Keine AnnÀherung der Innenminister in Migrationsfragen
06.12.2024 - 14:24:41Die Innenminister von Bund und LĂ€ndern gehen nach ihren Beratungen zur Asyl- und Migrationspolitik ohne nennenswerte Ergebnisse auseinander. «Die SPD- und die unionsgefĂŒhrten LĂ€nder konnten sich in der Migrationsfrage nicht einigen - die Unterschiede sind einfach zu groĂ», sagte Brandenburgs Innenminister und Vorsitzender der Innenministerkonferenz, Michael StĂŒbgen (CDU), zum Abschluss der Herbstkonferenz im brandenburgischen Rheinsberg.
Union: ZurĂŒckweisungen nicht mit Bundesregierung möglich
Deutlich wurde Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU). «Es hilft nichts, Minimalkompromisse auf Innenministerkonferenzen zu beschlieĂen und den Menschen im Land zu suggerieren, es wird schon alles werden», sagte Herrmann. ZurĂŒckweisungen an der Grenze als «entscheidender Schritt» seien «mit der Bundesregierung offensichtlich nicht zu gehen».
Faeser sieht Erfolge bei Kampf gegen irregulÀre Migration
Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) sagte, man habe in den vergangenen Monaten die irregulĂ€re Migration bereits stark begrenzen können. Asylgesuche gingen zurĂŒck, mehr Abschiebungen seien durchgesetzt worden. Auch StraftĂ€ter seien erstmals wieder nach Afghanistan abgeschoben worden.
Trotz Krieg: Bundesregierung will StraftÀter nach Syrien abschieben
Die Bundesregierung arbeite daran, dass es weitere Abschiebungen von StraftĂ€tern und islamistischen «GefĂ€hrdern» nach Afghanistan und auch nach Syrien gibt, fĂŒhrte die Bundesinnenministerin aus. Die BemĂŒhungen zur Abschiebung nach Syrien wĂŒrden durch die aktuelle Kriegslage in dem arabischen Land zwar erschwert, sie wĂŒrden aber nicht auf Eis gelegt. Vielmehr werde geprĂŒft, ob es Regionen in Syrien gebe, in die Abschiebungen möglich seien.
SPD will CDU-Forderungen nicht mittragen
In der Migrationspolitik drĂ€ngen die unionsgefĂŒhrten LĂ€nder schon lĂ€nger auf weitreichendere MaĂnahmen gegen irregulĂ€re Migration. Sie fordern unter anderem ZurĂŒckweisungen an den deutschen Grenzen, mehr AbschiebeflĂŒge, eine Obergrenze bei der FlĂŒchtlingsaufnahme sowie Asylverfahren in Drittstaaten, wie sie von Italien in Albanien angestrebt werden. Die Forderungen verstoĂen in den Augen der SPD zum Teil gegen geltendes Recht.
CDU: Kommunen und LĂ€nder an Belastungsgrenze
Das gesamte FlĂŒchtlingsaufnahmesystem bei LĂ€ndern und Kommunen befinde sich an der Belastungsgrenze und habe diese teilweise bereits ĂŒberschritten, hieĂ es in einem Beschlusspapier der Unionsseite. In vielen Bereichen wie der Schaffung von Wohnraum, bei KinderbetreuungsplĂ€tzen und der gesundheitlichen Versorgung seien die Grenzen der LeistungsfĂ€higkeit erreicht.
Migrationszahlen sind der Union weiter zu hoch
In den ersten elf Monaten dieses Jahres haben 216.861 Menschen erstmals in Deutschland einen Asylantrag gestellt. Das sind 28,8 Prozent weniger als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. «Die Zahlen mĂŒssen dringend weiter reduziert werden, damit sich unsere Kommunen um die Integration derer kĂŒmmern können, die schon hier sind», sagt die stellvertretende Vorsitzende der Unionsfraktion im Bundestag, Andrea Lindholz (CSU). Das sei nur mit umfassenden ZurĂŒckweisungen an den Binnengrenzen möglich.
SPD will Rahmen fĂŒr EU-Asylreform rasch umsetzen
Die SPD-gefĂŒhrten LĂ€nder und Faeser wollen die im FrĂŒhjahr beschlossene EU-Asylreform zĂŒgig in nationales Recht umsetzen. Das sei der «entscheidende nĂ€chste Schritt», sagte Hamburgs SPD-Innensenator Andy Grote. DafĂŒr hat die Bundesregierung zwei GesetzesĂ€nderungen beschlossen. «Das fertige Gesetzespaket liegt im Bundestag auf dem Tisch und muss schnellstmöglich verabschiedet werden» betonte Grote. Statt «stĂ€ndig neue rechtswidrige Forderungen zu erheben», sei hier von der Union «konkretes Handeln gefragt».Â
EU-Reform ermöglicht Verfahren an AuĂengrenzen
Mit der EU-Reform werden Mitgliedstaaten etwa zu einheitlichen Verfahren an den AuĂengrenzen verpflichtet, damit rasch festgestellt werden kann, ob AsylantrĂ€ge unbegrĂŒndet sind und die GeflĂŒchteten dann schneller und direkt von der AuĂengrenze abgeschoben werden können. Menschen aus als sicher geltenden LĂ€ndern sollen dort ihre Asylverfahren nach dem GrenzĂŒbertritt in streng kontrollierte Aufnahmeeinrichtungen durchlaufen.
Faeser möchte schnelle Umsetzung
Noch vor der EU-rechtlichen Umsetzungsfrist Mitte 2026 will Faeser die Regelung fĂŒr diese AuĂengrenzverfahren an deutschen FlughĂ€fen anwenden. FĂŒr die AuĂengrenzverfahren, die Deutschland nur an SeehĂ€fen und internationalen FlughĂ€fen betreffen, ist wegen der notwendigen UnterbringungskapazitĂ€ten allerdings eine Abstimmung zwischen dem Bund und den LĂ€ndern notwendig.


