ROUNDUP, Sozialleistungen

Sozialleistungen als Kredit? SPD-LandrÀte ernten geteiltes Echo

14.08.2025 - 16:44:40 | dpa.de

Mit ihrer Forderung, Asylbewerbern und AuslĂ€ndern aus Nicht-EU-Staaten Sozialleistungen nur noch als Darlehen zu gewĂ€hren, haben zwei ThĂŒringer SPD-LandrĂ€te geteilte Reaktionen ausgelöst.

"Der Vorschlag ist eine Zwangsverschuldung der Ärmsten der Gesellschaft, die auch noch als Kollektivschuld in eine gesamte Familie hineinwirken soll", sagte der ThĂŒringer GrĂŒnen-Landessprecher Luis SchĂ€fer. ThĂŒringens SPD-Chef Georg Maier nannte den Vorschlag "inhaltlich unausgereift". "Integration braucht tragfĂ€hige Konzepte, nicht riskante Experimente mit Sozialleistungen." CDU-Bundesvorstandmitglied Philipp Amthor bezeichnete die Idee dagegen als prĂŒfenswert.

Bundesinnenminister Alexander Dobrindt machte klar, fĂŒr ihn stehe im Vordergrund, die irregulĂ€re Migration zu reduzieren. Durch die von der neuen Bundesregierung eingeleiteten "Migrationswende" sei man bei diesem Ziel schon gut vorangekommen. "Wenn die Zahlen nach unten gehen, dann gehen auch die Kosten nach unten", sagte der CSU-Politiker.

Anreiz fĂŒr schnelles ZurĂŒckzahlen

Der Vorstoß, dass volljĂ€hrige anerkannte FlĂŒchtlinge und AuslĂ€nder aus Nicht-EU-LĂ€ndern Sozialleistungen kĂŒnftig als Darlehen erhalten sollen, kommt von Sozialdemokraten. "Wer in unser Land kommt und hier bisher nichts eingezahlt hat, darf Sozialleistungen nur noch als zinsloses Darlehen bekommen", sagte der NordhĂ€user Landrat Matthias Jendricke (SPD) dem Magazin "Stern".

Funktionieren soll das nach seinen Vorstellungen Ă€hnlich wie beim Bafög fĂŒr Studierende: Wer rasch eine sozialversicherungspflichtige Arbeit aufnehme, mĂŒsste nur einen Teil der empfangenen Leistungen zurĂŒckzahlen, so Jendricke. Zudem sollten bei raschen RĂŒckzahlungen AbschlĂ€ge gewĂ€hrt werden.

Bonus bei erfolgreichem Schulabschluss von Kindern

FlĂŒchtlingen könne das Darlehen zur HĂ€lfte erlassen werden, wenn sie innerhalb eines Jahres in Arbeit wechselten und eine SprachprĂŒfung absolvierten. "Auch der erfolgreiche Schulabschluss von Kindern könnte mit einem RĂŒckzahlungsbonus fĂŒr die Eltern belohnt werden", so der SPD-Politiker.

Der Landrat des Kreises Saalfeld-Rudolstadt, Marko Wolfram (SPD), unterstĂŒtzte die Idee. Es gehe darum, Migranten zur raschen Arbeitsaufnahme zu motivieren, sagte er dem "Stern". "Damit wĂŒrde ein positiver Anreiz entstehen, sich zĂŒgig zu integrieren", argumentierte er. Gleichzeitig wirke man auch einer Neiddebatte gegenĂŒber Migranten entgegen.

CDU-Vorstandsmitglied Amthor findet Grundgedanken interessant

CDU-Politiker Amthor zeigte sich offen fĂŒr die Idee der SPD-LandrĂ€te: "Ich finde, diese Idee hat ja einen gewissen Charme, denn sie zahlt ja ein auf ein gerechteres VerstĂ€ndnis", sagte der Parlamentarische StaatssekretĂ€r im Digitalministerium im Nachrichtensender Welt TV. NatĂŒrlich werfe der Vorschlag eine Reihe juristischer Fragen auf. "Aber den Grundgedanken, den finde ich interessant. NĂ€mlich zu sagen, der Fokus liegt nicht darauf, nur Leistungen zu verteilen der Gemeinschaft, sondern Anreize zu schaffen fĂŒr Integration und Arbeit."

Zustimmung kam auch vom GeneralsekretĂ€r des Wirtschaftsrates der CDU, Wolfgang Steiger. "Es ist bezeichnend, dass derart vernĂŒnftige VorschlĂ€ge in der Migrations- und Arbeitsmarktpolitik aus SPD-Kreisen nur auf kommunaler Ebene kommen - und zwar von Politikern, die die LebensrealitĂ€t vor Ort tatsĂ€chlich eins zu eins mitbekommen."

Linke warnt vor Schuldenfalle

Die ThĂŒringer Linke-Fraktion kritisierte die VorschlĂ€ge scharf. "Wer GeflĂŒchteten das Existenzminimum nur noch als Schulden zugestehen will, handelt nicht sozial, sondern schĂ€big und folgt der rassistischen Stimmungsmache der AfD", erklĂ€rte die migrationspolitische Sprecherin Katharina König-Preuss. Sie sieht in einer solchen Regelung einen Angriff auf Grundrechte. "Das Grundgesetz garantiert allen Menschen in Deutschland unabhĂ€ngig von Herkunft oder Beitragszahlungen das Recht auf ein menschenwĂŒrdiges Existenzminimum", erklĂ€rte sie.

Zudem warnte sie vor einer Schuldenfalle fĂŒr die Betroffenen. "Viele GeflĂŒchtete dĂŒrfen nach ihrer Ankunft in Deutschland rechtlich gar nicht arbeiten, weil ihnen monatelang oder sogar jahrelang eine Arbeitserlaubnis verweigert wird", so König-Preuss. Der Vorschlag sei daher absurd.

Pro Asyl monierte, der Vorschlag suggeriere, dass Menschen nur wegen der Sozialleistungen nach Deutschland fliehen. "Damit werden jedoch Krisen und Kriege sowie politische und religiöse Verfolgung in den HerkunftslĂ€ndern verharmlost", kritisierte die FlĂŒchtlingshilfsorganisation mit und meldete ebenfalls verfassungsrechtliche Bedenken an. "Wer FlĂŒchtlinge schneller in Arbeit bringen will, sollte administrative HĂŒrden abbauen, BerufsabschlĂŒsse aus dem Ausland schneller anerkennen, fĂŒr frĂŒhzeitige Arbeitserlaubnisse sorgen und umfassende Deutschkurse fĂŒr alle FlĂŒchtlinge anbieten", sagte Tareq Alaows, flĂŒchtlingspolitischer Sprecher von Pro Asyl.

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