, die sich selbst als demokratisches Lager verstehen. Die Grünen signalisieren Offenheit für eine solche Koalition, während die Linke als bisheriger Partner der SPD voraussichtlich auf Kontinuität setzt. Damit entsteht faktisch ein Abwehrbündnis, das den Wählerwillen so interpretiert, dass zwar die AfD deutlich zugelegt hat, aber keine Koalitionspartner findet. Für viele Bürger dürfte entscheidend sein, ob ein solches Dreierbündnis handlungsfähig bleibt und gemeinsame Projekte definiert.

Oppositionsrolle der AfD und Folgen für die Landespolitik

Die AfD reklamiert trotz fehlender Koalitionsoptionen einen Regierungsauftrag und kündigt an, alle Parteien zu Gesprächen einzuladen. Zugleich stellt sie sich bereits als voraussichtlich einzige Oppositionskraft im Landtag dar. Sollte es zu einer rot-rot-grünen Regierung kommen, könnte die AfD eine dominante Rolle in der Opposition einnehmen, mit entsprechend scharfer Kritik an der Landesregierung und möglichen Auswirkungen auf den politischen Diskurs. Für die Landespolitik bedeutet dies, dass Konflikte im Parlament zunehmen könnten und die Regierung ihre Reform- und Investitionsvorhaben besonders klar begründen muss, um in einem polarisierten Umfeld Zustimmung zu finden.

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