Geschichte, StÀrke

«Geschichte der StÀrke»: Abschied von Margot FriedlÀnder

15.05.2025 - 13:03:11

Nach dem Tod von Margot FriedlĂ€nder trauern viele um eine besondere Frau, die als Holocaust-Überlebende unermĂŒdlich fĂŒr Menschlichkeit eintrat. Bei ihrer Beisetzung nahmen hochrangige GĂ€ste Abschied.

  • Auch Iris Berben und Dunja Hayali gehörten zu den TrauergĂ€sten.  - Foto: Kay Nietfeld/dpa Pool/dpa

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  • Max Raabe sang bei der Trauerfeier das Lied «Irgendwo auf der Welt».  - Foto: Christophe Gateau/dpa

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  • FriedlĂ€nder war im Alter von 103 Jahren gestorben. - Foto: Soeren Stache/dpa

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Auch Iris Berben und Dunja Hayali gehörten zu den TrauergÀsten.  - Foto: Kay Nietfeld/dpa Pool/dpaMax Raabe sang bei der Trauerfeier das Lied «Irgendwo auf der Welt».  - Foto: Christophe Gateau/dpaFriedlÀnder war im Alter von 103 Jahren gestorben. - Foto: Soeren Stache/dpa

Es war ein bewegender Abschied mit viel Prominenz: Unter großer Anteilnahme ist die Holocaust-Überlebende Margot FriedlĂ€nder in Berlin beigesetzt worden. Die Bestattung fand im Anschluss an eine Trauerfeier auf dem jĂŒdischen Friedhof Berlin-Weißensee im engsten Freundeskreis statt. FriedlĂ€nder war in der vergangenen Woche im Alter von 103 Jahren gestorben.

Unter den TrauergĂ€sten waren BundesprĂ€sident Frank-Walter Steinmeier, Bundeskanzler Friedrich Merz, BundestagsprĂ€sidentin Julia Klöckner und Berlins Regierender BĂŒrgermeister Kai Wegner (alle drei CDU). Der frĂŒhere BundesprĂ€sident Joachim Gauck sowie die frĂŒhere Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und ihr Nachfolger Olaf Scholz (SPD) kamen ebenfalls.

Am Nachmittag gab es zudem ein Gedenkgebet fĂŒr FriedlĂ€nder in der Zentralen Synagoge der JĂŒdischen Gemeinde Chabad Berlin.

FriedlĂ€nder gehörte zu den bekanntesten Zeitzeuginnen, die den Massenmord der Nazis an den Juden ĂŒberlebten. Als JĂŒdin war sie in der NS-Zeit ins Konzentrationslager Theresienstadt verschleppt worden. Nach dem Zweiten Weltkrieg emigrierte sie in die USA, kam aber im Alter von fast 90 Jahren zurĂŒck in ihre Heimat Berlin. 

Einsatz fĂŒr Menschlichkeit

Seither setzte sie sich bei vielen Veranstaltungen unermĂŒdlich fĂŒr Menschlichkeit und Demokratie, gegen das Vergessen der NS-Verbrechen und gegen Hass ein. Besonders die junge Generation lag FriedlĂ€nder am Herzen. Die Überlebende erzĂ€hlte ihre Geschichte regelmĂ€ĂŸig in Schulen. Sie wollte fĂŒr die Millionen ermordeter Menschen sprechen, die nicht mehr fĂŒr sich sprechen konnten. 

Bei der Trauerfeier wĂŒrdigten mehrere Redner ihr Lebenswerk. Der Vorsitzende der JĂŒdischen Gemeinde zu Berlin, Gideon Joffe, erinnerte daran, dass die Nazis die Mutter, den Vater und den Bruder FriedlĂ€nders ermordeten und sie selbst inhaftiert gewesen sei. 

FriedlĂ€nder symbolisierte WĂ€rme und MitgefĂŒhl

«Aber aus dieser Vergangenheit heraus sind Sie jemand geworden, der nicht hassen wollte, sondern erinnern, nicht anklagen, sondern erzĂ€hlen», so Joffe. FriedlĂ€nder symbolisiere das, was einen Menschen ausmache: WĂ€rme, Nahbarkeit und MitgefĂŒhl.

