SommermÀrchen-Prozess: Verfahren gegen Niersbach eingestellt
26.08.2024 - 11:55:34Ohne sichtliche Regung verlieĂ Wolfgang Niersbach nach der Einstellung des Verfahrens im SommermĂ€rchen-Prozess gegen ihn den Saal 9 am Landgericht Frankfurt. Eine vom Gericht verfĂŒgte Geldauflage von 25.000 Euro zugunsten gemeinnĂŒtziger Einrichtungen markierte das Ende der WM-AffĂ€re fĂŒr den ehemaligen DFB-Boss, der durch den 2015 öffentlich gewordenen Skandal rund um die FuĂball-WM 2006 tief gefallen war.
«Dies ist kein Freispruch. Der Tatverdacht besteht weiter, auch wenn die Schuld als gering zu betrachten ist», sagte die Vorsitzende Richterin Eva-Marie Distler ĂŒber die Einstellung des Verfahrens gegen Niersbach wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung in einem besonders schweren Fall. Diese gilt vorerst fĂŒr einen Monat. ErfĂŒllt Niersbach bis zum 9. September die Geldauflage, ist der Prozess fĂŒr ihn endgĂŒltig beendet.Â
Dies dĂŒrfte nur eine Formsache sein, da der 73-JĂ€hrige der Vereinbarung ebenso wie die Staatsanwaltschaft Frankfurt zustimmte. Die Behörde hatte zwar eine Geldauflage von 58.000 Euro angedacht. Dennoch bezeichnete Oberstaatsanwalt Jesco KĂŒmmel die Entscheidung als «sachdienlich und gerechtfertigt».Â
WM-AffĂ€re löste tiefen Fall fĂŒr Niersbach aus
Distler begrĂŒndete die getroffene Vereinbarung damit, dass Niersbach «möglicherweise der Einzige ist, der nicht explizit involviert war in die VorgĂ€nge». Zudem sei der ehemalige DFB-PrĂ€sident durch den Skandal am tiefsten gefallen. «FĂŒr ihn war es ein persönliches Waterloo. Er hat alle Ămter verloren. Die Auswirkungen waren deutlich gröĂer als bei den anderen Angeklagten», sagte die Richterin.Â
Schon vor der Sommerpause des Steuerprozesses hatte die Richterin die Abtrennung des Verfahrens gegen den frĂŒheren DFB-GeneralsekretĂ€r Horst R. Schmidt aus gesundheitlichen GrĂŒnden verfĂŒgt. In dem Prozess ist neben Niersbach und Schmidt noch der ehemalige DFB-PrĂ€sident Theo Zwanziger angeklagt.Â
Ihm hatte das Gericht keinen Deal vorgeschlagen, da der 79-JĂ€hrige laut Distler auf einen Freispruch abziele. Dieser sei erst am Ende des Prozesses möglich. «Eine Einstellung des Verfahrens kommt daher nach WĂŒrdigung der bisherigen Beweisaufnahme fĂŒr die Kammer derzeit nicht infrage», sagte Distler.Â
Niersbach-AnwÀltin: «Kein SchuldeingestÀndnis»
Die einstigen SpitzenfunktionĂ€re des Deutschen FuĂball-Bundes (DFB) sollen eine im April 2005 an den Weltverband FIFA erfolgte Zahlung in Höhe von 6,7 Millionen Euro in der SteuererklĂ€rung fĂŒr 2006 unrechtmĂ€Ăig als Betriebsausgabe deklariert und damit die Steuer fĂŒr das WM-Jahr um rund 13,7 Millionen Euro gekĂŒrzt haben. Alle drei Angeklagten weisen den Vorwurf strikt zurĂŒck.
«Herr Niersbach muss seit neun Jahren erleben, wie sein berufliches Lebenswerk verunglimpft wird», hatte Niersbachs AnwĂ€ltin Renate Verjans zum Prozessauftakt im MĂ€rz gesagt. Ihr Mandat nutze nun die Möglichkeit, «die Belastungen fĂŒr ihn und seine Familie» zu beenden.Â
Sie bekrĂ€ftigte zudem, dass die Einstellung des Verfahrens gegen eine Geldauflage «kein SchuldeingestĂ€ndnis» von Niersbach sei. Der heute 73-JĂ€hrige war nach einem stetigen Aufstieg beim DFB von 2012 bis 2015 dessen PrĂ€sident, ehe er wegen der WM-AffĂ€re zurĂŒcktrat.Â
Verfahren wird fortgesetzt
Die FIFA hatte die 6,7 Millionen Euro nur einen Tag nach dem Eingang an Robert Louis-Dreyfus weitergeleitet. Der französische Unternehmer hatte im Jahr 2002 ein Darlehen in Höhe von zehn Millionen Schweizer Franken auf ein Konto von Franz Beckenbauer ĂŒberwiesen. Diese Summe war spĂ€ter auf einem Firmenkonto des damaligen FIFA-VizeprĂ€sidenten, Mohamed bin Hammam, in Katar gelandet. Welchem Zweck das Geld diente, ist immer noch unklar.
Als weitere Zeugen vor Gericht werden unter anderem noch der ehemalige FIFA-PrÀsident Joseph S. Blatter sowie die Ex-DFB-PrÀsidenten Fritz Keller und Reinhard Grindel erwartet.


