Friedrich Merz, Sozialreformen

Merz fordert Tempo bei Sozialreformen und warnt vor instabiler Regierung

Veröffentlicht am: 04.10.2026 um 18:57 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Bundeskanzler Friedrich Merz verlangt von Union und SPD schnelle Entscheidungen bei den Sozialreformen und warnt vor instabilen politischen VerhĂ€ltnissen. Deutschland mĂŒsse gerade in turbulenten Zeiten verlĂ€sslich regiert werden, sagte er in der ARD.

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) ist in die Ukraine gereist.  - Bild: Kay Nietfeld/dpa
Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) ist in die Ukraine gereist. - Bild: Kay Nietfeld/dpa

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hat die schwarz-rote Koalition zu schnellerem Vorgehen bei den geplanten Sozialreformen und zur Sicherung der gemeinsamen Regierungsarbeit aufgefordert.

Merz: StabilitĂ€t Deutschlands ist fĂŒr Europa wichtig

„Wir mĂŒssen in der Regierung zusammenbleiben. Wir mĂŒssen das Land nach vorne bringen. Wir mĂŒssen die großen Chancen, die wir haben, auch gemeinsam nutzen. Und ich bin fest entschlossen, das zu tun“, sagte Merz in der ARD-Sendung „Bericht aus Berlin“.

Ganz Europa hĂ€nge an der StabilitĂ€t in Deutschland, sagte der Kanzler. Viele Menschen unterschĂ€tzten möglicherweise, wie wichtig eine stabile Bundesregierung in den derzeit turbulenten Zeiten sei. Alle mĂŒssten ein Interesse daran haben, dass Deutschland weiter stabil regiert werde.

Warnung vor AfD- und Linkspartei-gefĂŒhrten Regierungen

Auf die Frage, ob sich die Ukraine zu Recht Sorgen um die StabilitĂ€t der deutschen Regierung mache, antwortete Merz mit „Ja und nein“. Er verwies auf die politische Situation nach den jĂŒngsten Landtagswahlen.

„Wenn Regierungen gebildet werden in Sachsen-Anhalt unter der FĂŒhrung der AfD, wenn eine Regierung in Berlin gebildet wird unter der FĂŒhrung der Linkspartei mit ihren ganzen Verbindungen in die ClankriminalitĂ€t, in den Antisemitismus, dann ist das kein Beitrag zur StabilitĂ€t der Bundesrepublik Deutschland“, sagte der Kanzler.

Reformen sollen im vierten Quartal vorankommen

Die Rede von BundesprĂ€sident Frank-Walter Steinmeier zum Tag der Deutschen Einheit bezeichnete Merz als „Ermahnung an uns alle“. Steinmeier hatte am Vortag zur entschlossenen Verteidigung der Demokratie aufgerufen und vor einem weiteren Erstarken extremistischer KrĂ€fte gewarnt.

Die Koalition mĂŒsse nun insbesondere bei den Reformen der Sozialsysteme vorankommen, sagte Merz. Im vierten Quartal mĂŒssten die notwendigen Entscheidungen getroffen werden, vor allem fĂŒr die Rentenversicherung.

Die VorschlĂ€ge lĂ€gen „so gut ausgearbeitet auf dem Tisch, wie wir das in den letzten 30 Jahren in Deutschland nicht gehabt haben“, sagte der Kanzler. Er hoffe sehr, dass es gelinge, sie umzusetzen.

StabilitÀt als europÀische Dimension

Merz verbindet die HandlungsfĂ€higkeit der Bundesregierung mit Deutschlands Rolle in Europa. Das Land ist wegen seiner wirtschaftlichen GrĂ¶ĂŸe, seiner politischen Bedeutung in der EU und seiner UnterstĂŒtzung fĂŒr die Ukraine ein zentraler Akteur. Verzögerungen bei wichtigen Entscheidungen können deshalb ĂŒber die Innenpolitik hinausreichen.

Im Mittelpunkt steht derzeit die schwarz-rote Reformagenda. Bei Rente, Arbeitsmarkt, Pflege und Einkommensteuer mĂŒssen Union und SPD unterschiedliche Interessen zusammenfĂŒhren. Besonders die Rentenreform ist politisch sensibel: Vorgaben zu Renteneintritt, Beitragsjahren und möglichen HĂ€rtefallregelungen berĂŒhren Millionen BeschĂ€ftigte und RuhestĂ€ndler.

Koalitionsstreit erhöht Entscheidungsdruck

Die Reformvorhaben sind zudem miteinander verknĂŒpft. Die Union drĂ€ngt auf GesetzentwĂŒrfe zu Rente und Arbeitsmarkt, wĂ€hrend die SPD bei steuerlichen Entlastungen eigene PrioritĂ€ten verfolgt. Dadurch kann ein Konflikt in einem Politikfeld Entscheidungen in anderen Bereichen blockieren.

FĂŒr BĂŒrgerinnen und BĂŒrger geht es kurzfristig vor allem um die Frage, wann konkrete GesetzesplĂ€ne vorliegen und welche finanziellen Folgen sie haben. Langfristig betreffen die Entscheidungen die StabilitĂ€t der sozialen Sicherungssysteme, die Belastung von Beitragszahlern und die VerlĂ€sslichkeit der Regierungspolitik. Die von Merz geforderte Beschleunigung dĂŒrfte daher innerhalb der Koalition erheblichen Verhandlungsdruck erzeugen.

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