Stuttgart 21: Digitalisierung der Bahn in Gefahr - Brandbrief
19.05.2024 - 14:28:08 | dpa.deIn dem Schreiben warnt der GrĂŒnen-Politiker vor einem "Risiko des vollstĂ€ndigen Scheiterns" des Projekts. Zuerst hatte der "Spiegel" berichtet.
Hintergrund der Auseinandersetzung zwischen Bund, Bahn und Land ist eine Debatte ĂŒber die dringend notwendige Digitalisierung der Bahn in Stuttgart. Mit dem sogenannten Digitalen Knoten Stuttgart (DKS) soll unter anderem die KapazitĂ€t des Tunnelbahnhofs erhöht und in einem weiteren Schritt die S-Bahn im Raum Stuttgart möglicherweise zuverlĂ€ssiger und pĂŒnktlicher gemacht werden. Die Umsetzung dieses Vorhabens ist unsicher. Der Bahnvorstand hatte das Digitalprojekt per Gremienvorbehalt zunĂ€chst gestoppt. Hermann fordert nun, den Vorbehalt in der nĂ€chsten Aufsichtsratssitzung am 28. Juni aufzuheben.
Das Projekt Stuttgart 21 steht nicht nur fĂŒr den Bau des neuen Hauptbahnhofs in der Landeshauptstadt, sondern fĂŒr die komplette Neuordnung des Bahnknotens Stuttgart. Gebaut werden neue Bahnhöfe, etwa ein neuer Fernbahnhof am Flughafen, Dutzende Kilometer Schienenwege und Tunnelröhren, DurchlĂ€sse sowie BrĂŒcken. Das Bahnprojekt Stuttgart-Ulm schlieĂt neben Stuttgart 21 auch den Neubau der bereits 2022 eröffneten Schnellfahrstrecke Wendlingen-Ulm ein. HerzstĂŒck von Stuttgart 21 ist der neue unterirdische Hauptbahnhof, der im Gegensatz zum bisherigen Kopfbahnhof ein Durchgangsbahnhof sein wird.
Derzeit ist noch unklar, wann der neue Bahnhof in Betrieb gehen wird. Die Bahn hatte im MĂ€rz mitgeteilt, dass der bestehende Stuttgarter Hauptbahnhof zumindest auch im Jahr 2026 in Betrieb bleibe. Eigentlich sollte dieser im Dezember 2025 durch den neuen Tiefbahnhof ersetzt werden. Ob, und wenn ja in welchem Umfang ab Dezember 2025 bereits ZĂŒge durch den neuen Tiefbahnhof fahren können, muss die Bahn bis spĂ€testens 18 Monate vor dem Beginn des neuen Fahrplans entscheiden. Die Deutsche Bahn teilte vergangene Woche mit, sie wolle die Projektpartner im Juni ĂŒber ihre PlĂ€ne zur Inbetriebnahme von Stuttgart 21 unterrichten.
Die Bahn war Anfang Mai mit mehreren Klagen vor dem Stuttgarter Verwaltungsgericht gescheitert, die die Projektpartner zwingen sollten, sich an den milliardenschweren Mehrkosten von Stuttgart 21 zu beteiligen. Diese belaufen sich aktuell auf mindestens 6,5 Milliarden Euro und mĂŒssen durch das Urteil von der bundeseigenen Bahn bezahlt werden. Das Urteil ist noch nicht rechtskrĂ€ftig. Die Bahn hatte nach dem Richterspruch angekĂŒndigt, prĂŒfen zu wollen, ob sie gegen die Entscheidung vorgeht.
Der Konzern beziffert die Gesamtkosten fĂŒr das Projekt derzeit auf rund 11 Milliarden Euro und hat zusĂ€tzlich einen Puffer von 500 Millionen Euro einkalkuliert. In einem Finanzierungsvertrag aus dem Jahr 2009 ist jedoch nur die Verteilung von Kosten bis zu einer Höhe von gut 4,5 Milliarden Euro geregelt. In den vergangenen Jahren hatte es immer wieder Kostensteigerungen gegeben. Als Grund dafĂŒr hatte die Bahn zuletzt gestiegene Baupreise genannt.
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