Moldau, EU-Erweiterung

Moldau ist offen fĂŒr schrittweise EU-Integration

Veröffentlicht am: 30.08.2026 um 17:30 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWS

Moldau unterstĂŒtzt schrittweise Formen der EU-AnnĂ€herung, hĂ€lt aber an der Vollmitgliedschaft als Ziel fest. Zugleich fordert die Regierung in Chisinau mehr Klarheit von den EU-Staaten ĂŒber die nĂ€chsten Schritte im Beitrittsprozess.

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EU-Fahnen (Archiv) - Bild: via dts Nachrichtenagentur

Moldau zeigt sich offen fĂŒr eine schrittweise Integration in die EuropĂ€ische Union. Die Regierung in Chisinau hĂ€lt dabei an der Vollmitgliedschaft als Ziel fest und sieht Zwischenstufen nur als ErgĂ€nzung auf dem Weg dorthin.

Vollmitgliedschaft bleibt das Ziel

Moldawiens ChefunterhĂ€ndlerin Cristina Gherasimov sagte, zusĂ€tzliche Schritte könnten den Weg in die EU ergĂ€nzen. Solche Etappen dĂŒrften die Vollmitgliedschaft aber nicht dauerhaft ersetzen. Das Endziel mĂŒsse die Mitgliedschaft mit allen Rechten bleiben.

Bundeskanzler Friedrich Merz hatte fĂŒr die Ukraine eine assoziierte EU-Mitgliedschaft als mögliche Zwischenstufe vorgeschlagen und auch fĂŒr Moldau sowie die Westbalkanstaaten weitere Formen einer schrittweisen Integration angedeutet.

Chisinau verlangt Klarheit aus BrĂŒssel

Gherasimov forderte zugleich klarere politische Entscheidungen der 27 EU-Staaten ĂŒber die nĂ€chsten Schritte im Beitrittsprozess. Die nötigen BeschlĂŒsse lĂ€gen im Rat, dort wĂŒnsche man sich mehr Klarheit. Die EU-Kommission sei dagegen ein ausgezeichneter Partner und arbeite mit den KandidatenlĂ€ndern zĂŒgig.

Nach ihrer Darstellung ist Moldau bereit, alle sechs Verhandlungscluster zu öffnen. Die EU hatte im Juni den Cluster „Grundlegende Werte“ und im Juli den Cluster „Außenbeziehungen“ eröffnet; vier weitere stehen noch aus.

Reformen, Zeitplan und Druck von außen

Die Regierung in Chisinau arbeitet nach Gherasimovs Angaben mit einem ehrgeizigen Zeitplan auf die EU-Mitgliedschaft hin. Der Großteil der Rechtsangleichung und der Verhandlungen solle 2027 abgeschlossen werden. Idealerweise könnten die Verhandlungen Anfang 2028 enden und der Beitrittsvertrag bis Ende 2028 unterzeichnet werden.

Gherasimov verband den Kurs auch mit einem Warnhinweis auf russische Einflussversuche. Desinformation, illegale politische Finanzierung, Cyberangriffe und die Ausnutzung sozialer Unzufriedenheit sollten den europÀischen Kurs schwÀchen und das Vertrauen in staatliche Institutionen untergraben.

Mit Blick auf Transnistrien setzt die Regierung auf eine friedliche Wiedereingliederung. Die Region sei wirtschaftlich enger mit Moldau und dem europÀischen Markt verbunden; von dem vertieften Freihandelsabkommen mit der EU profitierten auch die Bewohner der Region. Zugleich bleibt der Abzug russischer Truppen aus Transnistrien ein ungelöstes Problem.

Auch in Gagausien sieht die Regierung starken russischen Einfluss. Dort will Chisinau mit mehr Dialog, Informationen und politischer Einbindung gegensteuern. FĂŒr Moldau bleibt die EU-Mitgliedschaft aus Sicht der Regierung zugleich ein Schutzrahmen fĂŒr ethnische Minderheiten und ihre Sprachen.

Moldau hĂ€lt trotz des schwierigen geopolitischen Umfelds am Kurs Richtung EuropĂ€ische Union fest und drĂ€ngt zugleich auf klarere Signale aus BrĂŒssel und den Mitgliedstaaten. FĂŒr Chisinau geht es dabei nicht nur um Symbolik, sondern um Tempo, Planbarkeit und die Frage, wie ein formaler Beitrittsprozess mit konkreten Zwischenschritten gestaltet wird, ohne das Ziel der Vollmitgliedschaft zu verwĂ€ssern.

Hintergrund des Beitrittsprozesses

Moldau ist seit Jahren zwischen Reformdruck, Sicherheitslage und außenpolitischem Gegenwind eingeordnet. Der Beitrittsprozess folgt grundsĂ€tzlich einem leistungsbasierten Ansatz, bei dem Reformen, Rechtsangleichung und politische Entscheidungen zusammenspielen. Dass Chisinau einen Zeitplan mit Abschluss wesentlicher Verhandlungen bis 2027 und einer möglichen Unterzeichnung eines Beitrittsvertrags bis Ende 2028 nennt, unterstreicht den Anspruch auf zĂŒgiges Vorankommen.

Gleichzeitig zeigt die Debatte ĂŒber schrittweise Integration, wie groß der Bedarf an Zwischenlösungen ist. Solche Modelle können die AnnĂ€herung an den Binnenmarkt, an politische Entscheidungsprozesse oder an einzelne Politikfelder erleichtern. Entscheidend bleibt fĂŒr Moldau jedoch, dass sie nicht als Ersatz fĂŒr die volle Mitgliedschaft verstanden werden.

Sicherheitslage und innenpolitischer Druck

Der europĂ€ische Kurs Moldaus steht unter Druck durch russische Einflussnahme, Desinformation, Cyberangriffe und politische Einflussversuche. Hinzu kommen die ungelösten Konflikte um Transnistrien und die Frage, wie sich die Region langfristig in einen europĂ€ischen Rahmen einbinden lĂ€sst. FĂŒr die Bevölkerung bedeutet der EU-Kurs damit nicht nur Außenpolitik, sondern auch eine Debatte ĂŒber Sicherheit, wirtschaftliche Perspektiven und staatliche StabilitĂ€t.

Auch Gagausien bleibt ein politisch sensibler Faktor. Gerade dort dĂŒrfte die Einbindung der Menschen in Reformen und Entscheidungsprozesse darĂŒber mitentscheiden, ob der europĂ€ische Weg als inklusives Projekt wahrgenommen wird. FĂŒr Leser in Deutschland ist der Fall relevant, weil Moldau am östlichen Rand Europas zu den Staaten gehört, in denen Erweiterungspolitik unmittelbar mit Sicherheitsinteressen, Energiefragen und der WiderstandsfĂ€higkeit demokratischer Institutionen verbunden ist.

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