Ex-Verfassungsrichter Papier Ă€uĂert Zweifel am Soli-Urteil
26.03.2025 - 13:05:46Topverdiener und Unternehmen mĂŒssen ihn weiterhin teilweise oder vollstĂ€ndig entrichten. Vor allem diese Teilabschaffung sieht der ehemalige PrĂ€sident des Bundesverfassungsgerichts Papier kritisch. Die Abschmelzung der ErgĂ€nzungsabgabe hin zu einer Belastung ausschlieĂlich höherer Einkommen mache deutlich, "dass es dem Gesetzgeber gar nicht mehr um die ErfĂŒllung oder TeilerfĂŒllung des ursprĂŒnglich legitimierenden Erhebungszwecks ging", sagte Papier. Vielmehr sei eine "sozialpolitische Korrektur des allgemeinen Einkommenssteuerrechts" zu erkennen, wobei im Grunde eine "spezifische TarifĂ€nderung bei der Einkommenssteuer zulasten besser verdienender Personengruppen" eingefĂŒhrt worden sei. Der ehemalige Bundesfinanzminister Theo Waigel (CSU), in dessen Amtszeit der SolidaritĂ€tszuschlag eingefĂŒhrt wurde, hĂ€lt das Urteil des Bundesverfassungsgerichts zur Beibehaltung des Solis unterdessen fĂŒr nachvollziehbar. "Ich hatte das Urteil erwartet", sagte er dem "Redaktionsnetzwerk Deutschland". "Denn man kann nicht bestreiten, dass wir auch heute noch Geld fĂŒr die Wiedervereinigung aufwenden mĂŒssen, wenngleich nicht mehr so viel wie frĂŒher. Eine Mehrheit, den Soli abzuschaffen, sehe ich zumindest fĂŒr die nĂ€chsten zwei Jahre nicht. Damit werden sich auch mögliche Auseinandersetzungen bei den Koalitionsverhandlungen erledigen." Waigel fĂŒgte hinzu: "Man muss an die Adresse der LĂ€nder klipp und klar sagen, dass der Bund 80 Prozent der Ausgaben fĂŒr die deutsche Wiedervereinigung erbracht hat, jedenfalls in den 1990er-Jahren. Heute wird es nicht weniger sein. Und der Soli war die einzige Refinanzierungsmöglichkeit des Bundes. Deshalb haben wir das damals so gemacht." "Allerdings haben wir bei seiner WiedereinfĂŒhrung ĂŒber 10 Milliarden Euro Subventionen abgebaut, um damit ein Zeichen zu setzen, dass es nicht nur um Steuererhöhungen geht, sondern auch um Ausgabenminderungen", so Waigel. Solche Einsparungen sehe er derzeit nicht, obwohl bei Subventionen von 120 Milliarden Euro sicher Einsparungen von 15 bis 20 Milliarden Euro erbracht werden könnten.


