Protest nach Urteil gegen Lina E. - ZusammenstöĂe in Leipzig
01.06.2023 - 05:04:22Nach dem Schuldspruch fĂŒr die Studentin Lina E. wegen linksextremistischer Gewalttaten haben Sympathisanten in mehreren StĂ€dten gegen das Urteil protestiert. Dabei kam es am Mittwochabend teilweise zu Ausschreitungen und ZusammenstöĂen. In Leipzig wurde eine Versammlung nach Angaben eines Polizeisprechers fĂŒr beendet erklĂ€rt, nachdem Flaschen und Pyrotechnik in Richtung der Beamten geworfen worden seien. In der Bremer Innenstadt hĂ€tten sich rund 350 meist vermummte Personen versammelt und seien dann «relativ schnell und unvermittelt» auf EinsatzkrĂ€fte losgegangen, sagte eine Sprecherin der Polizei. SolidaritĂ€tskundgebungen fĂŒr Lina E. gab es unter anderem auch in Berlin, Hamburg und Dresden.
Die Studentin war am Mittwoch zu fĂŒnf Jahren und drei Monaten Haft verurteilt worden. Das Oberlandesgericht Dresden sprach die aus Kassel stammende 28-JĂ€hrige wegen mehrerer Angriffe auf Rechtsextreme der Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung schuldig. Drei mitangeklagte MĂ€nner erhielten Strafen zwischen zwei Jahren und fĂŒnf Monaten sowie drei Jahren und drei Monaten. Der Haftbefehl gegen Lina E. wurde gegen Auflagen auĂer Vollzug gesetzt. Die Reststrafe muss sie erst verbĂŒĂen, wenn das Urteil rechtskrĂ€ftig ist - das Gericht lieĂ Revision zu.
Der Generalbundesanwalt warf der Gruppe vor, zwischen 2018 und 2020 tatsÀchliche oder vermeintliche AnhÀnger der rechten Szene in Leipzig, Eisenach und in der Ortschaft Wurzen brutal zusammengeschlagen zu haben.
Aufgeheizte Stimmung in Leipzig
In Leipzig war nach EindrĂŒcken einer dpa-Reporterin nach dem Urteil ein hohes Aggressionspotenzial zu spĂŒren. Demonstrantinnen und Demonstranten riefen polizeifeindliche SprĂŒche, es wurde Pyrotechnik gezĂŒndet, Polizisten wurden mit Böllern beworfen. Ein Polizeisprecher sagte, es habe aus mehreren Gruppen heraus Straftaten gegeben. Demonstranten hĂ€tten zum Beispiel Barrikaden errichtet und Beamte mit Steinen, Flaschen und Pyrotechnik beworfen. Vier EinsatzkrĂ€fte seien leicht verletzt worden, teilte die Polizei in der Nacht mit. Festnahmen habe es nicht gegeben.
Am Abend rÀumte die Polizei in Leipzig eine Barrikade, die Demonstranten auf einer Kreuzung mit Bauabsperrungen und dem Inhalt von Glascontainern errichtet hatten. Dabei kam ein RÀumpanzer zum Einsatz. Auch ein Wasserwerfer stand bereit. Die Polizei bezifferte die Zahl der Protestteilnehmer auf rund 800. Im Park, wo die Versammlung stattfand, hatte sich die Situation dagegen am spÀten Abend etwas beruhigt. EinsatzkrÀfte waren in der Nacht noch im Stadtgebiet unterwegs.
Ăber die Ausschreitungen in Bremen sagte die Polizeisprecherin, es seien Glasflaschen und Steine auf Polizisten geworfen worden, auch Pyrotechnik sei gezĂŒndet worden. AuĂerdem sei ein Polizeiauto beschĂ€digt worden. Verletzt worden sei niemand. Rund 70 VerdĂ€chtige wurden laut Polizei vorlĂ€ufig festgenommen. Die Lage habe sich am spĂ€ten Abend beruhigt. Die Polizei war nach eigenen Angaben mit zahlreichen KrĂ€ften im Einsatz. Auch ein Wasserwerfer und ein gepanzertes Fahrzeug standen bereit.
Linksradikale rufen zu weiteren Protesten auf
In Hamburg versammelten sich Hunderte AnhĂ€nger der linken Szene zum Protest gegen das Gerichtsurteil und zogen - begleitet von Polizisten - durch das Schanzenviertel. Auf ihren Transparenten standen Parolen wie «Free them all» und «Kampf ihrer Klassenjustiz». Die Polizei sprach in der Nacht von etwa 1200 Teilnehmern. Polizisten seien unter anderem mit Flaschen und Pyrotechnik beworfen worden. Laut einem Sprecher wurden drei Beamte leicht verletzt. Zudem gab es fĂŒnf Festnahmen. Trotz allem sei die Demonstration Â«ĂŒberwiegend friedlich» verlaufen, sagte ein Polizeisprecher.
In Berlin bezifferte die Polizei die Teilnehmerzahl in der Nacht auf rund 450. Die Demonstration sei weitgehend friedlich verlaufen, es habe bloĂ einige Rangeleien gegeben. Laut einem Sprecher wurden drei Polizisten leicht verletzt. Eine Person sei festgenommen worden.
FĂŒr Samstag ruft die linksradikale Szene ĂŒberregional zur Teilnahme an einem groĂen «Tag X» in Leipzig auf. Die Polizei befĂŒrchtet Ausschreitungen und bereitet einen GroĂeinsatz vor.







