Deutschland, Sachsen

Protest nach Urteil gegen Lina E. - ZusammenstĂ¶ĂŸe in Leipzig

01.06.2023 - 05:04:22

Nach dem Urteil gegen die 28-jĂ€hrige Studentin Lina E. und drei Mitangeklagte wegen Angriffen auf Rechtsextreme gehen linke Sympathisanten auf die Straße. Vor allem in Leipzig ist die Stimmung aufgeheizt.

  • Ein Graffiti prangt an einem Wohnhaus im Leipziger SĂŒden. - Foto: Jan Woitas/dpa

    Jan Woitas/dpa

  • Teilnehmer demonstrieren in Dresden gegen die Verurteilung der mutmaßlichen Linksextremistin Lina E. - Foto: Robert Michael/dpa

    Robert Michael/dpa

  • Demonstranten aus dem linken Spektrum protestieren in Leipzig. - Foto: Jan Woitas/dpa

    Jan Woitas/dpa

Ein Graffiti prangt an einem Wohnhaus im Leipziger SĂŒden. - Foto: Jan Woitas/dpaTeilnehmer demonstrieren in Dresden gegen die Verurteilung der mutmaßlichen Linksextremistin Lina E. - Foto: Robert Michael/dpaDemonstranten aus dem linken Spektrum protestieren in Leipzig. - Foto: Jan Woitas/dpa

Nach dem Schuldspruch fĂŒr die Studentin Lina E. wegen linksextremistischer Gewalttaten haben Sympathisanten in mehreren StĂ€dten gegen das Urteil protestiert. Dabei kam es am Mittwochabend teilweise zu Ausschreitungen und ZusammenstĂ¶ĂŸen. In Leipzig wurde eine Versammlung nach Angaben eines Polizeisprechers fĂŒr beendet erklĂ€rt, nachdem Flaschen und Pyrotechnik in Richtung der Beamten geworfen worden seien. In der Bremer Innenstadt hĂ€tten sich rund 350 meist vermummte Personen versammelt und seien dann «relativ schnell und unvermittelt» auf EinsatzkrĂ€fte losgegangen, sagte eine Sprecherin der Polizei. SolidaritĂ€tskundgebungen fĂŒr Lina E. gab es unter anderem auch in Berlin, Hamburg und Dresden.

Die Studentin war am Mittwoch zu fĂŒnf Jahren und drei Monaten Haft verurteilt worden. Das Oberlandesgericht Dresden sprach die aus Kassel stammende 28-JĂ€hrige wegen mehrerer Angriffe auf Rechtsextreme der Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung schuldig. Drei mitangeklagte MĂ€nner erhielten Strafen zwischen zwei Jahren und fĂŒnf Monaten sowie drei Jahren und drei Monaten. Der Haftbefehl gegen Lina E. wurde gegen Auflagen außer Vollzug gesetzt. Die Reststrafe muss sie erst verbĂŒĂŸen, wenn das Urteil rechtskrĂ€ftig ist - das Gericht ließ Revision zu.

Der Generalbundesanwalt warf der Gruppe vor, zwischen 2018 und 2020 tatsÀchliche oder vermeintliche AnhÀnger der rechten Szene in Leipzig, Eisenach und in der Ortschaft Wurzen brutal zusammengeschlagen zu haben.

Aufgeheizte Stimmung in Leipzig

In Leipzig war nach EindrĂŒcken einer dpa-Reporterin nach dem Urteil ein hohes Aggressionspotenzial zu spĂŒren. Demonstrantinnen und Demonstranten riefen polizeifeindliche SprĂŒche, es wurde Pyrotechnik gezĂŒndet, Polizisten wurden mit Böllern beworfen. Ein Polizeisprecher sagte, es habe aus mehreren Gruppen heraus Straftaten gegeben. Demonstranten hĂ€tten zum Beispiel Barrikaden errichtet und Beamte mit Steinen, Flaschen und Pyrotechnik beworfen. Vier EinsatzkrĂ€fte seien leicht verletzt worden, teilte die Polizei in der Nacht mit. Festnahmen habe es nicht gegeben.

Am Abend rÀumte die Polizei in Leipzig eine Barrikade, die Demonstranten auf einer Kreuzung mit Bauabsperrungen und dem Inhalt von Glascontainern errichtet hatten. Dabei kam ein RÀumpanzer zum Einsatz. Auch ein Wasserwerfer stand bereit. Die Polizei bezifferte die Zahl der Protestteilnehmer auf rund 800. Im Park, wo die Versammlung stattfand, hatte sich die Situation dagegen am spÀten Abend etwas beruhigt. EinsatzkrÀfte waren in der Nacht noch im Stadtgebiet unterwegs.

