Was die Ampel-Regierung noch fĂŒr Mieter tun will
17.10.2024 - 12:01:44 | dpa.deWer in den nĂ€chsten vier Jahren in ein beliebtes Wohngebiet zieht, kann wohl weiter auf die Mietpreisbremse setzen. Diese Regelung verhindert, dass Vermieter bei neuen VertrĂ€gen ĂŒber GebĂŒhr zuschlagen. Sie drohte in einigen Gegenden schon Mitte 2025 auszulaufen, nun bringt Justizminister Marco Buschmann (FDP) eine VerlĂ€ngerung bis Ende 2028 auf den Weg.Â
In der Ampel-Koalition sorgt das nicht ĂŒberall fĂŒr Freude - denn im Koalitionsvertrag hatten SPD, GrĂŒne und FDP eine VerlĂ€ngerung «bis zum Jahre 2029» vereinbart. Die Baupolitikerinnen der GrĂŒnen, Christina-Johanne Schröder und Julia Verlinden, pochten direkt auf die Einhaltung des Vertrags. Doch viel Zeit bleibt nicht, um im Bundestag noch Ănderungen zu erstreiten. Und auch andere Koalitionsversprechen zum Schutz von Mieterinnen und Mietern sind noch offen.
Was die Mietpreisbremse ist
Sie gilt seit 2015 und begrenzt Mietpreise bei NeuvertrĂ€gen. Vermieter dĂŒrfen in Gebieten mit angespannten WohnungsmĂ€rkten dadurch im Grundsatz maximal zehn Prozent mehr als die ortsĂŒbliche Vergleichsmiete verlangen. Welche Gebiete das sind, entscheidet die jeweilige Landesregierung.Â
Allerdings gibt es einige Ausnahmen und Schlupflöcher, wie der Deutsche Mieterbund immer wieder bemÀngelt. So ist die Regelung nicht anzuwenden auf Wohnungen, die erst nach dem 1. Oktober 2014 erstmals genutzt und vermietet wurden. Mit der Zeit fallen also immer mehr Neubauten unter die Ausnahme. Ausgenommen ist auch die erste Vermietung nach einer umfassenden Modernisierung. Wenn bereits der Vormieter mehr zahlen musste als laut Bremse erlaubt, darf der Vermieter vom neuen Mieter genauso viel verlangen. Bei möblierten Wohnungen gilt die Bremse zwar grundsÀtzlich, Vermieter können aber einen Zuschlag verlangen.
Was die Bremse bringt
Die Begrenzung habe den Anstieg der Mieten in den betroffenen Gegenden «zumindest moderat verlangsamt», heiĂt es im Justizministerium. Eine Anfang 2019 vorgestellte Studie des Deutschen Instituts fĂŒr Wirtschaftsforschung (DIW) im Auftrag des Ministeriums bescheinigt der Mietpreisbremse eine messbare Wirkung. Der Effekt liege allerdings nur bei zwei bis vier Prozent. In Zahlen heiĂt das: Wer heute 1000 Euro Miete zahlt, mĂŒsste ohne Mietpreisbremse 1020 bis 1040 Euro im Monat berappen. Allerdings hielten sich damals nicht alle Vermieter an die Preisbremse - und Mieter klagten nicht unbedingt.
Was sich jetzt Àndern soll
Buschmann will höhere HĂŒrden anlegen: Wenn die Mietpreisbremse in einem bestimmten Gebiet wiederholt greifen soll, sollen neue Anforderungen fĂŒr die BegrĂŒndung gelten. Dann soll das Land zum Beispiel erklĂ€ren, was es getan hat, um den Mietmarkt in der Gegend zu entspannen. Das solle sicherstellen, dass die VerlĂ€ngerung einer verfassungsgerichtlichen Kontrolle standhalte, hieĂ es aus dem Justizministerium.
Was die Koalition noch fĂŒr Mieter tun will
Die VerlÀngerung der Mietpreisbremse kommt deutlich spÀter als sich das manche in der Ampel vorgestellt hatten. Erst brauchte Buschmann lange, bis er das Thema anpackte. Dann warf er der SPD vor, die VerlÀngerung mit Nachforderungen zu verzögern.
Die Sozialdemokraten hĂ€tten die Bremse gern noch verschĂ€rft. SPD-Fraktionsvize Dirk Wiese kĂŒndigte an: «Im parlamentarischen Verfahren werden wir nun darauf drĂ€ngen, dass auch die Schlupflöcher beim möblierten und befristeten Wohnen geschlossen werden.» Die Ausnahme von Neubauten mĂŒsse zeitlich angepasst werden. Das ist im Ministeriumsentwurf nicht vorgesehen.
Im Koalitionsvertrag vereinbart sind eigentlich auch strengere Regeln fĂŒr bereits bestehende MietvertrĂ€ge, von denen also Mieter profitieren, die schon lĂ€nger in ihrer Wohnung leben. So sollten Mieterhöhungen von ĂŒber elf Prozent verboten werden, wenn Wohnraum knapp sei, betonte Verlinden. Auch Wiese ermahnte Buschmann, die im Koalitionsvertrag vereinbarten Punkte umzusetzen.Â
Die FDP jedoch bremst: Seit Abschluss des Koalitionsvertrags hĂ€tten sich die Rahmenbedingungen fĂŒr die Bau- und Immobilienwirtschaft drastisch verschlechtert, hieĂ es aus Buschmanns Ministerium. «Weitere VerschĂ€rfungen des sozialen Mietrechts wĂŒrden den Neubau von Wohnungen womöglich noch unattraktiver machen.» Es mĂŒsse daher kritisch geprĂŒft werden, ob die im Koalitionsvertrag vorgesehenen MaĂnahmen noch sinnvoll seien.
Was die Regierung politisch mit der Mietpreisbremse verknĂŒpft hat
Der Durchbruch bei der Mietpreisbremse war Ampel-intern nur möglich wegen einer Parallel-Einigung ĂŒber ein ganz anderes Thema: den lange umstrittenen Umgang mit Kommunikationsdaten zu Ermittlungszwecken. Buschmann brachte auch hierzu einen Entwurf auf den Weg, ĂŒber den zuerst die «SĂŒddeutsche Zeitung» berichtete. Vorgesehen ist keine Vorratsdatenspeicherung, sondern das sogenannte «Quick-Freeze-Verfahren». Dabei werden Verbindungsdaten wie IP-Adressen und an Anrufen beteiligten Telefonnummern erst dann gespeichert, wenn ein Verdacht auf eine Straftat erheblicher Bedeutung - etwa Mord oder Totschlag - besteht.
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