ReichsbĂŒrger, AfD-Politiker

ReichsbĂŒrger: AfD-Politiker hielten Kontakt zu VerdĂ€chtiger

25.01.2024 - 16:04:42 | dpa.de

Mutmaßliche UmsturzplĂ€ne und die Festnahme von zwei Dutzend VerdĂ€chtigen aus der ReichsbĂŒrger-Szene sorgten Ende 2022 bundesweit fĂŒr Aufregung. Nun beleuchtet eine Medienrecherche weitere Details.

Bei der Razzia gegen die ReichsbĂŒrger-Szene war die Polizei auch mit einem Hubschrauber im Einsatz (Archivbild). - Foto: Uli Deck/dpa
Bei der Razzia gegen die ReichsbĂŒrger-Szene war die Polizei auch mit einem Hubschrauber im Einsatz (Archivbild). - Foto: Uli Deck/dpa

Gut ein Jahr nach der Verhaftung einer Gruppe um Heinrich XIII. Prinz Reuß beleuchten «Stern» und RTL weitere Details mutmaßlicher UmsturzplĂ€ne aus der ReichsbĂŒrger-Szene. Dabei hĂ€tten drei frĂŒhere Bundeswehrsoldaten grĂ¶ĂŸeren Einfluss gehabt als öffentlich bekannt, heißt es in dem Bericht.

Zudem geht es um die Rolle der ehemaligen AfD-Bundestagsabgeordneten Birgit Malsack-Winkemann, die wegen Terrorverdachts in Berlin in Haft sitzt. Bislang unbekannt: AfD-Politiker hielten mit ihr dort Kontakt, wie ein Sprecher der AfD-Bundestagsfraktion bestÀtigte.

«Die Fraktionsspitze hat Kenntnis von Kontakten, die persönlicher Natur waren und in keinem Zusammenhang mit der Arbeit der Fraktion stehen», erklĂ€rte der Sprecher auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur. «Stern» und RTL berichteten, drei Abgeordnete hĂ€tten eine Dauerbesuchsgenehmigung. Auf dpa-Anfrage zu Zahl und Motivation der Besuche Ă€ußerte sich nur der Abgeordnete JĂŒrgen Pohl: «WĂŒrden Sie sich (...) nach ĂŒber einem Jahr Untersuchungshaft nicht auch freuen, wenn Sie von Dritten Besuch bekommen wĂŒrden?», schrieb er.

MilitĂ€rs sollen Gruppe gegrĂŒndet haben

Die Bundesanwaltschaft hatte im Dezember 2022 nach Ermittlungen in der ReichsbĂŒrger-Szene 25 Frauen und MĂ€nner um Heinrich XIII. Prinz Reuß wegen Terrorverdachts festnehmen lassen, darunter Malsack-Winkemann. Danach kamen weitere VerdĂ€chtige hinzu. Vor wenigen Wochen brachte die Bundesanwaltschaft Anklagen auf den Weg, unter anderem wegen Mitgliedschaft und UnterstĂŒtzung einer terroristischen Vereinigung. Die Beschuldigten sollen vorgehabt haben, das politische System in Deutschland zu stĂŒrzen. Dabei sollen sie bewusst Tote in Kauf genommen haben.

Einzelheiten gehen bereits aus Mitteilungen der Bundesanwaltschaft zur Anklageerhebung hervor. So bezeichnen die Ermittler neben Heinrich XIII. Prinz Reuß auch einen frĂŒheren Bundeswehroffizier als «RĂ€delsfĂŒhrer». Dieser Offizier und zwei weitere ehemalige Soldaten sollen die «terroristische Vereinigung» nach Darstellung der Bundesanwaltschaft Ende Juli 2021 gegrĂŒndet haben, bevor sich Prinz Reuß Ende Oktober 2021 angeschlossen haben soll.

Die Bundesanwaltschaft sprach von einem militĂ€rischen Arm und dem geplanten Aufbau von 286 sogenannten Heimatschutzeinheiten. Einzelne sollen «bereits weitgehend einsatzbereit» gewesen sein. Ob die Anklagen bei den Oberlandesgerichten in Frankfurt, MĂŒnchen und Stuttgart zugelassen werden, wird derzeit geprĂŒft. GrundsĂ€tzlich gilt fĂŒr Beschuldigte bis zu einem etwaigen Urteil die Unschuldsvermutung.

Erkundung im Bundestag?

«Stern» und RTL schildern nun unter Berufung auf öffentlich nicht zugĂ€ngliche Ermittlungsakten wie Abhörprotokolle und ChatverlĂ€ufe die mutmaßlichen ZusammenhĂ€nge genauer. Von Bundesanwaltschaft und Bundesgerichtshof gab es zu den ergĂ€nzenden Details auf dpa-Anfrage keine offizielle BestĂ€tigung. Dies galt auch fĂŒr die Information aus der Recherche, in der Gruppe seien vor den Festnahmen Ende 2022 verdeckte Ermittler eingesetzt worden.

Die frĂŒhere AfD-Politikerin Malsack-Winkemann soll nach offizieller Darstellung der Bundesanwaltschaft seit August 2021 Mitglied der Vereinigung gewesen sein. Als Bundestagsabgeordnete soll sie mit ihren Zugangsrechten mehreren Personen aus der Gruppe geholfen haben, ParlamentsgebĂ€ude auszukundschaften. Auch nach ihrem Ausscheiden aus dem Bundestag im Herbst 2021 soll sie die Gruppe mit Informationen versorgt haben. Eine dpa-Anfrage zu diesen VorwĂŒrfen ließ ihr Anwalt unbeantwortet.

Die Juristin hatte nach ihrer Zeit im Bundestag versucht, auf ihren Posten als Berliner Richterin zurĂŒckzukehren - was die damalige Justizsenatorin Lena Kreck (Linke) verhindern wollte. In der Gruppe der mutmaßlichen Verschwörer soll Malsack-Winkemann laut Bundesanwaltschaft dem «Rat» - einer Art Schattenregierung - angehört haben und fĂŒr das Ressort Justiz zustĂ€ndig gewesen sein.

Die AfD war nach Entdeckung der PlÀne von anderen Parteien unter anderem als Brandbeschleuniger angeprangert worden. Partei- und Fraktionschefin Alice Weidel kritisierte hingegen, dass 3000 Beamte bei Razzien gegen «Rentner» losgeschickt worden seien, gegen einen «angestrebten Rollator-Putsch».

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