Notaufnahmen: 45 Prozent der Kliniken melden Ăberlastung
Veröffentlicht am: 22.09.2026 um 07:43 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWSFast jede zweite Notaufnahme in Deutschland ist ĂŒberlastet. In einzelnen HĂ€usern kann die Belastung nach EinschĂ€tzung der betroffenen Kliniken die Patientensicherheit gefĂ€hrden.
45 Prozent melden Ăberlastung
Das geht aus einer Umfrage der Deutschen Gesellschaft fĂŒr InterdisziplinĂ€re Notfall- und Akutmedizin (DGINA) hervor. FĂŒr die Erhebung wurden Notaufnahmen in allen BundeslĂ€ndern zu ihrer Situation am 2. Juni 2026 befragt.
Von 271 teilnehmenden KrankenhĂ€usern gaben 45 Prozent an, an diesem Tag ĂŒberbelegt und ĂŒberlastet gewesen zu sein. 31,4 Prozent ordneten ihre Situation im Cedoc-Score auf Level 4 ein, das fĂŒr eine Ăberbelegung steht. Weitere 8,1 Prozent meldeten Level 5 und damit eine schwerwiegende Ăberlastung; 5,5 Prozent erreichten die höchste Stufe 6 einer gefĂ€hrlichen ĂberfĂŒllung.
Fehlende Betten als hÀufigster Grund
Rund die HĂ€lfte der HĂ€user erklĂ€rte, die angespannte Lage habe sich in den vergangenen zwölf Monaten weiter verschĂ€rft. DGINA-PrĂ€sident Martin Pin sagte, die Ergebnisse der Blitzumfrage erschreckten sehr. Aus groĂen internationalen Studien sei bekannt, dass in solchen Belastungssituationen die Patientensicherheit gefĂ€hrdet sei.
Als hÀufigsten Grund nannten 60,6 Prozent der Kliniken, dass Patientinnen und Patienten nicht aus der Notaufnahme auf regulÀre Stationen verlegt werden konnten, weil dort Betten fehlten. ZusÀtzlich berichteten beinahe zwei Drittel der KrankenhÀuser von unbesetzten Stellen im Àrztlichen Dienst oder in der Pflege.
Mehr als acht Millionen Patientenkontakte
Die teilnehmenden HÀuser reprÀsentieren zusammen mehr als 8,5 Millionen Patientenkontakte aus dem Jahr 2025. Insgesamt behandeln die Krankenhausambulanzen in Deutschland jÀhrlich bis zu 25 Millionen Notfallpatienten.
Nur knapp ein Drittel der befragten Kliniken bewertete die Ausstattung mit Ărztinnen, Ărzten und PflegekrĂ€ften als ausreichend. Bei den Angaben zu Ursachen und PersonalengpĂ€ssen waren Mehrfachnennungen möglich.
Die Zahlen beschreiben eine Belastung der Notaufnahmen, die mehrere Ebenen des deutschen Krankenhausbetriebs miteinander verbindet. Wenn Patientinnen und Patienten nach der Erstversorgung nicht auf regulĂ€re Stationen verlegt werden können, bleiben BehandlungsplĂ€tze in der Notaufnahme lĂ€nger gebunden. Dadurch verkĂŒrzt sich der verfĂŒgbare Spielraum fĂŒr neue FĂ€lle â unabhĂ€ngig davon, ob die Zahl der eintreffenden Notfallpatienten kurzfristig steigt.
Besonders relevant ist die Kombination aus belegten Betten und fehlendem Personal. Freie Betten allein lösen die EngpĂ€sse nicht, wenn PflegekrĂ€fte oder Ărztinnen und Ărzte fĂŒr die Aufnahme, Ăberwachung und Weiterbehandlung fehlen. Umgekehrt kann eine bessere Personalbesetzung die strukturelle Ăberbelegung nicht vollstĂ€ndig auffangen. Die Umfrage bildet damit nicht nur eine Momentaufnahme einzelner Ambulanzen ab, sondern verweist auf die enge Verbindung zwischen Notaufnahme, Stationen und verfĂŒgbarer Belegschaft.
Folgen fĂŒr die Versorgung
FĂŒr die Bevölkerung bedeutet die Lage vor allem ein erhöhtes Risiko lĂ€ngerer Wartezeiten und verzögerter Weiterbehandlung. Die Notaufnahme ist zudem nicht fĂŒr die dauerhafte Versorgung stationĂ€r aufgenommener Patientinnen und Patienten ausgelegt. Entlastung kann deshalb nur entstehen, wenn KrankenhĂ€user Betten und Personal verlĂ€sslich koordinieren und zugleich FĂ€lle, die keine stationĂ€re Behandlung benötigen, in geeignete ambulante Strukturen gelenkt werden.
Mit 25 Millionen Notfallpatienten jĂ€hrlich haben VerĂ€nderungen in diesem Bereich eine breite Wirkung. Die DGINA-Erhebung liefert dafĂŒr einen konkreten Belastungswert: 45 Prozent der antwortenden HĂ€user meldeten am Stichtag eine Ăberbelegung oder Ăberlastung, darunter 5,5 Prozent eine kritische Situation.
