Neuer Wehrdienst auf dem Weg - Pistorius: «Riesenschritt»
27.08.2025 - 15:36:32Neuer Wehrdienst, Sicherheitsrat, militĂ€rische Sicherheit: Das Kabinett hat ein Gesetzespaket zur StĂ€rkung der Bundeswehr gebilligt und setzt dabei auf verpflichtende Wehrerfassung und Musterung junger MĂ€nner, aber Freiwilligkeit im Dienst. Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) bezeichnete den Gesetzentwurf zur EinfĂŒhrung eines neuen Wehrdienstes als «Riesenschritt nach vorne». Wenn der Bundestag zustimmt, soll das Gesetz zum 1. Januar 2026 in Kraft treten.
Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) sagte nach der Kabinettssitzung, die erstmals seit 19 Jahren im Verteidigungsministerium in einem abhörsicheren Raum stattfand, er sei zuversichtlich, dass die Zahl nötiger Freiwilliger erreicht werden könne.
Er verwies auch auf die im Gesetzentwurf vorgesehene Möglichkeit einer verpflichtenden Heranziehung fĂŒr den Fall, dass nicht genĂŒgend Freiwillige gewonnen werden können. «Wir sind damit wieder zurĂŒck auf dem Weg hin zu einer Wehrdienstarmee», sagte Merz. Das sei eine gute Entwicklung, die er ausdrĂŒcklich begrĂŒĂe. Er verwies auch auf die Bedrohung durch Russland.
Von 2027 an kommt die verpflichtende MusterungÂ
FĂŒr junge MĂ€nner ab dem Jahrgang 2008 bedeuten die PlĂ€ne einige Ănderungen: Sie mĂŒssen vom 1. Januar nĂ€chsten Jahres in einem Fragebogen Auskunft geben, ob sie zu einem Wehrdienst fĂ€hig und bereit sind. Dies ist Teil der Wehrerfassung. Junge Frauen können die Fragebögen ausfĂŒllen, sind aber nicht dazu verpflichtet.
ZunĂ€chst wird nur eine Auswahl des Jahrgangs zu einem «Assessment» - einer Beurteilung - eingeladen. «DarĂŒber hinaus ist vorgesehen, dass ab dem 1. Juli 2027 auch die Musterung fĂŒr MĂ€nner verpflichtend sein wird», teilte das Verteidigungsministerium mit. Limitierender Faktor sind zunĂ€chst noch KapazitĂ€ten fĂŒr Ă€rztliche Untersuchungen und Beurteilungen.
Der Dienst soll attraktiver werden
Ab Dienstbeginn werden alle neuen Wehrdienstleistenden in den Status eines Soldaten auf Zeit berufen und können dabei Verpflichtungszeiten von 6 bis zu 23 Monaten wĂ€hlen. «Wir ermöglichen eine bestmögliche Qualifikation, gerade bei denen, die lĂ€nger bleiben», verspricht Pistorius und nennt Sprachkurse, FĂŒhrerscheine und IT-LehrgĂ€nge. Der Sold werde bei 2.300 Euro netto liegen, wobei Unterkunft und Ă€rztliche Versorgung kostenfrei sind.
Pistorius machte deutlich, dass er von einem Erfolg freiwilliger Angebote im Wehrdienst ĂŒberzeugt sei. Er verwies auf steigende Zahlen - noch bevor zusĂ€tzliche Anreize wirken. «Wir haben fĂŒr dieses Jahr 15.000 angepeilt und sind jetzt im August schon bei knapp 13.000 angelangt», sagte Pistorius. Ziel sei es, bis 2029 auf jĂ€hrlich 30.000 zu kommen und dann 110.000 Wehrdienstleistende ausgebildet zu haben.Â
Kritik vom Bundeswehrverband
Der Vorsitzende des Bundeswehrverbandes, AndrĂ© WĂŒstner, beklagt MĂ€ngel an dem Gesetz fĂŒr den neuen Wehrdienst. «Der Gesetzentwurf ist im Vergleich zur letzten Legislaturperiode zwar eine Verbesserung, greift aber bezogen auf die strategische Herausforderung der Personalgewinnung und -bindung immer noch zu kurz», sagte WĂŒstner der Deutschen Presse-Agentur.
Die Wehrpflicht wurde 2011 ausgesetzt, ist aber weiter im Grundgesetz verankert. Sie kann mit einfacher Mehrheit im Bundestag wieder eingefĂŒhrt werden und tritt auch in Kraft, wenn der Bundestag den Spannungs- oder Verteidigungsfall feststellt.
Nach den neuen Nato-Zielen muss die Bundeswehr eine PersonalstĂ€rke von mindestens 260.000 MĂ€nnern und Frauen in der aktiven Truppe und 200.000 Reservistinnen und Reservisten erreichen. Als Gast nahm an der Kabinettssitzung auch der neue Oberbefehlshaber der Nato-Truppen in Europa (Saceur) teil, Vier-Sterne-General Alexus Grynkewich.Â
Zwei weitere ProjekteÂ
Das Kabinett setzte auch zwei weitere Projekte aufs Gleis. Darunter ist der Nationale Sicherheitsrat: Die Bundesregierung hat die Einrichtung einer solchen zentralen Schaltstelle beschlossen, die bei Krisen tagen und schnelle Entscheidungen herbeifĂŒhren kann, aber auch Strategien fĂŒr Bedrohungslagen erarbeitet und Sicherheit vernetzt angeht. Den Vorsitz hat der Bundeskanzler, derzeit also Merz.
Merz bezeichnete das Gremium nach dem Kabinettsbeschluss als zentrale Plattform fĂŒr ĂŒbergreifende Sicherheitsfragen und wichtigen Baustein fĂŒr eine Sicherheitspolitik aus einem Guss. Ăber einen Nationalen Sicherheitsrat sei seit 30 Jahren diskutiert worden, nun habe die neue Bundesregierung nach vier Monaten den Beschluss gefasst.
Die Ministerrunde billigte dazu ein Gesetz zur StĂ€rkung der Bundeswehr. Es stelle wesentliche Weichen, um die militĂ€rische Sicherheit zu erhöhen und die FunktionsfĂ€higkeit der Bundeswehr besser zu schĂŒtzen, teilte das Verteidigungsministerium mit.Â
Es fĂŒhrt neue Befugnisse ein, damit der MilitĂ€rische Abschirmdienst (MAD) seine Aufgaben effektiv erfĂŒllen könne, auch bei Truppenstationierungen im Ausland. Zudem wird die EinstellungsĂŒberprĂŒfung von Soldaten neu geregelt. Auch erhalten MilitĂ€rpolizisten («FeldjĂ€ger») und zivile Wachleute neue Befugnisse, um die militĂ€rische Sicherheit zu stĂ€rken, auch beim ĂberprĂŒfen verdĂ€chtiger Personen.







