Kommunen, Geld

Kommunen fordern «frisches Geld» fĂŒr Kliniken

15.01.2024 - 15:33:13

Mehr als 100 KrankenhÀuser stehen vor dem Aus, wenn ReformplÀne der Regierung nicht umgesetzt werden. Das sagt der Gesundheitsminister. Die Kommunen sehen sogar noch mehr Handlungsbedarf.

Zur Abwendung einer Welle von Klinikinsolvenzen fordern Kommunen und Landkreise grĂ¶ĂŸere und schnellere Milliardenhilfen als von der Bundesregierung vorgesehen. «Die ReformplĂ€ne, die kommen wahrscheinlich zu spĂ€t fĂŒr die HĂ€user, die in Not sind», sagte der PrĂ€sident des StĂ€dte- und Gemeindebundes, Uwe Brandl, nach einem Spitzentreffen mit Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) in Berlin. «Wir glauben, dass es frisches Geld im System braucht.» Landkreistag-PrĂ€sident Reinhard Sager forderte Soforthilfen, um die LiquiditĂ€t der Kliniken zu verbessern.

Lauterbach pochte mit Blick auf die LĂ€nder darauf, dass ein bereits im Bundestag beschlossenes Krankenhausgesetz auch im Bundesrat grĂŒnes Licht bekommt. Damit wĂŒrde kurzfristige LiquiditĂ€t von ĂŒber sechs Milliarden Euro fĂŒr die Kliniken mobilisiert, sagte er. «Mehr als 100 KrankenhĂ€usern droht ohne das Gesetz 2024 die Insolvenz», sagte Lauterbach unter Berufung auf eine Studie.

Lauterbach will Beschluss am 2. Februar

Kern des Vorhabens ist neben den Milliardenhilfen etwa zur Finanzierung von Tariflohnsteigerungen vor allem der Aufbau eines «Transparenzverzeichnisses»: Patientinnen und Patienten sollen online Auskunft unter anderem darĂŒber bekommen, wie viel Erfahrung eine Klinik bei bestimmten Leistungen hat. Das Gesetz wurde von den LĂ€ndern zunĂ€chst zurĂŒckgewiesen, so dass es im Vermittlungsausschuss von Bundestag und Bundesrat beraten werden muss. Auf der Tagesordnung des Ausschusses steht es bisher aber nicht. Lauterbach hatte die UnionslĂ€nder dafĂŒr verantwortlich gemacht. Erneut beharrte er darauf, dass das Gesetz bis zum 2. Februar beschlossen werden mĂŒsse.

Das Transparenzgesetz soll auch eine große Klinikfinanzreform vorbereiten. DarĂŒber verhandeln Bund und LĂ€nder seit Monaten. Die KrankenhĂ€user sollen durch eine grundlegend andere Bezahlung vom finanziellen Druck befreit werden, aus UmsatzgrĂŒnden immer mehr Patientinnen und Patienten mit lukrativen Eingriffen zu behandeln.

Dutzende Kliniken in Not

Im Grundsatz unterstĂŒtzten der StĂ€dte- und Gemeindebund sowie der Landkreistag Lauterbachs ReformplĂ€ne. Brandl sagte allerdings: «Wir sehen die Befreiungswirkung nicht in dem Umfang, wie das Ministerium das einschĂ€tzt.»

Sager sagte, die bisherigen PlĂ€ne brĂ€chten die drohende Insolvenzwelle im Kliniksektor nicht zum Abstoppen. «Wir haben noch Ausgang des Sommers etwa zwei Dutzend in Not geratene Kliniken in Deutschland gehabt. Mittlerweile ist die Zahl auf drei Dutzend schon angestiegen», sagte Sager. Das zeige, dass nach Corona und Energiepreis-Anstieg der Bund frisches Geld in das System bringen mĂŒsse.

Kassen wollen kein Geld mit der Gießkanne

Der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch, sagte, das Transparenzgesetz sei wichtig fĂŒr Patientinnen und Patienten. «Doch wenn gerade im lĂ€ndlichen Bereich die KrankenhĂ€user vorher sterben, ist hier die Unterversorgung vorprogrammiert.» Bund und LĂ€nder mĂŒssten nun festlegen, fĂŒr welche Kliniken es eine Bestandsgarantie geben solle.

Die Krankenkassen wehrten sich gegen den Ruf nach frischem Geld. «Frisches Geld mit der Gießkanne löst keine Probleme, sondern verhindert die notwendigen VerĂ€nderungen», sagte der Sprecher des GKV-Spitzenverbandes, Florian Lanz. «Trotz des zunehmenden Mangels an PflegekrĂ€ften und Ärzten mĂŒssen wir die flĂ€chendeckende Versorgung auf dem Land und in der Stadt sichern.»

@ dpa.de