Audi, Krise

Audi kommt nicht aus der Krise

05.05.2025 - 09:01:36

Obwohl der Umsatz deutlich gestiegen ist, verdient die VW-Tochter noch einmal weniger als im schwachen Vorjahresquartal. Jetzt hofft man in Ingolstadt auf die neuen Modelle.

  • Audi-Zentrale in Ingolstadt - beim Autobauer lĂ€uft es derzeit schlecht.  - Foto: Daniel Löb/dpa

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  • In China setzt Audi inzwischen auch auf eine eigene Marke. (Archivbild) - Foto: Ng Han Guan/AP/dpa

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Audi-Zentrale in Ingolstadt - beim Autobauer lÀuft es derzeit schlecht.  - Foto: Daniel Löb/dpaIn China setzt Audi inzwischen auch auf eine eigene Marke. (Archivbild) - Foto: Ng Han Guan/AP/dpa

Eigentlich sollte 2024 fĂŒr Audi das Jahr der Transformation sein, doch die VW-Tochter hĂ€ngt auch Anfang 2025 in der Krise fest. Der Autobauer hat im ersten Quartal noch einmal deutlich weniger verdient als im bereits schwachen Vorjahreszeitraum. 

Unter dem Strich blieb ein Gewinn von 630 Millionen Euro auf Ebene des Audi-Konzerns, zu dem neben der Kernmarke auch Bentley, Lamborghini und Ducati gehören. Das waren 14,4 Prozent weniger als vor einem Jahr. 

Aktuell begrĂŒndet Audi den weiteren RĂŒckgang mit einem verschĂ€rften Wettbewerb sowie politischen Unsicherheiten. «Das Jahr wird aufgrund der weltwirtschaftlichen Rahmenbedingungen sehr anspruchsvoll bleiben», sagte Konzernchef Gernot Döllner. 

Dass der RĂŒckgang nicht noch stĂ€rker ausfiel, lag unter anderem daran, dass die Vergleichszahlen aus dem Vorjahreszeitraum ausgesprochen schwach waren. Damals hatte Audi seinen Gewinn mehr als halbiert - unter anderem, weil Teile fĂŒr wichtige und ertragreiche Motoren fehlten. Zudem stĂŒtzten gute GeschĂ€fte bei der Tochter Lamborghini das Ergebnis. 

Kosten fĂŒr CO2-RĂŒckstellungen

Die Kernmarke Audi schwĂ€chelt dagegen weiter und erreicht nur sehr geringe Margen. Zudem musste das Unternehmen unter anderem RĂŒckstellungen fĂŒr die verschĂ€rften CO2-Regelungen in Höhe eines niedrigen dreistelligen Millionenbetrags bilden, wie Finanzchef JĂŒrgen Rittersberger sagte. 

Konzernchef Döllner hofft nun auf die neuen Modelle des Unternehmens. Die Modelloffensive komme jetzt «Schritt fĂŒr Schritt in den weltweiten MĂ€rkten an», sagte er. Gleichzeitig habe Audi «entscheidende Schritte fĂŒr die Neuaufstellung unseres Unternehmens gemacht». 

Dazu zĂ€hlt er auch einen massiven Jobabbau in Deutschland. Im MĂ€rz hatte Audi angekĂŒndigt, bis 2029 bis zu 7.500 Jobs in seinem Heimatmarkt zu streichen und die Ergebnisbeteiligung fĂŒr die Mitarbeiter fĂŒr mehrere Jahre zu kĂŒrzen. Der Jobabbau könnte dabei noch im laufenden zweiten Quartal beginnen. 

China bringt nicht mehr so viel Geld wie frĂŒher

Dass die Zahlen nicht gut ausfallen, hatte sich bereits abgezeichnet - unter anderem, da die Absatzzahlen leicht rĂŒcklĂ€ufig waren. Hier hatten sich andauernde Probleme in China niedergeschlagen. Dort leidet Audi - wie auch seine Konkurrenten BMW und Mercedes-Benz - unter starker Konkurrenz. Audi-Finanzchef Rittersberger sprach von einem «sehr intensiven Preiswettbewerb». Aus dem China-GeschĂ€ft verdiente Audi 170 Millionen - etwas weniger als vor einem Jahr. 

Neue Modelle, die Audi zuletzt auf den Markt gebracht hat, reichten nicht, um den AbwĂ€rtstrend zu drehen. Die Modellwechsel drĂŒckten wegen der mit ihnen verbundenen Kosten vielmehr erst einmal auf das Ergebnis. Der Umsatz stieg dagegen zuletzt relativ deutlich - von 13,7 Milliarden Euro im ersten Quartal 2024 auf 15,4 Milliarden Euro.

Schon die Konzernmutter Volkswagen hatte vergangene Woche schlechte Zahlen fĂŒr das erste Quartal gemeldet: Der Gewinn war um knapp 41 Prozent auf 2,2 Milliarden Euro eingebrochen. Auch Konkurrent Mercedes-Benz startet schwach ins Jahr, BMW gibt seine Zahlen am Mittwoch bekannt. 

Die deutschen Autohersteller leiden derzeit an mehreren Fronten. Im fĂŒr sie wichtigen Markt China wird die Konkurrenz durch heimische Marken und damit auch der Preiswettbewerb immer schĂ€rfer. Wohlhabende kaufen dort in der wirtschaftlich angespannten Situation seit geraumer Zeit weniger auslĂ€ndische Premium- und Luxusautos. Zudem drĂŒckt die Zollpolitik des neuen US-PrĂ€sidenten Donald Trump auf die Aussichten, auch wenn sie sich im ersten Quartal erst schwach bemerkbar machte. 

Auch das Ifo sieht schlechte Stimmung in der Autoindustrie

Die deutsche Autoindustrie ist besonders exportorientiert und hat stark globalisierte Lieferketten, daher ist sie gegenĂŒber stark steigenden Zöllen besonders empfindlich. Das zeigte sich auch bei den neuesten Zahlen des MĂŒnchner Ifo-Instituts zur Stimmung in der Autoindustrie. 

Mit minus 30,7 Punkten sank das GeschĂ€ftsklima in der Branche im April noch einmal ein StĂŒck tiefer. «Die Anfang April in Kraft getretenen US-Zölle haben erste positive GeschĂ€ftsentwicklungen, insbesondere im europĂ€ischen Markt, quasi im Keim erstickt», sagte Ifo-Expertin Anita Wölfl.

Auch Audi ist in der Prognose eher vorsichtig. Zwar hĂ€lt der Konzern an seinen bisherigen Zielen fest - also einem Umsatz zwischen 67,5 und 72,5 Milliarden Euro und einer operativen Umsatzrendite zwischen 7 und 9 Prozent. In diesen Zahlen sind aber weder die Auswirkungen der US-Zölle noch der JobkĂŒrzungen enthalten.

@ dpa.de