Warnstreik, Worauf

Warnstreik: Worauf sich FahrgĂ€ste einstellen mĂŒssen

06.12.2023 - 18:55:59

Nach dem Scheitern der TarifgesprÀche bei der Bahn erhöht die GDL den Druck: Der nÀchste Warnstreik soll wieder weite Teile des Eisenbahnverkehrs lahmlegen. Die wichtigsten Fragen und Antworten.

  • Ab Donnerstagabend ruft die GDL 24 Stunden lang erneut zum Warnstreik auf. - Foto: Bernd Thissen/dpa

    Bernd Thissen/dpa

  • Auf das Schneechaos folgt der nĂ€chste Warnstreik: Bahnreisende mĂŒssen sich wieder auf ZugausfĂ€lle einstellen. - Foto: Bodo Marks/dpa

    Bodo Marks/dpa

Ab Donnerstagabend ruft die GDL 24 Stunden lang erneut zum Warnstreik auf. - Foto: Bernd Thissen/dpaAuf das Schneechaos folgt der nĂ€chste Warnstreik: Bahnreisende mĂŒssen sich wieder auf ZugausfĂ€lle einstellen. - Foto: Bodo Marks/dpa

Nachdem die Gewerkschaft Deutscher LokomotivfĂŒhrer (GDL) die Tarifverhandlungen mit der Bahn vor fast zwei Wochen fĂŒr gescheitert erklĂ€rt hat, kĂŒndigt sie nun den nĂ€chsten Warnstreik an. Ab Donnerstagabend, 22.00 Uhr, sollen auf der Schiene fĂŒr 24 Stunden wieder weite Teile des Fern- und Regionalverkehrs stillstehen, wie die GDL am Abend mitteilte. Der GĂŒterverkehr soll bereits am 18.00 Uhr am Donnerstagabend bestreikt werden.

Vom Warnstreik betroffen sind neben der Deutschen Bahn auch weitere Eisenbahnunternehmen, etwa der Transdev-Konzern (unter anderem Bayerische Oberlandbahn, NordWestBahn). Auch die Tarifverhandlungen mit Transdev bewertet die GDL als gescheitert.

ZĂ€hlt man die Warnstreiks der konkurrierenden Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) mit, ist es bereits das vierte Mal in diesem Jahr, dass FahrgĂ€ste sich wegen eines Tarifkonflikts auf weitreichende EinschrĂ€nkungen auf der Schiene einstellen mĂŒssen.

Welche Verkehre sind betroffen?

Der Warnstreik soll laut Gewerkschaftsaufruf erneut alle Verkehrsarten treffen. Sowohl im Fern-, im Regional- als auch im GĂŒterverkehr ist mit erheblichen Behinderungen zu rechnen. «Wie beim letzten Streik wird die DB fĂŒr den Fernverkehr einen Notfahrplan mit einem stark reduzierten Angebot an Fahrten anbieten», teilte die Bahn am Abend mit. Die Bahn setze dafĂŒr lĂ€ngere ZĂŒge mit mehr SitzplĂ€tzen ein - eine Mitfahrt könne aber nicht garantiert werden, hieß es. WĂ€hrend des vorherigen GDL-Warnstreiks fuhr etwa jeder fĂŒnfte eigentlich vorgesehene Fernverkehrszug.

«Im Regionalverkehr ist es das Ziel, ein stark reduziertes Angebot zu fahren. In welchem Umfang dies möglich ist, unterscheidet sich regional stark», teilte die DB mit.

Die GDL vertritt bei der Bahn hauptsĂ€chlich LokfĂŒhrer und das Zugpersonal. Fahrdienstleiter, die den Zugverkehr bundesweit koordinieren, sind zwar ebenfalls zum Warnstreik aufgerufen. Stark vertreten ist die GDL unter ihnen aber nicht. Überall dort, wo ein LokfĂŒhrer trotz des Streiks zur Arbeit kommt, kann deshalb theoretisch auch ein Zug fahren.

Welche Regionen sind betroffen?

Der Warnstreikaufruf gilt bundesweit. ErfahrungsgemĂ€ĂŸ sind insbesondere in den ostdeutschen BundeslĂ€ndern sowie im SĂŒdwesten viele BeschĂ€ftigte bei der GDL organisiert. Dort dĂŒrfte daher im Regionalverkehr vielerorts nichts mehr gehen. «In jedem Fall wird es auch im Regionalverkehr massive EinschrĂ€nkungen geben. Dies gilt besonders fĂŒr Bayern, wo die AufrĂ€umarbeiten nach den historischen SchneefĂ€llen vom Wochenende noch anhalten», teilte die Bahn mit.

Ab wann geht es los?

Offizieller Beginn des Warnstreiks im Personenverkehr ist an diesem Donnerstag um 22.00 Uhr. FahrgĂ€ste mĂŒssen sich unter UmstĂ€nden aber bereits in den Stunden davor auf ZugausfĂ€lle einstellen. Die Bahn hat bei den vorherigen Warnstreiks so versucht, die ZĂŒge dort abzustellen, wo sie nach dem Warnstreik gebraucht werden. Der Arbeitskampf soll laut GDL bis Freitag, 22.00 Uhr, dauern.

Wo kann ich mich ĂŒber meinen Zug informieren?

Ob ein Fern- oder Regionalzug fĂ€hrt oder nicht, lĂ€sst sich in der Regel ĂŒber die Bahn-App oder die Internetseite einsehen. Laut DB soll der Notfahrplan dort ab Donnerstagnachmittag hinterlegt sein. FĂŒr individuelle AuskĂŒnfte richtet die Bahn ab Donnerstagmorgen eine Streikhotline ein (08000 99 66 33).

Was passiert mit meinem Ticket?

Alle FahrgĂ€ste, die ihre fĂŒr den 7. oder 8. Dezember geplante Reise aufgrund des Streiks verschieben möchten, können ihr Ticket zu einem spĂ€teren Zeitpunkt nutzen. «Die Zugbindung ist aufgehoben. Die Fahrkarte gilt dabei fĂŒr die Fahrt zum ursprĂŒnglichen Zielort auch mit einer geĂ€nderten StreckenfĂŒhrung», hieß es.

Sitzplatzreservierungen können kostenfrei storniert werden. Zudem haben FahrgÀste im Rahmen einer Sonderkulanz auch die Möglichkeit, ihre Reise vorzuverlegen und bereits am Donnerstag vor Streikbeginn zu fahren.

Wieso streikt die GDL?

Die WarnstreikankĂŒndigung kam fast zwei Wochen, nachdem die GDL die Tarifverhandlungen fĂŒr gescheitert erklĂ€rt hat. In bis dahin zwei Verhandlungsrunden konnte vor allem die Kernforderung der Gewerkschaft nicht gelöst werden: Die Absenkung der Arbeitszeit fĂŒr Schichtarbeiter von 38 auf 35 Stunden bei vollem Lohnausgleich. Auf diese Forderung war die Bahn auch in der zweiten Verhandlungsrunde nicht eingegangen.

DarĂŒber hinaus fordert die Gewerkschaft unter anderem 555 Euro mehr pro Monat sowie eine InflationsausgleichsprĂ€mie. Die Bahn hatte elf Prozent höhere Entgelte bei einer Laufzeit von 32 Monaten angeboten sowie ebenfalls die InflationsausgleichsprĂ€mie. Eigentlich sollten beide Seiten an diesem Donnerstag wieder fĂŒr Verhandlungen zusammen kommen. Nach der WarnstreikankĂŒndigung hat die Bahn die GesprĂ€che abgesagt.

@ dpa.de