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ROUNDUP 4 / Frachtflugzeug im DHL-Auftrag stĂŒrzt in Litauen ab - Ursachensuche

25.11.2024 - 17:05:01

(neu;: Durchgehend aktualisiert.)VILNIUS - Beim Absturz eines Frachtflugzeugs im Auftrag des Postdienstleisters DHL DE0005552004 ist am frĂŒhen Morgen kurz vor der geplanten Landung in der litauischen Hauptstadt Vilnius ein Mensch ums Leben gekommen.

(neu;: Durchgehend aktualisiert.)

VILNIUS (dpa-AFX) - Beim Absturz eines Frachtflugzeugs im Auftrag des Postdienstleisters DHL DE0005552004 ist am frĂŒhen Morgen kurz vor der geplanten Landung in der litauischen Hauptstadt Vilnius ein Mensch ums Leben gekommen. WĂ€hrend zahlreiche RettungskrĂ€fte an der UnglĂŒcksstelle im Einsatz waren, begann die Suche nach der Ursache. Es gebe bislang keine Hinweise darauf, dass es sich um Sabotage oder einen Terroranschlag gehandelt habe, sagte der litauische Verteidigungsminister Laurynas Kasciunas vor Journalisten. Die Ermittlungen könnten "etwa eine Woche dauern".

Die EinsatzkrÀfte wurden um 5.31 Uhr Ortszeit alarmiert. Insgesamt befanden sich vier Personen in dem Flugzeug. Bei dem Todesopfer handelt es sich um einen Insassen mit spanischer NationalitÀt, wie die Polizei bestÀtigte. Ob es der Pilot war, ist aber noch unklar. Zu den anderen drei Besatzungsmitgliedern gehörten ein Litauer, ein Deutscher und ein weiterer Spanier. Zum gesundheitlichen Zustand der Verletzten machten die Behörden zunÀchst keine weiteren Angaben. Zum Alter der Insassen gebe es noch keine gesicherten Informationen, erklÀrte die Polizei laut litauischer Nachrichtenagentur Elta.

Die Maschine, die in Leipzig gestartet war, stĂŒrzte knapp neben einem WohngebĂ€ude mit schlafenden Menschen ab. Diese konnten aus dem brennenden GebĂ€ude gerettet werden. Zahlreiche RettungskrĂ€fte waren an der UnglĂŒcksstelle im Einsatz.

Experte: RoutinemĂ€ĂŸige Kommunikation

Die Auswertung der Kommunikation zwischen dem Piloten und dem Tower deutet einem Bericht des litauischen Rundfunks zufolge nicht auf einen Notfall oder andere UnregelmĂ€ĂŸigkeiten beim Landeanflug hin. In dem veröffentlichten Mitschnitt ist ein völlig ruhig und routinemĂ€ĂŸig verlaufendes GesprĂ€ch zu vernehmen, wie ein vom Rundfunk befragter litauischer Luftfahrtexperte sagte.

"Ohne auf Details einzugehen, kann man sagen, dass die Piloten keine Gefahr und keine Probleme gemeldet haben. Es war eine routinemĂ€ĂŸige Kommunikation, ein einfacher Sinkflug", sagte Vidas Kaupelis von der UniversitĂ€t Vilnius nach dem Anhören der Aufzeichnung.

Auch deutsche Sicherheitsbehörden ermitteln

Verteidigungsminister Kasciunas sagte, erst, nachdem die ermittelnden Beamten mit den ĂŒberlebenden Besatzungsmitgliedern gesprochen und den Flugschreiber ausgewertet hĂ€tten, werde klar sein, was geschehen sei. Auch deutsche Ermittler beteiligen sich nach dem Absturz eines Frachtflugzeugs an der Suche nach der Unfallursache. Die Bundesstelle fĂŒr Flugunfalluntersuchung werde die Ermittlungen vor Ort in Litauen unterstĂŒtzen, sagte ein Sprecher des Bundesverkehrsministeriums vor Journalisten in Berlin. Ab dem Abend wĂŒrden Kollegen dort im Einsatz sein.

Bei dem abgestĂŒrzten Frachtflugzeug handelte es sich um eine Maschine der spanischen Fluggesellschaft Swift Air, wie DHL mitteilte. Swift Air sei unter Vertrag fĂŒr DHL tĂ€tig. Etwa einen Kilometer vor dem Flughafen von Vilnius habe die Besatzung eine Notlandung einleiten mĂŒssen. "Unsere Gedanken sind bei ihnen und ihren Angehörigen", sagte ein DHL-Sprecher. Der Leiter des Nationalen Krisenmanagementzentrums, Vilmantas Vitkauskas stellte die Situation in einem Interview anders dar. Bei einer Notlandung sollte es eine Warnung an die Fluglotsen geben. "Ich habe so etwas nicht gehört, es sei denn, wir haben etwas Falsches gehört, aber wir waren sehr ĂŒberrascht, diese Nachricht zu lesen", sagte er.

