Holter fordert Bildungsaufgabe im Grundgesetz
07.12.2023 - 11:22:04Angesichts der schlechten Ergebnisse deutscher SchĂŒler in der Pisa-Studie hat ThĂŒringens Bildungsminister Helmut Holter mehr Engagement des Bundes in Bildungsfragen gefordert. «Der Bund muss sich dauerhaft auch in Bildungsfragen finanziell engagieren», sagte der Linke-Politiker der Deutschen Presse-Agentur in Erfurt. Er plĂ€dierte dafĂŒr, eine «Gemeinschaftsaufgabe Bildung» im Grundgesetz festzuschreiben.
Gegliedertes Schulsystem gescheitert?
Seit Donnerstag lĂ€uft in Berlin die Kultusministerkonferenz, die sich auch mit den Pisa-Ergebnissen beschĂ€ftigen wollte. Nach dem schlechten Abschneiden der deutschen SchĂŒlerinnen und SchĂŒler wurden teils auch Forderungen nach einer Sonder-MinisterprĂ€sidentenkonferenz zu den Ergebnissen laut.
Holter stellte das gegliederte Schulsystem in Frage. «In Deutschland, auch in ThĂŒringen wird in der vierten Klasse im Grunde entschieden ĂŒber die Schullaufbahn und damit auch ĂŒber die Lebensbiografie von Kindern.» Internationale Erfahrungen aber zeigten, dass das lĂ€ngere gemeinsame Lernen die Antwort darauf sei, was Pisa und andere Studien zu Tage gebracht hĂ€tten.
Bekenntnis zu Bund-LĂ€nder-Programmen gefordert
Mit Blick auf die Haushaltskrise auf Bundesebene warnte Holter vor Auswirkungen auf den geplanten Digitalpakt 2.0 und das Start-Chancen-Programm. «Inhaltlich sind wir klar, aber die finanzielle Untersetzung fehlt», sagte Holter zum Start-Chancen-Programm. Er habe erwartet, dass das Programm am Freitag finalisiert werde. Das sei nun wegen der Haushaltsdiskussion nicht mehr zu erwarten. Mit dem Programm sollen 4000 Schulen in schwierigen Lagen in den kommenden Jahren spezielle staatliche Förderung in Milliardenhöhe bekommen.
Auch fĂŒr ein Nachfolgeprogramm zum Digitalpakt ab 2025 gebe es laut Holter noch keine Sicherheit. «Wir brauchen den Anschluss», sagte Holter und forderte «ein klares Bekenntnis zum Digitalpakt 2.0». Beides mĂŒsse aber nicht aneinander gekoppelt werden, so Holter.
Bildung ist in Deutschland LĂ€nder-Sache, das ist auch im Grundgesetz festgeschrieben. In den vergangenen Jahren beteiligte sich der Bund aber zunehmend finanziell - etwa mit einem Programm zur Digitalisierung, dem sogenannten Digitalpakt. Holter erneuerte seine Forderung, das sogenannte Kooperationsverbot im Grundgesetz aufzugeben. «Ich bin der Ăberzeugung, dass gerade, wenn es ums Geld geht, aus dem Kooperationsverbot ein Kooperationsgebot werden muss», sagte er.