Der Rabbiner der JĂŒdische Chabad Berlin, Yehuda Teichtal, Ă€ußerte sich Ă€hnlich: «Margot, Deine Geschichte ist eine Geschichte der StĂ€rke und der unzerbrechlichen Menschlichkeit.» Das VermĂ€chtnis FriedlĂ€nders sei es, immer zu versuchen, die Welt zu einem menschlicheren und besseren Ort zu machen.

«DÀmonen der Vergangenheit» 

FriedlĂ€nders Worte «Seid Menschen!» hĂ€tten Generationen erreicht, sagte Leeor EnglĂ€nder, enger Freund der Holocaust-Überlebenden, in seiner Trauerrede. Es habe FriedlĂ€nder aber immense Anstrengung gekostet, sich gegen Desinteresse und Verdruss einzusetzen. 

Das Trauma des Erlebten habe sie nie wieder losgelassen, auch wenn sie nach außen stets positiv aufgetreten sei, sagte EnglĂ€nder. Immer wieder habe sie der Gedanke geplagt, was aus all den Kindern geworden wĂ€re, die ins Gas geschickt wurden. 

Es habe kein GesprĂ€ch mit FriedlĂ€nder gegeben, in dem sie ihm nicht anvertraut habe, wie sehr die DĂ€monen der Vergangenheit sie bedrĂŒckten, so EnglĂ€nder. Nach dem Angriff der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 und dem seit diesem Zeitpunkt in Deutschland wieder offen zutage tretenden Judenhass sei FriedlĂ€nder entsetzt und resigniert gewesen. «So hat es damals bei uns auch angefangen», habe sie gesagt. 

«Irgendwo auf der Welt gibt's ein kleines bisschen GlĂŒck»

SĂ€nger Max Raabe sang bei der Trauerfeier das Lied «Irgendwo auf der Welt». Dort heißt es unter anderem: «Irgendwo auf der Welt gibt's ein kleines bisschen GlĂŒck, und ich trĂ€um' davon in jedem Augenblick.» FriedlĂ€nder hatte sich den Song ausdrĂŒcklich so gewĂŒnscht. 

Der Trauerfeier wohnten auch der Vorstandschef des Medienhauses Axel Springer, Mathias Döpfner, und die Witwe des VerlagsgrĂŒnders, Friede Springer, bei. Georg Friedrich Prinz von Preußen, der Kuratoriumsmitglied der Margot FriedlĂ€nder Stiftung ist, gehörte ebenso zu den GĂ€sten. 

Auf dem Friedhof fanden sich außerdem Schauspielerin Iris Berben, Moderatorin Dunja Hayali, die Journalistin Sandra Maischberger, der Filmemacher Wim Wenders und der frĂŒhere Fußball-Nationalspieler Arne Friedrich ein. 

Als Berliner EhrenbĂŒrgerin erhĂ€lt FriedlĂ€nder ein sogenanntes Ehrengrab, bei dem der Staat die Kosten fĂŒr Pflege und Instandhaltung ĂŒbernimmt. AnlĂ€sslich der Beisetzung wehten die Flaggen an Berliner Behörden und sonstigen GebĂ€uden des Landes auf halbmast. FriedlĂ€nder soll in Berlin noch mit einer großen Trauerfeier geehrt werden, dafĂŒr sind Termin und Ort aber noch nicht bekannt.

FriedlÀnder trat noch kurz vor ihrem Tod auf

Ihren letzten öffentlichen Auftritt absolvierte die Holocaust-Überlebende am 7. Mai zwei Tage vor ihrem Tod bei einer Gedenkveranstaltung des Landes Berlin zum 80. Jahrestag des Kriegsendes. Im Roten Rathaus las sie – im Rollstuhl sitzend – Passagen aus ihrem Buch «Versuche, dein Leben zu machen». 

Mit leiser Stimme schilderte sie in bewegenden Worten die Stunden ihrer persönlichen Befreiung, die sie 1945 im Ghetto Theresienstadt erlebte. Zum Abschluss gab FriedlÀnder den GÀsten die Mahnung mit auf den Weg: «Seid Menschen!»

@ dpa.de