Deutsche Wirtschaft wÀchst leicht und hofft auf Aufschwung
15.01.2026 - 11:44:24Deutschland ist knapp am dritten Jahr ohne Wirtschaftswachstum vorbeigeschrammt und hofft nun auf einen von staatlichen Milliardeninvestitionen getragenen Aufschwung. FĂŒr 2025 errechnete das Statistische Bundesamt auf vorlĂ€ufiger Basis ein Mini-Wachstum von 0,2 Prozent. Im Jahr 2023 (minus 0,9 Prozent) und 2024 (minus 0,5 Prozent) war Europas gröĂte Volkswirtschaft in die Rezession gerutscht.
Im neuen Jahr dĂŒrften Milliardenausgaben fĂŒr Infrastruktur wie StraĂen und Schienen sowie fĂŒr Verteidigung fĂŒr Auftrieb sorgen. Helfen dĂŒrfte der Konjunktur auch, dass es 2026 mehr Arbeitstage gibt, weil mehr Feiertage auf ein Wochenende fallen.Â
Einen spĂŒrbaren Aufschwung erwarten viele Ăkonomen allerdings erst ab 2027, wenn die gewaltigen Summen, die der Staat in die Hand nimmt, ihre volle Wirkung entfalten. Damit jedoch die Lockerung der Schuldenbremse und die so ermöglichten Ausgaben kein Strohfeuer erzeugen, seien Reformen zwingend.Â
Hoffen auf Trendwechsel
«Zu Jahresbeginn gibt es zumindest den Hoffnungsschimmer, dass wir die Talsohle endlich erreicht haben», sagte DIHK-HauptgeschĂ€ftsfĂŒhrerin Helena Melnikov. «Es liegt allerdings noch ein weiter Weg vor uns, bis wir einen echten Aufschwung sehen werden.»
Thomas Gitzel, Chefvolkswirt der VP Bank, sprach von einer geringen Wachstumsausbeute. Die Hoffnung auf einen Trendwechsel 2026 sei dennoch berechtigt. So werde die Produktion wohl anziehen, zudem dĂŒrften sich Projekte aus den Infrastruktur-Sondervermögen in den AuftragsbĂŒchern niederschlagen. «Die deutsche Wirtschaft kann sich deshalb auf höhere Wachstumsraten freuen.»
Jahresendspurt 2025Â
Zum Jahresende 2025 nahm die deutsche Wirtschaft bereits etwas Fahrt auf. Auf Basis vorlÀufiger Daten schÀtzen die Statistiker, dass das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im vierten Quartal zum Vorquartal preis-, saison- und kalenderbereinigt um 0,2 Prozent zulegte.
«Das Wachstum ist vor allem auf die gestiegenen Konsumausgaben der privaten Haushalte und des Staates zurĂŒckzufĂŒhren», sagte die PrĂ€sidentin des Statistischen Bundesamtes, Ruth Brand, in Berlin mit Blick auf das Gesamtjahr.
Dagegen gingen die Exporte zurĂŒck, gerade wegen der Zollpolitik von US-PrĂ€sident Donald Trump, die das US-GeschĂ€ft einbrechen lieĂ. Insgesamt schrumpften die deutschen Exporte 2025 im dritten Jahr in Folge (minus 0,3 Prozent), wĂ€hrend die Importe um 3,6 Prozent zunahmen. «Die Exportwirtschaft sah sich heftigem Gegenwind ausgesetzt durch die höheren US-Zölle, die Euro-Aufwertung und die stĂ€rkere Konkurrenz aus China», sagte Brand.Â
Zudem halte die InvestitionsschwĂ€che der Unternehmen an. Sowohl in AusrĂŒstungen, zu denen Maschinen, GerĂ€te und Fahrzeuge zĂ€hlen, als auch Bauten sei weniger investiert worden.
International hinke die deutsche Wirtschaft hinterher, erklĂ€rten die Statistiker. Unter den groĂen EU-Staaten entwickele sich die deutsche Wirtschaft am schwĂ€chsten. Das liege auch daran, dass China immer mehr zur Konkurrenz werde.
Industrie in der Krise
Vor allem die Industrie bekommt die Flaute zu spĂŒren. Dort wurde das dritte Jahr in Folge weniger erwirtschaftet. SchlĂŒsselbranchen wie Auto- und Maschinenbau verzeichneten EinbuĂen, energieintensive Industrien wie die Chemie unterschritten das niedrige Niveau der Vorjahre nochmals. RĂŒckgĂ€nge gab es auch im Baugewerbe, wegen der Krise im Wohnungsbau.
Verbraucher geben mehr aus
GestĂŒtzt wurde die Wirtschaft dagegen vom Konsum der Verbraucher, die trotz gestiegener Preise, etwa fĂŒr Lebensmittel, ĂŒberraschend um 1,4 Prozent zulegten. Besonders fĂŒr Gesundheit gaben sie mehr Geld aus, aber auch fĂŒr MobilitĂ€t, etwa fĂŒr Auto-KĂ€ufe.
Der Staatskonsum stieg 2025 mit plus 1,5 Prozent noch etwas stĂ€rker - vor allem, weil die Sozialversicherung mehr Geld fĂŒr Krankenhaus- und Arztbehandlungen, Medikamente sowie Pflege ausgab.
Die Wirtschaftsflaute trifft auch den Arbeitsmarkt, wenngleich er robust bleibt. Im Jahresschnitt waren 46 Millionen Menschen in Deutschland erwerbstÀtig. Damit kam der langjÀhrige Anstieg der ErwerbstÀtigen zum Erliegen.
Das Bundeswirtschaftsministerium beurteilte die Lage zurĂŒckhaltend. Mit dem Fiskalpakets dĂŒrfte sich die Konjunktur zwar stabilisieren und im Jahresverlauf an Dynamik gewinnen. JĂŒngste Daten signalisierten aber keine breite Belebung, so die EinschĂ€tzung.
«Historische Herausforderungen»
Deutlicher wird Dekabank-Chefvolkswirt Ulrich Kater: «Wirtschaftlich war 2025 ein weiteres verlorenes Jahr fĂŒr Deutschland», sagte er. Das kleine Wachstum hĂ€nge am privaten Konsum und den Staatsausgaben. «Die fĂŒr das langfristige Wachstum und die WettbewerbsfĂ€higkeit wichtigen Investitionen sind dagegen weiter gesunken.» Dabei seien die Herausforderungen mit den US-Zöllen, Konkurrenz aus China und technologischen Revolutionen historisch groĂ.
Staatsdefizit sinktÂ
Die steigenden Staatsausgaben treiben die Staatsquote hoch - das VerhĂ€ltnis der Staatsausgaben zur Wirtschaftsleistung: Sie lag 2025 bei 50,3 Prozent und stieg damit erstmals seit der Corona-Pandemie ĂŒber die 50-Prozent-Marke.
Insgesamt wuchsen die Einnahmen des Staates aber noch stÀrker als die Ausgaben. Das lieà das Defizit von Bund, LÀndern, Gemeinden und Sozialversicherung nach vorlÀufigen Daten auf rund 107 Milliarden Euro sinken. Gemessen an der Wirtschaftsleistung betrug das Defizit 2,4 Prozent - nach 2,7 Prozent 2024. Damit hielt Deutschland die europÀische Verschuldungsregel ein, die ein Haushaltsdefizit von höchstens drei Prozent erlauben.









