SchÀden und Vermisste nach Unwetter in der Schweiz
23.06.2024 - 15:43:55 | dpa.deFĂŒr drei Vermisste, ein junges Paar und eine Ă€ltere Frau, gab es am Sonntag kaum noch Hoffnung. Ihre HĂ€user waren bei einem Erdrutsch im Misoxtal in GraubĂŒnden am Freitagabend zerstört worden.
"Wenn wir die VerschĂŒttungen anschauen mit den riesigen Geröllmassen, sind die Ăberlebenschancen (...) relativ gering", sagte ein Polizeisprecher. Die Bahnstrecke von Visp nach Zermatt war teils beschĂ€digt und gesperrt. Der autofreie Ort am Matterhorn im Kanton Wallis war mehr als 24 Stunden von der AuĂenwelt abgeschnitten. Nur auf den letzten Kilometern ab TĂ€sch verkehrten ab Samstagabend wieder ZĂŒge. Ansonsten fuhren Busse als Ersatz.
Schuttstrom reiĂt HĂ€user mit
In der Gemeinde Lostallo im Misoxtal war die BestĂŒrzung groĂ. Bilder zeigten die groĂe VerwĂŒstung. Es war dort ein breiter Schuttkegel zu sehen. Der Erdrutsch hatte drei HĂ€user fortgerissen. Eine Frau war am Samstag lebend gefunden und gerettet worden. Von den anderen, die im Dorf bekannt sind, fehlte jede Spur.
"Es wird in der NĂ€he der HĂ€user gesucht, aber auch im darunterliegenden Fluss, fĂŒr den Fall, dass die drei von den Fluten mitgerissen wurden", sagte Forstingenieur Patrick Mottis, der beim AufrĂ€umen half, der Zeitung "Blick". Als Regierungsmitglied machte sich AuĂenminister Ignazio Cassis am Sonntag ein Bild von der Lage.
Wassermassen vernichten AutobahnstĂŒck
Die Nord-SĂŒd-StraĂen durch das Misoxtal nördlich des Comer Sees waren weitgehend gesperrt. Auf der Autobahn A13 oberhalb von Lostallo wurde ein 200 Meter langes StĂŒck zerstört. An einer Stelle war die gesamte vierspurige Fahrbahn von Wasser unterspĂŒlt und eingebrochen. Die A13 ist eine wichtige Ausweichroute fĂŒr den Ferienverkehr ĂŒber den San-Bernardino-Pass in Richtung Italien, wenn der Gotthard-Tunnel ĂŒberlastet ist.
Das Bundesamt fĂŒr StraĂen (Astra) begutachtete die SchĂ€den und wollte am Montag mit Reparaturen beginnen, wenn das Wasser genĂŒgend zurĂŒckgeht. Wie lange es dauert, war nicht abzusehen. "Aber wir sprechen nicht von Tagen", sagte Astra-Sprecher Lorenzo Quolantoni dem "Blick". Eine BrĂŒcke hatte dem tosenden Wasser nach erster EinschĂ€tzung aber standgehalten.
Zermatt wieder mit Zug erreichbar
Der weltberĂŒhmte Skisport- und Wanderort Zermatt mit Blick auf das Wahrzeichen der Schweiz, das Matterhorn, war mehr als 24 Stunden von der AuĂenwelt abgeschnitten. Sowohl die Bahnlinie als auch die ZufahrtsstraĂe waren am Freitag gesperrt worden. Im Dorf selbst traten BĂ€che ĂŒber die Ufer und donnerten bedrohlich an den HĂ€usern vorbei ins Tal. Alle Einwohner und FeriengĂ€ste seien aber die ganze Zeit in Sicherheit gewesen, versicherte die Gemeinde.
Zermatt-Besucher mĂŒssen ihre Autos in TĂ€sch parken und die letzten fĂŒnf Kilometer mit dem Zug weiterfahren. Die Bahnstrecke Zermatt-TĂ€sch wurde am Samstagabend wieder freigegeben, so dass mit dem Auto Angereiste zu ihren Fahrzeugen kamen. Die StraĂe ins Rhonetal war frei. FĂŒr Bahnreisende bleibt die Anreise schwierig: Zwischen Visp und TĂ€sch verkehrten vorerst nur Busse, weil die Bahntrasse beschĂ€digt worden war. Die Matterhorn-Gotthard-Bahn warnte im Kurznachrichtendienst X vor Wartezeiten in Visp und TĂ€sch.
Entspannung an Rhone und Bodensee
An der Rhone drohten vor dem Eintritt in den Genfersee am Freitagabend ebenfalls gröĂere Ăberschwemmungen. Wegen der heftigen RegenfĂ€lle im Gebirge kam es an den SeitenflĂŒssen vereinzelt zu MurgĂ€ngen. Die Behörden hoben ihren Alarm aber am Sonntag nach dem Nachlassen der RegenfĂ€lle auf.
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