AuslÀnder, Messerattacken

AuslÀnder und Deutsche: Wer steckt hinter Messerattacken?

25.01.2025 - 04:30:37 | dpa.de

Nach einem Messerangriff wie in Aschaffenburg heißt es schnell, FlĂŒchtlinge wĂŒrden diese KriminalitĂ€t ins Land bringen. Was die Daten zur Herkunft von TatverdĂ€chtigen tatsĂ€chlich zeigen.

TatverdĂ€chtige bei Messerattacken sind ĂŒberwiegend erwachsene MĂ€nner. (Symbolfoto) - Foto: Federico Gambarini/dpa
TatverdĂ€chtige bei Messerattacken sind ĂŒberwiegend erwachsene MĂ€nner. (Symbolfoto) - Foto: Federico Gambarini/dpa

Nach dem tödlichen Angriff eines afghanischen Asylbewerbers in Aschaffenburg rĂŒcken Fragen um Messergewalt in Zusammenhang mit Migration wieder in den Fokus. Manche meinen, mehrheitlich steckten FlĂŒchtlinge hinter solchen Attacken, die teils religiös motiviert seien. Ist das wahr oder ĂŒbertrieben? Eine Einordnung:

BKA erfasst Zahlen seit 2020

Das Bundeskriminalamt (BKA) definiert Messerangriffe in seiner Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) als «Tathandlungen, bei denen der Angriff mit einem Messer unmittelbar gegen eine Person angedroht oder ausgefĂŒhrt wird». Das bloße MitfĂŒhren eines Messers reiche hingegen fĂŒr eine Erfassung nicht aus, erklĂ€rt eine BKA-Sprecherin. Bei Messerangriffen unterscheidet das BKA weder nach Migrationshintergrund noch nach deutscher oder nicht-deutscher Herkunft.

Seit Anfang 2020 werden in der PKS Messerangriffe erfasst. Hintergrund der Aufnahme in die Statistik ist dem BKA zufolge ein Anstieg von Straftaten unter Verwendung des Tatmittels Messer. Die PKS nennt fĂŒr 2023 insgesamt 8.951 Messerangriffe im Zusammenhang mit gefĂ€hrlicher und schwerer Körperverletzung. 2022 waren es 8.160 und im Jahr zuvor 7.071 FĂ€lle. Bei Raubdelikten hat die Polizei 4.893 Messerdelikte im Jahr 2023 erfasst, 2022 waren es 4.195 und 2021 insgesamt 3.060 FĂ€lle.

Bundespolizei unterscheidet nach Staatsangehörigkeit

Im Gegensatz zum BKA erfasst die Bundespolizei, die fĂŒr die deutschen Außengrenzen sowie Bahnhöfe und FlughĂ€fen zustĂ€ndig ist, bereits seit 2019 in ihrer Eingangsstatistik Gewaltdelikte, bei denen ein Messer eingesetzt wurde - und nennt dabei auch die Staatsangehörigkeit von TatverdĂ€chtigen.

Dieser Statistik zufolge gab es 2023 etwa an den deutschen Grenzen, nahe Bahnhöfen und FlughĂ€fen 777 Delikte, bei denen ein Messer eingesetzt wurde. 2022 waren es 591. FĂŒr 2023 nennt die Statistik 180 deutsche TatverdĂ€chtige und 218 Personen mit unbekannter Herkunft. Dazu kommen 216 nicht-deutsche TatverdĂ€chtige. 2022 waren es zum Vergleich 169 deutsche TatverdĂ€chtige, ebenso 169 Personen mit ungeklĂ€rter und 174 mit nicht-deutscher Herkunft.

Bei den nicht-deutschen Staatsangehörigkeiten unter den TatverdĂ€chtigen dominierten 2023 nach Angaben der Bundesregierung Personen aus Syrien (24 FĂ€lle), Polen (17) und der TĂŒrkei (16). Im Jahr 2022 standen diese drei Nationen auch schon auf den ersten drei PlĂ€tzen.

