Meyer prĂŒft nach Drohnenvorfall Sicherheitsrisiken bei Rosatom-Projekt
Veröffentlicht am: 11.09.2026 um 18:32 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWSNach den DrohnenvorfĂ€llen am Flughafen Leipzig/Halle stellt Niedersachsens Umweltminister Christian Meyer (GrĂŒne) die bisherige EinschĂ€tzung der Bundesregierung zur russischen Atom-Kooperation der Brennelementefabrik im emslĂ€ndischen Lingen erneut zur PrĂŒfung. In einem Brief fragte Meyer beim Kanzleramt, beim AuswĂ€rtigen Amt und beim Bundesinnenministerium nach, ob weiterhin keine Sicherheitsbedenken gegen das Vorhaben der Brennelementefabrik Advanced Nuclear Fuels (ANF) bestehen.
Meyer bittet Bundesministerien um neue Bewertung
Meyer verwies darauf, dass er die Bundesbehörden nochmals gefragt habe, ob sich die Sicherheitsbewertung fĂŒr das Vorhaben bei ANF durch die DrohnenvorfĂ€lle am Leipziger Flughafen aus Sicht der Bundesregierung geĂ€ndert habe. Das Schreiben ging neben Kanzleramt, AuĂen- und Innenministerium auch zur Kenntnis an das Bundesumweltministerium. Der Minister bat nach eigenen Angaben um eine âschnellstmöglicheâ RĂŒckmeldung der drei Ressorts.
Antwort aus Berlin steht noch aus
Nach Angaben Meyers liegt dem niedersÀchsischen Umweltministerium bislang keine Antwort der Bundesregierung auf die erneute Anfrage vor. Damit bleibt zunÀchst offen, ob die bisherigen Bewertungen ohne zusÀtzliche Sicherheitsbedenken Bestand haben oder ob Bund und LÀnder aufgrund der VorfÀlle am Flughafen Leipzig/Halle neu nachjustieren.
Genehmigung fĂŒr BrennstĂ€be sowjetischer Bauart bereits erteilt
FĂŒr den Bau von BrennstĂ€ben sowjetischer Bauart in Zusammenarbeit mit dem russischen Staatskonzern Rosatom liegt der Brennelementefabrik ANF in Lingen bereits eine Genehmigung vor. Noch darf die Produktion jedoch nicht anlaufen. Meyer betonte, dass ANF bislang keine BrennstĂ€be auf Grundlage dieser Genehmigung herstellt.
BUND-Klage und Antrag auf sofortigen Vollzug
Um den Ausgang einer Klage der Umweltschutzorganisation BUND gegen das Vorhaben nicht abwarten zu mĂŒssen, hat ANF beim niedersĂ€chsischen Landesumweltministerium einen Antrag auf sofortigen Vollzug gestellt. Damit wĂŒrde die Brennstab-Produktion bereits vor einer gerichtlichen Entscheidung beginnen können. Meyer erklĂ€rte, dass er den Antrag bewilligen mĂŒsse, falls die zustĂ€ndigen Bundesministerien weiterhin keine Sicherheitsbedenken gegen die russische Atom-Kooperation in Lingen anmelden.
Der VorstoĂ von Niedersachsens Umweltminister Christian Meyer berĂŒhrt mehrere sicherheits- und energiepolitische Ebenen zugleich. Im Zentrum steht die Frage, ob die jĂŒngsten DrohnenvorfĂ€lle am Flughafen Leipzig/Halle RĂŒckwirkungen auf die Bewertung deutsch-russischer Kooperationen im Atomsektor haben sollen. Dabei geht es nicht um die allgemeine Diskussion ĂŒber den Atomausstieg, sondern konkret um Sicherheits- und Zulassungsfragen fĂŒr eine bestehende Brennelementeproduktion.
Hintergrund: Lingen, Rosatom und deutsche Atompolitik
Die Brennelementefabrik in Lingen gilt seit Jahren als Sonderfall der deutschen Energiepolitik, weil sie trotz des Atomausstiegs weiterhin BrennstĂ€be fĂŒr auslĂ€ndische Kernkraftwerke liefert. Die erteilte Genehmigung fĂŒr BrennstĂ€be sowjetischer Bauart in Zusammenarbeit mit dem russischen Staatskonzern Rosatom fĂŒgt der seit 2022 intensiv gefĂŒhrten Debatte ĂŒber wirtschaftliche Verflechtungen mit Russland eine zusĂ€tzliche sicherheitspolitische Dimension hinzu. Parallel dazu versucht der BUND, das Vorhaben juristisch zu stoppen, was die Entscheidungslage fĂŒr das Land weiter verkompliziert.
Bedeutung: Sicherheit, AuĂenpolitik und Rechtslage
Mit seinem Schreiben an Kanzleramt sowie AuĂen- und Innenministerium will Meyer klĂ€ren lassen, ob die bisherige EinschĂ€tzung â keine Sicherheitsbedenken gegen die Kooperation â auch unter dem Eindruck neuer Bedrohungsszenarien im Luftverkehr Bestand hat. Gleichzeitig verweist er auf die rechtlich bindende Wirkung einer fehlenden Sicherheitswarnung: Bleiben die Bundesbehörden bei ihrer Linie, sieht sich der Minister faktisch verpflichtet, den Antrag auf sofortigen Vollzug zu genehmigen, obwohl eine Klage des BUND noch anhĂ€ngig ist. FĂŒr Leserinnen und Leser zeigt sich hier, wie eng Sicherheitsfragen, auĂenpolitische ErwĂ€gungen gegenĂŒber Russland und verwaltungsrechtliche ZwĂ€nge miteinander verknĂŒpft sind.
Ausblick: Entscheidung mit Signalwirkung
Die ausstehende Antwort der Bundesregierung hat Signalwirkung ĂŒber Lingen hinaus. Sie dĂŒrfte den weiteren Umgang mit bestehenden Russland-Kooperationen im nuklearen Bereich beeinflussen und könnte als PrĂ€zedenzfall dienen, wie Bund und LĂ€nder kĂŒnftig mit sicherheitspolitischen Risiken umgehen, die nicht direkt aus dem Anlagenbetrieb, sondern aus der allgemeinen Bedrohungslage resultieren. Zugleich bleibt offen, wie das Verwaltungsgericht im Verfahren des BUND entscheidet â und ob politische Mehrheiten langfristig eine grundsĂ€tzliche Neuausrichtung beim Export atomarer Brennelemente anstreben.