Über die Ausschreitungen in Bremen sagte die Polizeisprecherin, es seien Glasflaschen und Steine auf Polizisten geworfen worden, auch Pyrotechnik sei gezĂŒndet worden. Außerdem sei ein Polizeiauto beschĂ€digt worden. Verletzt worden sei niemand. Rund 70 VerdĂ€chtige wurden laut Polizei vorlĂ€ufig festgenommen. Die Lage habe sich am spĂ€ten Abend beruhigt. Die Polizei war nach eigenen Angaben mit zahlreichen KrĂ€ften im Einsatz. Auch ein Wasserwerfer und ein gepanzertes Fahrzeug standen bereit.

Linksradikale rufen zu weiteren Protesten auf

In Hamburg versammelten sich Hunderte AnhĂ€nger der linken Szene zum Protest gegen das Gerichtsurteil und zogen - begleitet von Polizisten - durch das Schanzenviertel. Auf ihren Transparenten standen Parolen wie «Free them all» und «Kampf ihrer Klassenjustiz». Die Polizei sprach in der Nacht von etwa 1200 Teilnehmern. Polizisten seien unter anderem mit Flaschen und Pyrotechnik beworfen worden. Laut einem Sprecher wurden drei Beamte leicht verletzt. Zudem gab es fĂŒnf Festnahmen. Trotz allem sei die Demonstration Â«ĂŒberwiegend friedlich» verlaufen, sagte ein Polizeisprecher.

In Berlin bezifferte die Polizei die Teilnehmerzahl in der Nacht auf rund 450. Die Demonstration sei weitgehend friedlich verlaufen, es habe bloß einige Rangeleien gegeben. Laut einem Sprecher wurden drei Polizisten leicht verletzt. Eine Person sei festgenommen worden.

FĂŒr Samstag ruft die linksradikale Szene ĂŒberregional zur Teilnahme an einem großen «Tag X» in Leipzig auf. Die Polizei befĂŒrchtet Ausschreitungen und bereitet einen Großeinsatz vor.

@ dpa.de

Weitere Meldungen

UniversitĂ€t verteidigt Entzug von Voigts Doktortitel. Er Ă€ußerte deutliche Kritik am Verfahren der UniversitĂ€t, die jedoch verweist auf eine sorgfĂ€ltige PrĂŒfung. Der ThĂŒringer MinisterprĂ€sident will seinen Doktortitel juristisch verteidigen. (Politik, 28.01.2026 - 20:29) weiterlesen...

«KĂ€mpfe fĂŒr meine Doktorarbeit» - Voigt klagt gegen Uni. Doch hat er unsauber gearbeitet? Die TU Chemnitz will ihm den Titel entziehen. Voigt klagt. FĂŒr seine Doktorarbeit reiste Voigt in die USA, fĂŒhrte Interviews, unter anderem im Weißen Haus. (Politik, 28.01.2026 - 17:29) weiterlesen...

Voigt soll Doktortitel verlieren - Klage angekĂŒndigt. Zu Unrecht, findet der MinisterprĂ€sident und will dagegen klagen. Er kritisiert neue BewertungsmaßstĂ€be im laufenden Verfahren. Die TU Chemnitz entzieht Mario Voigt den Doktortitel. (Politik, 28.01.2026 - 15:05) weiterlesen...

St. Pauli rettet sich mit spĂ€tem Tor zu Remis gegen Leipzig. Doch auch beim insgesamt vierten Auftritt am Millerntor will zunĂ€chst kein Treffer gelingen. Dann trifft Topspieler Diomande. Zum Sieg reicht es nicht. FĂŒr die Leipziger lĂ€uft es in der Liga gut. (Politik, 27.01.2026 - 22:33) weiterlesen...

Initiative: Sauna-Spanner sollen bestraft werden. Sie beschweren sich – doch der Mann kommt ohne Strafe davon und erhĂ€lt die Bilder sogar zurĂŒck. Zwei BundeslĂ€nder fordern eine GesetzesĂ€nderung. Zwei Freundinnen werden in einer Sauna nackt gefilmt. (Unterhaltung, 26.01.2026 - 16:46) weiterlesen...

Spanner-Videos sollen auch in Sauna & Co. strafbar werden. In der Sauna oder am Strand kommen Voyeure ungestraft davon. Zwei BundeslÀnder wollen das Àndern. Heimliche Nacktaufnahmen sind bisher nicht in jedem Fall untersagt. (Unterhaltung, 26.01.2026 - 13:30) weiterlesen...