Macron sagt Deutschland-Besuch wegen Unruhen ab
01.07.2023 - 17:34:14Spekuliert wurde seit Tagen, ob Frankreichs PrĂ€sident Emmanuel Macron angesichts der Unruhen in seinem Land wirklich zum Staatsbesuch nach Deutschland kommen kann. In einem Telefonat mit BundesprĂ€sident Frank-Walter Steinmeier hat Macron den Besuch nun am Samstagnachmittag abgesagt. Die von Sonntag bis Dienstag geplante Reise solle baldmöglichst nachgeholt werden, teilte das BundesprĂ€sidialamt mit. Auch der ĂlysĂ©e-Palast in Paris bestĂ€tigte die Absage.
Hintergrund sind die anhaltenden Krawalle im Nachbarland nach dem Tod eines 17-JĂ€hrigen bei einer Polizeikontrolle am Dienstag bei Paris. In der vierten Nacht in Folge kam es von Freitag auf Samstag zu Randale mit Hunderten Festnahmen, PlĂŒnderungen und BrandanschlĂ€gen. Am Samstagnachmittag richteten sich die Blicke erneut auf Nanterre, dem Heimatort des erschossenen 17-JĂ€hrigen. Er sollte dort beigesetzt werden. BefĂŒrchtet wurde, dass die Beisetzung die Situation erneut aufheizen könnte.
Steinmeier hofft auf ein Ende der Gewalt
Macron habe Steinmeier am Telefon ĂŒber die Situation in Frankreich unterrichtet und darum gebeten, den Staatsbesuch zu verschieben, hieĂ es vom BundesprĂ€sidialamt. Steinmeier habe die Absage bedauert, habe aber vollstes VerstĂ€ndnis angesichts der Situation im Nachbarland. Der BundesprĂ€sident verfolge die Entwicklung mit groĂer Aufmerksamkeit. Er hoffe, «dass die Gewalt auf den StraĂen baldmöglich beendet und der soziale Friede wieder hergestellt werden kann», erklĂ€rte Steinmeier.
Der Staatsbesuch war zwischen Berlin und Paris seit Monaten akribisch vorbereitet worden: Geplant war zunĂ€chst ein Empfang der Macrons durch Steinmeier und seine Ehefrau Elke BĂŒdenbender vor dem Residenzschloss in Ludwigsburg (Baden-WĂŒrttemberg) mit militĂ€rischen Ehren. Ein Besuch in Berlin stand ebenfalls auf dem Programm, mit Staatsbankett im Park von Schloss Bellevue, auĂerdem eine Fahrt per Sonderzug nach Dresden und als Höhepunkt eine Grundsatzrede zu den deutsch-französischen Beziehungen vor der Frauenkirche. Den streng durchgetakteten Plan mit vielen Beteiligten an vielen Orten schnell oder «baldmöglichst» nachzuholen, dĂŒrfte logistisch nur schwer umzusetzen sein.
Eine Feier der deutsch-französischen Freundschaft
Es wĂ€re der erste Staatsbesuch eines französischen PrĂ€sidenten in Deutschland seit 23 Jahren gewesen. Aus Sicht des BundesprĂ€sidialamts sollte dabei die deutsch-französische Freundschaft gefeiert und zugleich ein neues Kapitel aufgeschlagen werden. Beide Seiten bemĂŒhen sich seit einiger Zeit, wieder enger zusammenzurĂŒcken. Vor wenigen Wochen hatte Macron Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) als erster Staatschef an dessen Wohnort in Potsdam besucht.
Doch nun muss die AuĂenpolitik warten und Macron sich erneut um die Innenpolitik kĂŒmmern. Es ist nicht das erste Mal in diesem Jahr: Im FrĂŒhjahr wurde wegen der französischen Rentenproteste schon der Besuch des britischen Königs Charles III. in Frankreich kurzfristig abgesagt.