Wie das BKA erhebt die Bundespolizei ebenfalls nicht, ob TatverdÀchtige Migrationshintergrund haben - also Menschen, die selbst oder bei denen mindestens ein Elternteil nicht mit deutscher Staatsangehörigkeit geboren wurden.

Zahlen aus den LĂ€ndern zeigen eine genauere Herkunft

Eine Unterscheidung bei der Herkunft von TatverdĂ€chtigen bei Messerangriffen findet sich allerdings in manch Bundesland. Nordrhein-Westfalen etwa splittet die fast 4.000 TatverdĂ€chtigen im Jahr 2022 auf 2.226 Deutsche (55,6 Prozent) und 1.765 AuslĂ€nder ohne deutschen Pass (44,2) auf. Unter der letzten Gruppe befinden sich dabei 660 zugewanderte TatverdĂ€chtige (16,5). Dabei handelt es sich laut Landeskriminalamt um Asylbewerber, Schutz- und Asylberechtigte, KontingentflĂŒchtlinge sowie Geduldete.

Bei den BundeslĂ€ndern, die die NationalitĂ€t der TatverdĂ€chtigen in ihrer Kriminalstatistik erfassen, sind zwischen einem Drittel und der HĂ€lfte von ihnen nicht-deutscher Herkunft. Beispiele sind ThĂŒringen und Niedersachsen mit je 41 Prozent oder Hessen mit etwa 50 Prozent. Zum Vergleich: Von mehr als 83 Millionen Menschen in Deutschland waren Ende 2023 knapp 13,9 Millionen AuslĂ€nder.

Was klar ist: Bei Messerangriffen dominiert ein Geschlecht. TatverdĂ€chtige sind dem Mediendienst Integration zufolge in der Regel MĂ€nner (in fast 90 Prozent der FĂ€lle) und ĂŒberwiegend Erwachsene, die Ă€lter als 21 Jahre sind.

Extremistische Gewalttaten aus religiöser Ideologie vergleichsweise niedrig

Wer nach islamistischen Motiven bei Gewalttaten sucht, wird zumindest teilweise in der Statistik zur Politisch motivierten KriminalitĂ€t (PMK) beim BKA fĂŒndig. Messerangriffe werden darin aber nicht explizit ausgewiesen. Zahlen gibt es aber etwa fĂŒr «extremistische Straftaten», die darauf abzielen, «bestimmte VerfassungsgrundsĂ€tze zu beseitigen oder außer Geltung zu setzen, die fĂŒr unsere freiheitliche demokratische Grundordnung prĂ€gend sind».

So werden dem PMK-Unterbereich «religiöse Ideologie» Straftaten zugeordnet, «bei denen Anhaltspunkte dafĂŒr vorliegen, dass eine religiöse Ideologie entscheidend fĂŒr die Tatbegehung war und die Religion zur BegrĂŒndung der Tat instrumentalisiert wurde». Hier gab es 2023 insgesamt 72 extremistische Gewalttaten. Im Jahr davor waren es 43.

Zum Vergleich: In der PMK «rechts» werden Taten erfasst, wenn «Anhaltspunkte dafĂŒr vorliegen, dass sie nach verstĂ€ndiger Betrachtung einer "rechten" Orientierung zuzurechnen sind». Dabei wurden 1.148 extremistische Gewalttaten im Jahr 2023 gezĂ€hlt (2022: 1.016).

So schÀtzen die Börsenprofis Aktien ein!

<b>So schÀtzen die Börsenprofis Aktien ein!</b>
Seit 2005 liefert der Börsenbrief trading-notes verlĂ€ssliche Anlage-Empfehlungen – dreimal pro Woche, direkt ins Postfach. 100% kostenlos. 100% Expertenwissen. Trage einfach deine E-Mail Adresse ein und verpasse ab heute keine Top-Chance mehr. Jetzt abonnieren.
FĂŒr. Immer. Kostenlos.
politik | 66532160 |