SPD hÀlt an Mindestlohn-Erhöhung auf 15 Euro fest
13.04.2025 - 15:16:35"Deutschland braucht gerechte Löhne - starke Tariflöhne und einen anstĂ€ndigen Mindestlohn und keine Steuergeschenke fĂŒr Spitzenverdiener." In einem "Bild"-Interview hatte Merz zuvor gesagt, die Erhöhung zum Mindestlohn sei kein Automatismus. Man habe der Mindestlohnkommission lediglich eine Richtung vorgegeben. Die Unionsfraktion bekrĂ€ftigte wiederum Merz` Lesart: Aus dem Koalitionsvertrag leite sich eben kein Automatismus ab. "Die Festsetzung des Mindestlohns ist und bleibt Aufgabe der unabhĂ€ngigen Mindestlohnkommission. Daran halten wir als Union fest - auch als kĂŒnftige Regierungsfraktion", sagte Stephan Stracke (CSU), Sprecher der Unionsfraktion fĂŒr Arbeit und Soziales. "Politisch motivierte Festlegungen per Gesetz lehnen wir ab. Denn sie können ArbeitsplĂ€tze und Wirtschaftswachstum gefĂ€hrden." Die Mindestlohnkommission entscheide "sachlich und politisch unabhĂ€ngig", die Orientierung an Tarifentwicklungen und den 60 Prozent des Bruttomedianlohns sei im Koalitionsvertrag festgelegt worden. Nun werde sachlich und politisch unabhĂ€ngig geprĂŒft. "Das stĂ€rkt die Tarifautonomie und sichert ArbeitsplĂ€tze", sagte Stracke der "Welt". "Wer jetzt schon das Ergebnis vorgibt, missachtet diesen klaren Auftrag." Die GrĂŒnen kritisierten den Koalitionsvertrag nach Merz` Interview als "eine groĂe Nicht-Einigung". "Friedrich Merz wird das nutzen, die Mitte Ă€rmer und die Reichsten reicher machen. Die SPD hĂ€tte sowas nie unterschreiben dĂŒrfen", sagte Andreas Audretsch, Bundestagsabgeordneter und zuletzt stellvertretender GrĂŒnen-Fraktionsvorsitzender. "Noch bevor er zum Kanzler gewĂ€hlt ist, hat Friedrich Merz 15 Euro Mindestlohn schon eine Absage erteilt." Ăber 800.000 Menschen arbeiteten in Deutschland und seien trotzdem auf BĂŒrgergeld angewiesen. "Wer zu einem kleinen Lohn hart arbeitet soll weiter arm bleiben", sagte Audretsch. Die AfD hĂ€lt den Konflikt um den Mindestlohn fĂŒr den "ersten HĂ€rtetest" der kĂŒnftigen Koalition. "Schon jetzt widersprechen sich Koalitionsvertrag und Kanzler in spe. Das zeigt, wie wenig Substanz hinter den vollmundigen Versprechen steht", sagte RenĂ© Springer, Sprecher fĂŒr Arbeit und Soziales der AfD-Bundestagsfraktion. Der Mindestlohn dĂŒrfe nicht zum "politischen Spielball" werden, Löhne sollten "wirtschaftlich darstellbar und an der ProduktivitĂ€t orientiert sein", sonst gefĂ€hrde man ArbeitsplĂ€tze in kleinen Betrieben und im lĂ€ndlichen Raum. "Wir stehen zur Arbeit der unabhĂ€ngigen Mindestlohnkommission - nicht zu staatlich diktierten Löhnen", sagte Springer. "Der Vertrag liest sich wie ein Sammelsurium aus Wunschdenken und Floskeln. FĂŒr Arbeitnehmer und Betriebe bedeutet das vor allem eins: Stillstand und Unsicherheit." Die Linke kritisierte Merz scharf. "Noch nicht mal im Amt, zeigt Friedrich Merz Flagge: Die Menschen, die fĂŒr den mickrigen Mindestlohn schuften, der vorne und hinten nicht zum Leben reicht und nach einem harten Arbeitsleben direkt in die Altersarmut fĂŒhrt, sind ihm schlicht egal", sagte Linksfraktionschefin Heidi Reichinnek. Sie sieht dies auch als Strategie gegen den Rechtsruck. DafĂŒr bleibe der Bundesregierung nicht viel Zeit. "Diese Klientelpolitik fĂŒr die Reichsten, Militarisierung der Gesellschaft und harter Sozialabbau werden aber weiter den Rechten den Weg ebnen." Reichinnek macht vor allem den Sozialdemokraten Druck. Durch viele "schwammige Formulierungen im Koalitionsvertrag" entstehe erst jener "Raum fĂŒr Interpretationen". "FĂŒr die SPD war der Mindestlohn der groĂe Erfolg in den Verhandlungen. Merz fĂ€llt seinem Koalitionspartner mit dieser Aussage brutal in den RĂŒcken", sagte Reichinnek der "Welt". Beim Mindestlohn wie bei Steuersenkungen fĂŒr niedrige und mittlere Einkommen mĂŒsse die SPD auf konkretere Formulierungen bestehen. "Die SPD lĂ€sst die Gewerkschaften und BeschĂ€ftigten im Stich. Die Prekarisierung schreitet voran", so Reichinnek.


