Medizin-Nobelpreis, Optogenetik

Medizin-Nobelpreis für Deutsche Hegemann und Nagel sowie US-Forscher Deisseroth

Veröffentlicht am: 05.10.2026 um 11:35 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Peter Hegemann und Georg Nagel erhalten gemeinsam mit dem US-Forscher Karl Deisseroth den Medizin-Nobelpreis. Das Karolinska-Institut würdigt damit grundlegende Entdeckungen zur Optogenetik, mit der sich Zellen mithilfe von Licht steuern lassen.

Der Medizin-Nobelpreis geht in diesem Jahr an die Deutschen Peter Hegemann und Georg Nagel sowie den US-Forscher Karl Deisseroth für ihre Entdeckungen im Bereich der Optogenetik.

Auszeichnung für drei Forscher

Das teilte das Karolinska-Institut in Stockholm mit. Die Optogenetik verbindet genetische Verfahren mit Licht, um die Aktivität bestimmter Zellen gezielt zu untersuchen und zu beeinflussen.

Grundlage für neue medizinische Verfahren

Die ausgezeichneten Arbeiten haben insbesondere die neurowissenschaftliche Forschung geprägt. Sie ermöglichen es, Vorgänge in einzelnen Nervenzellen und neuronalen Netzwerken mit hoher zeitlicher und räumlicher Präzision zu analysieren.

Deutsche Wissenschaftler geehrt

Mit Hegemann und Nagel werden zwei deutsche Forscher ausgezeichnet. Den Preis teilen sie mit Deisseroth, der in den USA an der Weiterentwicklung und Anwendung optogenetischer Methoden arbeitete.

Von der Grundlagenforschung zur Therapie

Die Optogenetik verbindet Molekularbiologie, Neurowissenschaften und moderne Medizintechnik. Ihr Grundprinzip besteht darin, lichtempfindliche Proteine in ausgewählten Zellen einzusetzen und deren Aktivität anschließend mit Licht zu steuern. Damit lassen sich biologische Vorgänge wesentlich gezielter untersuchen als mit Verfahren, die große Zellverbände gleichzeitig beeinflussen.

Für die Medizin ist diese Präzision besonders relevant, weil viele Erkrankungen auf Fehlfunktionen bestimmter Zelltypen oder neuronaler Schaltkreise beruhen. Die Methode schafft zunächst vor allem ein Forschungsinstrument: Sie kann helfen, Krankheitsmechanismen zu verstehen und mögliche Zielstrukturen für Therapien zu identifizieren. Der Weg von solchen Experimenten zu zugelassenen Anwendungen bleibt jedoch lang.

Bedeutung für die Neurotechnologie

Die Auszeichnung fällt in eine Phase, in der neurotechnologische Verfahren zunehmend aus Laboren in klinische Studien gelangen. Hirnimplantate und sogenannte Brain-Computer-Interfaces sollen unter anderem verlorene Bewegungs- oder Sinnesfunktionen teilweise zurückgeben. Deutschland zählt bei der Forschung zu solchen Schnittstellen zu den führenden europäischen Standorten, zugleich bremsen hohe Kosten, langwierige Zulassungen und der Mangel an Risikokapital die praktische Umsetzung.

Die drei Geehrten stehen damit für eine Forschungsrichtung, deren Einfluss über ein einzelnes Verfahren hinausreicht. Ihre Arbeiten zeigen, wie Grundlagenentdeckungen Jahrzehnte später neue medizinische Möglichkeiten eröffnen können. Für Patienten bedeutet die Nobelpreisentscheidung zunächst keine unmittelbar verfügbare Behandlung, sie lenkt aber Aufmerksamkeit und möglicherweise zusätzliche Investitionen auf präzise Therapien für Erkrankungen des Nervensystems.

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