Bayerns Kommunalwahl - viele Gewinner, noch mehr Verlierer
11.03.2026 - 14:41:44 | dpa.de
Verluste fĂŒr CSU, GrĂŒne und SPD, ein dickes Plus fĂŒr die AfD, stabile Freie WĂ€hler: So sieht das bayernweite Ergebnis der Kommunalwahlen aus. FĂŒr die Parteien zĂ€hlen aber nicht nur diese landesweiten Zahlen, sondern auch die Ergebnisse der Landrats-, OB- und BĂŒrgermeisterwahlen. Und da gibt es ein finales Bild erst nach 22. MĂ€rz. Das Zwischenfazit fĂ€llt meist gemischt aus - auch wenn die Parteispitzen, wie ĂŒblich, gerne alles zum Sieg deklarieren.
CSU
Fakt ist: Die CSU unter Parteichef und MinisterprĂ€sident Markus Söder hat bei den Kommunalwahlen landesweit leichte Verluste hinnehmen mĂŒssen: Ihr Stimmenanteil in den Landkreisen und kreisfreien StĂ€dten ging im Vergleich zur Wahl 2020 von 34,5 auf nun 32,5 Prozent zurĂŒck. Das ist ihr schlechtestes Kommunalwahlergebnis seit 1952. Allerdings war, weil die AfD nun erstmals flĂ€chendeckend antrat, ein gewisses Minus schon vorher eingepreist.
GeneralsekretĂ€r Martin Huber betont deshalb: «Die CSU hat die Kommunalwahl klar gewonnen. Wir sind sehr zufrieden, die CSU ist und bleibt die Kommunalpartei Nummer eins in den StĂ€dten und auf dem Land.» In 91 von 96 kreisfreien StĂ€dten und Landkreisen habe die CSU die Stimmenmehrheit.Â
Zur Wahrheit gehört aber auch: Die CSU hat viele Landrats- und OB-Sessel direkt gewonnen - muss aber in vielen FĂ€llen auch in die Stichwahl. Mit unterschiedlichen Ausgangspositionen: In Erlangen und Aschaffenburg etwa holten die CSU-Kandidaten im ersten Anlauf mehr Stimmen als die SPD-Amtsinhaber. In Schweinfurt, bisher CSU-regiert, lag der SPD-Kandidat vorn. Im Landkreis Landsberg am Lech wiederum muss der CSU-Amtsinhaber in der Stichwahl um seine Wiederwahl bangen. Und auch die Augsburger CSU-OberbĂŒrgermeisterin Eva Weber muss zittern. EnttĂ€uschend fĂŒr die CSU ist, dass es ihr Kandidat Clemens BaumgĂ€rtner in MĂŒnchen nicht in die Stichwahl geschafft hat. Ebenso wenig wie Ex-Staatsministerin Melanie Huml in Bamberg.
GrĂŒne
Vor sechs Jahren hatten die GrĂŒnen 17,5 Prozent geholt - das war damals ihr bislang bestes Kommunalwahlergebnis im Freistaat, allerdings war die politische GroĂwetterlage damals eine andere. Deshalb ging es nun deutlich ins Minus, auf landesweit 13,6 Prozent. Das reicht aber immerhin noch fĂŒr Platz zwei in den Kreistagen und StadtrĂ€ten der kreisfreien StĂ€dte - das sind die Zahlen, aus denen das Statistische Landesamt das Landes-Ergebnis ermittelt.
«Wir GrĂŒne sind zweitstĂ€rkste Kraft in Bayerns Dörfern, StĂ€dten und Landkreisen, und nach der Bundestagswahl geht es wieder bergauf», sagt Parteichefin Gisela Sengl. «Was uns besonders freut: Wir gewinnen in 100 neuen Orten in Bayern Mandate und verwurzeln uns noch mehr auf dem Land.»
Im MĂŒnchner Stadtrat sind die GrĂŒnen trotz Verlusten wieder stĂ€rkste Kraft geworden - und mehr noch: Bei der Stichwahl um den OB-Sessel tritt ihr Kandidat Dominik Krause mit nur wenig Abstand gegen Dieter Reiter (SPD) an. Den Landrats-Posten in Miltenberg haben die GrĂŒnen zwar nicht mehr - im Landkreis Landsberg am Lech allerdings kam ihre Kandidatin Daniela GroĂ fast an den CSU-Amtsinhaber heran - und hofft nun auf die Stichwahl am 22. MĂ€rz.
SPD
FĂŒr die SPD war es 2020 schon um rund sieben Prozentpunkte auf historisch schlechte 13,7 Prozent nach unten gegangen. Nun sackte die Partei weiter auf 12,3 Prozent ab - sie landete damit aber noch knapp auf Rang drei vor der AfD.
Das SPD-Zwischenfazit fĂ€llt gemischt aus. «Als Bayern-SPD-Chefin schlagen gerade zwei Herzen in meiner Brust: EnttĂ€uschung ĂŒber die EinbuĂen bei den Gemeinde- und KreisrĂ€ten, aber Freude ĂŒber sieben OB-Sitze und noch einige offene Rennen in den groĂen bayerischen StĂ€dten», sagt Landeschefin Ronja Endres. Allerdings ist das Rennen mancherorts offener als der SPD lieb ist - etwa in MĂŒnchen, wo der amtierende SPD-OB Reiter unter Beschuss ist und nur mit einem ĂŒberschaubaren Vorsprung in die Stichwahl geht.
AfD
Die AfD trat erstmals flĂ€chendeckend in den Landkreisen und kreisfreien StĂ€dten an - deshalb war schon vorher klar, dass die Partei zulegen wĂŒrde. Am Ende steigert sie ihr landesweites Ergebnis deutlich von 4,7 auf 12,2 Prozent - liegt damit aber klar hinter ihren Umfragewerten auf Landesebene zwischen 18 und 19 Prozent.
«Wahlen sind ein zentraler Bestandteil unserer demokratischen Ordnung, und sie zeigen, wie vielfĂ€ltig die politischen Meinungen in unseren StĂ€dten, Gemeinden und Landkreisen sind», sagt Landeschef Stephan Protschka. Es gibt sogar einige Gremien, in denen die AfD kĂŒnftig zweitstĂ€rkste Kraft ist.
Allerdings: Bei sĂ€mtlichen Personenwahlen war die AfD chancenlos. Es gibt bayernweit keinen Landrat, OB oder BĂŒrgermeister mit AfD-Parteibuch - und mehr noch: Kein AfD-Kandidat hat es irgendwo in eine Stichwahl geschafft.
Freie WĂ€hlerÂ
Die Freien WĂ€hler sind im Gegensatz zu CSU, GrĂŒnen und SPD am Sonntag landesweit nahezu konstant geblieben, sie legten sogar minimal von 11,9 auf 12,1 Prozent zu. Entsprechend selbstbewusst erklĂ€rt Parteichef Hubert Aiwanger: «Wir Freien WĂ€hler gehen gestĂ€rkt aus der Kommunalwahl hervor, was auch eine Steilvorlage fĂŒr eine erfolgreiche Landtagswahl 2028 ist.»
Eine Messlatte fĂŒr die Freien WĂ€hler ist aber insbesondere, ob sie die Zahl ihrer LandrĂ€te werden halten können - und das wird sich erst am 22. MĂ€rz zeigen.
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