Mecklenburg-Vorpommern: Schwesig peilt trotz AfD-Sieg neue Regierung an
Veröffentlicht am: 20.09.2026 um 21:47 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWSManuela Schwesig, amtierende Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern, sieht nach der Landtagswahl im Nordost-Bundesland weiterhin die Möglichkeit, eine demokratische und stabile Regierung zu bilden. Trotz des Verlustes der Spitzenstellung ihrer SPD gegenüber der AfD will sie eine neue Regierungskoalition formen.
Schwesig betont persönliche Zustimmung im Land
Am Wahlsonntag verwies Schwesig im Gespräch mit dem Sender Phoenix darauf, dass Analysen zufolge über 60 Prozent der Menschen wollen, dass sie ihre Arbeit als Ministerpräsidentin fortsetzt. Dieses hohe Vertrauen wolle sie erfüllen. Angesichts der Wahlergebnisse sei es aus ihrer Sicht möglich, „wieder eine demokratische, stabile Regierung zu bilden“.
Zugleich betonte sie, dass trotz der Erfolge der AfD eine große Mehrheit der Wähler diese Partei nicht gewählt habe. Die SPD-Politikerin forderte, alle demokratischen Kräfte müssten sich selbstkritisch fragen, warum die AfD im Land so stark abschneiden könne.
Kritik an Kanzler Merz und der Bundesregierung
Schwesig nutzte den Wahlabend auch für deutliche Kritik an der Bundespolitik. Im Koalitionsvertrag auf Bundesebene sei verabredet worden, die abschlagsfreie Rente nach 45 Beitragsjahren fortzuführen. Wenn Bundeskanzler Friedrich Merz wegen einer Kommission plane, diese Regel zu ändern, halte sie das für falsch.
Der Unmut über eine mögliche Änderung sei bei den Bürgern nach Einschätzung der Ministerpräsidentin „gewaltig“. Nach ihren Angaben liegt die Zustimmung zum Kanzler in Mecklenburg-Vorpommern nur noch bei fünf Prozent, die Zustimmung zur Bundesregierung bei sechs Prozent. Merz und die Regierung müssten ihren Kurs aus ihrer Sicht kritisch überdenken.
Soziale Entlastung als zentrales Anliegen
Schwesig betonte, die Menschen bräuchten Unterstützung und das Leben müsse bezahlbarer werden. Es gehe um Entlastung und nicht um zusätzliche Belastung für Bürgerinnen und Bürger. Damit knüpfte sie an zentrale soziale Themen an, die den Wahlkampf im Land geprägt hatten.
Gleichzeitig stellte sie klar, dass sie keine bundespolitischen Ambitionen habe. Sie bleibe „selbstverständlich“ in Schwerin und konzentriere sich weiter auf ihre Rolle als Regierungschefin in Mecklenburg-Vorpommern.
Komplizierte Mehrheitsbildung nach der Wahl
Laut den jüngsten Hochrechnungen von ARD und ZDF kommt die SPD in Mecklenburg-Vorpommern auf durchschnittlich 35,7 Prozent der Stimmen. Die AfD liegt mit 37,9 Prozent davor und ist damit stärkste Kraft. Unklar bleibt, ob das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) mit 4,9 Prozent noch den Einzug in den Landtag schafft.
Sollte das BSW ins Parlament kommen, wären sowohl eine Koalition der SPD mit Grünen (5,5 Prozent) und CDU (5,0 Prozent) als auch ein Bündnis mit Grünen und Linken (6,6 Prozent) nach den Hochrechnungen wohl ohne eigene Mehrheit. Die CDU muss zudem weiterhin um den Wiedereinzug in den Landtag bangen.
Abgrenzung von der AfD und Rolle des BSW
Die AfD wäre mit 37,9 Prozent zwar stärkste Kraft im Landtag, doch bis auf das BSW schließen alle anderen Parteien eine Zusammenarbeit mit ihr kategorisch aus. Damit fällt eine Regierungsbildung unter Führung der AfD faktisch aus, solange sich diese Haltung nicht ändert.
Das BSW könnte, falls der Einzug gelingt, zu einem bedeutenden Faktor bei der Mehrheitsbildung werden. Zugleich bleibt offen, ob und in welcher Form das neue Bündnis bereit wäre, Regierungsverantwortung zu übernehmen.
Wahlergebnisse und Optionen in Berlin
Etwas klarer sind laut Hochrechnungen die Regierungsoptionen in Berlin. Dort liegt die Linke mit 25,1 Prozent als stärkste Kraft vorn. Eine Regierung wäre gemeinsam mit Grünen, die auf 14,4 Prozent kommen, und der SPD mit 12,1 Prozent möglich.
Die CDU, die in der Hauptstadt voraussichtlich 19,1 Prozent erreicht, würde demnach aus der bisherigen Regierung ausscheiden. Die AfD mit 16,1 Prozent dürfte sich im neuen Abgeordnetenhaus in der Opposition wiederfinden, während das BSW mit 4,9 Prozent noch um den Einzug in das Parlament bangen muss.
Die Aussagen von Manuela Schwesig fallen in eine politisch aufgeheizte Situation nach den Landtagswahlen in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin. In beiden Ländern haben klassische Volksparteien an Bindekraft verloren, während AfD und Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) deutlich an Boden gutgemacht haben. Schwesig betont dennoch die Möglichkeit einer „demokratischen, stabilen Regierung“ und verweist auf persönliche Zustimmungswerte von über 60 Prozent, was ihren Führungsanspruch trotz relativer Verluste untermauert.
Regierungsbildung und parteipolitische Verschiebungen
In Mecklenburg-Vorpommern steht eine schwierige Koalitionsarithmetik bevor: Die SPD liegt laut Hochrechnungen mit 35,7 Prozent vor CDU, Grünen und Linken, hat aber die Spitzenstellung gegenüber der AfD mit 37,9 Prozent eingebüßt. Gleichzeitig ist unklar, ob das BSW mit 4,9 Prozent den Sprung in den Landtag schafft. Da alle Parteien außer dem BSW eine Zusammenarbeit mit der AfD ausschließen, muss Schwesig aus geschrumpften Mehrheiten ein arbeitsfähiges Bündnis formen. Das erhöht den Druck, pragmatische und zugleich klare demokratische Linien zu ziehen.
Bundespolitische Dimension und soziale Konflikte
Schwesigs scharfe Kritik an Bundeskanzler Friedrich Merz und der Bundesregierung zielt auf die Rentenpolitik und die sozioökonomische Lage vieler Bürger. Ihre Warnung vor „Belastung statt Entlastung“ greift Stimmungen auf, die den Aufstieg der AfD und neuer Protestparteien begünstigen. Dass sie zugleich betont, keine bundespolitischen Ambitionen zu haben und „selbstverständlich“ in Schwerin zu bleiben, soll Vertrauen im Land sichern und den Eindruck einer Regionalpolitikerin stärken, die sich bewusst gegen den Berliner Politikstil positioniert.
Für Leser in Mecklenburg-Vorpommern und darüber hinaus zeigt sich: Die anstehenden Koalitionsverhandlungen werden ein Test, ob klassische Parteien trotz schwieriger Mehrheiten noch glaubhaft soziale Sicherheit, Planungssicherheit und demokratische Abgrenzung gegenüber der AfD miteinander verbinden können.
