Ukrainer getötet - Generalstaatsanwaltschaft ermittelt
29.04.2024 - 16:08:51Nach der Tötung zweier ukrainischer Soldaten im oberbayerischen Murnau konzentrieren sich die Ermittlungen auf die KlĂ€rung des Tatmotivs. «Das Motiv der Tat ist derzeit noch unklar, wobei eine politische Tatmotivation nicht ausgeschlossen werden kann und in alle Richtungen ermittelt wird», teilte die Generalstaatsanwaltschaft MĂŒnchen am Montagnachmittag mit. Die Behörde hatte zuvor die Ermittlungen ĂŒbernommen. Konkret zustĂ€ndig innerhalb der Behörde ist die Bayerische Zentralstelle zur BekĂ€mpfung von Extremismus und Terrorismus (ZET).Â
Die beiden MĂ€nner im Alter von 23 und 36 Jahren waren am Samstagabend auf dem GelĂ€nde eines Einkaufszentrums in Murnau in Oberbayern erstochen worden. Die Polizei nahm kurz darauf einen Mann unter dringendem Tatverdacht fest. Es handelt sich dabei um einen 57 Jahre alten Russen. Er wohne bereits seit Anfang der 1990er-Jahre in Deutschland, teilte die Generalstaatsanwaltschaft weiter mit. Der Obduktion zufolge erlagen die MĂ€nner an ihren schweren Stichverletzungen. Der Ă€ltere der beiden starb direkt am Tatort, der jĂŒngere kurze Zeit spĂ€ter in einem Krankenhaus. Die MĂ€nner hatten im Landkreis Garmisch-Partenkirchen gelebt. Â
Dass die Generalstaatsanwaltschaft die Ermittlungen an sich zieht, bedeutet jedoch nicht, dass zwingend auch eine politische Tatmotivation hinter dem Fall steckt. Laut Polizeiangaben gab es zunÀchst auch keine Hinweise darauf, dass der russische Angriffskrieg eine Rolle spielte. In Deutschland leben Hunderttausende Ukrainer und Russen.
Zur medizinischen Rehabilitation in Deutschland
Nach den bisherigen Ermittlungen kannten sich die drei MÀnner. Es habe eine Vorbeziehung bestanden, erlÀuterten die Ermittler. Es sei davon auszugehen, dass alle drei Alkohol konsumiert hatten. «Bei dem TatverdÀchtigen haben wir eindeutige Anhaltspunkte, dass er alkoholisiert war», sagte Polizeisprecher Stefan Sonntag.
Ukrainischen Medien zufolge waren die beiden MĂ€nner nach Kriegsverletzungen zur medizinischen Rehabilitation in Deutschland. Die Generalstaatsanwaltschaft teilte dazu mit, die beiden hielten sich seit der zweiten JahreshĂ€lfte 2023 fĂŒr medizinische Behandlungen in der Region Murnau auf.
Am Tatort an einem Einkaufszentrum lagen am Montag zahlreiche Blumen und Transparente, am Boden standen Kerzen. «Die Ukrainer des Bezirks trauern zutiefst und verurteilen das Verbrechen!» war zu lesen, auf einem anderen Plakat stand «Nein - Terrorismus! Nein - Krieg! Nein - Morde! Nein - Tod!» Daneben Bilder der beiden Getöteten und die ukrainische Flagge. Einheimische zeigten sich schockiert. Viele kamen an den Ort, legten Blumen nieder -  manche verharrten im stillen Gebet.Â
Ukrainischer AuĂenminister dankt Behörden
Murnaus BĂŒrgermeister Rolf Beuting (ĂDP) sagte dem BR, die ukrainische und die deutsche Gemeinschaft seien geschockt. Einen Zusammenhang mit dem Krieg zwischen Russland und der Ukraine sah der BĂŒrgermeister nicht. Er bezeichnete die Tat als bedauerlichen Einzelfall, «in dem wohl sehr viel Alkohol eine Rolle gespielt hat».
Gegen den TatverdĂ€chtigen erging bereits am Sonntag Haftbefehl. Einen Bericht des Bayerischen Rundfunks, nach dem der TatverdĂ€chtige die Tat eingerĂ€umt hat, bestĂ€tigten die Ermittler zunĂ€chst nicht. Auch zu den Verletzungen der beiden Getöteten, die dem Vernehmen nach in Murnau behandelt wurden, Ă€uĂerten sich die Ermittler nicht. Es gehe hier um Persönlichkeitsrechte, sagte Polizeisprecher Sonntag.
Der ukrainische AuĂenminister Dmytro Kuleba hatte seine Diplomaten angewiesen, den Fall besonders im Blick und den stĂ€ndigen Kontakt zu den Sicherheitsorganen Deutschlands zu halten, damit der VerdĂ€chtige nach der ganzen HĂ€rte des Gesetzes bestraft werde, hieĂ es in den Berichten vom Sonntagabend. Kuleba dankte den deutschen Behörden fĂŒr die Festnahme des 57 Jahre alten VerdĂ€chtigen, wie das Internetportal «Ukrajinska Prawda» berichtete.Â
In der Ukraine wurde zunĂ€chst noch geklĂ€rt, in welchen Einheiten die MĂ€nner gedient hĂ€tten, hieĂ es in den Medienberichten aus Kiew. Es werde auch Kontakt zu den Angehörigen aufgenommen.Â