Nach Angaben der Vertriebs- und Marketingleiterin von DHL Litauen handelte es sich bei dem Flugzeug um eine Boeing 737. Transportiert habe die Maschine Pakete fĂŒr Kunden, sagte sie der Nachrichtenagentur BNS. Auf Bildern von der Unfallstelle waren vereinzelt Pakete und kaputte Kartons zu sehen. Das Flugzeug sei völlig zerstört, sagte eine Sprecherin des litauischen Rettungsdienstes der Nachrichtenagentur Elta.

PrĂ€sident besucht UnglĂŒcksstelle

Unterdessen besuchte Litauens StaatsprĂ€sident Gitanas Nauseda die UnglĂŒcksstelle. Gemeinsam mit dem deutschen Botschafter Cornelius Zimmermann und dessen spanischer Kollegin MarĂ­a Nieves Blanco DĂ­az machte sich das Staatsoberhaupt des baltischen EU-Landes ein Bild am Absturzort in der NĂ€he des Flughafens Vilnius und sprach auch mit Anwohnern.

Was fĂŒhrte zu dem UnglĂŒck?

Polizeichef Arunas Paulauskas sagte, die Beamten hÀtten bereits mit einem der verletzten Besatzungsmitglieder im Krankenhaus gesprochen. Dieser habe bestÀtigte, dass an Bord des Flugzeugs nichts Ungewöhnliches passiert sei - es habe keinen Rauch, kein Feuer oder irgendetwas anderes gegeben. Zuvor hatte Paulauskas gesagt, die Besichtigung des Tatorts, die Beweisaufnahme und die Sammlung von Informationen und Objekten könne eine ganze Woche dauern. "Diese Antworten werden nicht so schnell kommen", sagte er auf einer Pressekonferenz.

Das Flugzeug habe versucht zu landen und die Landebahn nicht erreicht, schilderte Paulauskas. Der Absturz sei "höchstwahrscheinlich auf einen technischen Fehler oder ein menschliches Versagen zurĂŒckzufĂŒhren". Zugleich sagte er auf die Nachfrage, ob es sich auch um einen Terroranschlag gehandelt haben könnte, dass ein solches Szenario nicht auszuschließen sei. "Dies ist eine der Versionen des Absturzes, die untersucht und ĂŒberprĂŒft werden mĂŒssen. Es liegt noch viel Arbeit vor uns."

Der Chef des litauischen Nachrichtendienstes, Darius Jauniskis, sagte nach Angaben litauischer Medien: "Zum jetzigen Zeitpunkt ist es nach unserem Kenntnisstand wahrscheinlich zu frĂŒh, um den Vorfall mit irgendetwas in Verbindung zu bringen oder ihm irgendwelche Zuschreibungen zu geben."

Dem Postdienstleister DHL liegen bisher nach eigenen Angaben bisher keine Hinweise auf verdÀchtige Pakete an Bord der Maschine vor. "Zum jetzigen Zeitpunkt liegen uns keine Informationen vor, die auf etwas Ungewöhnliches oder VerdÀchtiges hindeuten", sagte Ausra Rutkauskiene, Vertriebs- und Marketingleiterin bei DHL Litauen.

Der Leiter des litauischen Rettungsdienstes, Renatas Pozela, sagte, dass das Frachtflugzeug wenige Kilometer vor dem Flughafen abgestĂŒrzt sei, mehrere hundert Meter weit schlitterte und seine TrĂŒmmer ein Wohnhaus erfassten. Das Haus habe zwei Etagen und vier Wohnungen. Drei Familien hĂ€tten darin gelebt. Alle zwölf Bewohner seien in Sicherheit.

Deutsche Sicherheitsbehörden warnten

Ende August war bekannt geworden, dass deutsche Sicherheitsbehörden vor "unkonventionellen BrandsĂ€tzen" warnen, die von Unbekannten ĂŒber Frachtdienstleister verschickt werden. Das Bundesamt fĂŒr Verfassungsschutz (BfV) und das Bundeskriminalamt (BKA) verschickten seinerzeit einen entsprechenden Warnhinweis an Unternehmen aus der Luftfahrt- und Logistikbranche.

Die Warnmeldung wurde in Sicherheitskreisen unter anderem mit einem Vorfall im DHL-Logistikzentrum Leipzig in Verbindung gebracht, das als weltweites Drehkreuz des Unternehmens fungiert. Dort soll im Juli ein aus dem Baltikum verschicktes Paket Feuer gefangen haben, das einen Brandsatz enthielt.

In der Warnmeldung von BfV und BKA kam das Wort Russland nicht vor. Dennoch wird in Sicherheitskreisen ein Zusammenhang mit den zunehmenden FĂ€llen russischer Sabotage in Deutschland nicht ausgeschlossen.

@ dpa.de | DE0005552004 PRODUKTION/ABSATZ